laut.de-Kritik

Entwicklungsstop in der Innovationsfabrik.

Review von

Eigentlich war ich immer ein Fan der "neuen" In Flames. Die Schweden durchliefen über Jahre hinweg eine kontinuierliche Entwicklung, deren Richtung zwar nicht jedem gefallen mag, die die Musiker jedoch konsequent beibehielten.

"Siren Charms" hat leider das Problem, dass diese Entwicklung hier schlagartig aufhört. Vielleicht dachten In Flames, dass sie mit "Sounds Of A Playground Fading" ihr vorläufiges Ziel erreicht haben. Jedenfalls verzichten sie auf dem aktuellen Werk auf jegliche neue Ansätze, loten lediglich bestehende Parameter weiter aus.

Während der gesamten Lauflänge wird man das Gefühl nicht los, hier eine reine Resteverwertung zu hören. Allein der Opener klingt wie die kleine Schwester von "Deliver Us". Der Synthieanfang. Das pulsierende Riff. Dazu noch das schneidende Klirren aus "Where The Dead Ships Dwell". Ist das eine gewollte Referenz oder aus Demos zusammengeschustertes B-Seitenmaterial?

Egal wie man es dreht und wendet: Sämtliche Songs kratzen im Vergleich mit "Sounds Of A Playground Fading" einfach grandios ab. Das fängt bei weitaus weniger zwingenden Riffs an und endet bei gestückelten, teils geradezu halbfertig wirkenden Songstrukturen.

Die Refrains erweisen sich noch immer als griffig. Doch auch sie schlagen lange nicht mehr mit solch einer Wucht ein, wie es zum Beispiel "Fear Is The Weakness" tat. Einzig "Everything Is Gone" bildet da eine Ausnahme. Doch selbst diese Hook mutet eher bemüht als natürlich an.

Irgendwie wirkt es, als wäre bei allen Beteiligten die Luft raus. Björn Gelotte zaubert zwar immer noch einen Lead nach dem anderen, doch selbst diese büßen enorm an Wiedererkennungswert ein. Anders Fridén klingt stellenweise fast gelangweilt und insgesamt deutlich weniger aggressiv.

Mit Experimenten können In Flames anno 2014 anscheinend wenig anfangen. Überraschungsmomente gibt es so gut wie keine. Abgesehen von dem kurzen Augenblick der Befremdung, wenn in der Mitte des Albums plötzlich eine Dame das Mikro übernimmt. Das Duett funktioniert bis auf den operesken, vom Rest des Tracks fein säuberlich isolierten Ausklang erstaunlich gut. Verständlich, wenn man hier sofort an "Dead End" denkt, doch mit dem "Come Clarity"-Titel hat "When The World Explodes" nur oberflächlich etwas zu tun.

Zumindest lässt sich nach mehrmaligen Durchläufen eine leichte Steigerung der Songs feststellen. Denn schlecht ist kein einziger von ihnen, das sei unbedingt betont. In Flames verstehen ihr Handwerk – gar keine Frage. Nur leider müssen sie sich nicht nur an anderen Bands, sondern vor allem an sich selbst messen lassen.

Angesichts der eigenen Diskographie kommt "Siren Charms" einfach nicht über den Status "solides Übergangswerk" hinaus. Hoffen wir, dass es tatsächlich ein solches darstellt und beim nächsten Mal die Inspirationsmuse wieder etwas gnädiger gestimmt ist. Denn statt Innovatoren des Göteborg-Styles höre ich auf "Siren Charms" eher die Nickelback des Melo-Death.

Trackliste

  1. 1. In Plain View
  2. 2. Everything's Gone
  3. 3. Paralyzed
  4. 4. Through Oblivion
  5. 5. With Eyes Wide Open
  6. 6. Siren Charms
  7. 7. When The World Explodes
  8. 8. Rusted Nail
  9. 9. Dead Eyes
  10. 10. Monsters In The Ballroom
  11. 11. Filtered Truth

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