laut.de-Kritik

Am Ende sinkt der Hörer zufrieden ins Grab.

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So muss das. Kein Geplänkel, einfach mit der Nagelkeule und Horghs Doublebass die Frise durchkämmen. Schon mit den ersten Tönen, diesem rasanten Geknüppel des Titeltracks, betonen Immortal, dass ihren Fans ein Oldschool-Ritt par excellence bevorsteht. Missverständnis ausgeschlossen.

Immortal ohne Abbath konnten sich wohl die wenigsten vorstellen, mit "Northern Chaos Gods" zeigen Demonaz und Horgh, dass das durchaus funktioniert. Ersterer spielt zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder für seine Band Gitarre und schnappt sich außerdem das Mikrofon. Klar, er ist nicht Abbath, doch sein Rabenkrächzen schindet ebenfalls Eindruck. Zumal er vor musikalischem Selbstbewusstsein nur so strotzt. Seinen Einstand gibt er mit einem dreizehnsekündigen Schrei.

Immortal waren noch nie für ausgiebige Experimente bekannt. Auch auf "Northern Chaos Gods" sind Demonaz' Riffs nicht sonderlich kompliziert, aber wirkungsvoll eingesetzt und gerne höllisch schnell gespielt. Soli halten sich in Grenzen und wenn, dann so innig im Highspeed verwoben, dass sie nicht wirklich in den Vordergrund rücken. Die Atmosphäre Blashyrkhs hat noch immer Priorität, dazu tragen neben den flirrenden Gitarren auch die eisigen Vocals und sowieso die kampflüsternen Lyrics. Tracktitel wie "Into Battle Ride" und "Grim And Dark" sprechen Bände.

Als Schmankerl für die Fans (und wohl auch sich selbst) flucht Demonaz einige Referenzen an das eigene Schaffen ein. Den Plattentitel entnahm er einem Text des "Sons Of Northern Darkness"-Albums: "Aeons ago the legends tell we rode onward / Led astray by the northern chaos gods" heißt es dort in "One By One". Der Herrscher über Blashyrkh, "Mighty Ravendark" schaffte es bereits 1995 in einen Tracknamen, jetzt ehren sie ihn zum zweiten Mal. Und ebenjene erste Nennung – "Blashyrkh (Mighty Ravendark)" von "Battles In The North" – zitiert Demonaz im Riff zu "Gates To Blashyrkh".

Dass "Mighty Ravendark" "Northern Chaos Gods" beschließt ist die einzig richtige Entscheidung. So episch wie hier klangen Immortal lange nicht mehr. Über neun Minuten erstreckt sich dieses Bandmanifest, wächst und wächst und wächst dabei von leisen Clean-Gitarren zu pompöser Monotonie. Genau in der Mitte unterbrechen Immortal diese mit einer Reprise des Intro-Arpeggios und münden in einen fast noch majestätischeren Mid-Tempo-Part. Die Gitarren dienen ab einem gewissen Punkt fast nur noch als Leinwand für Horgh, der ein variables Drumgewitter entfesselt. Demonaz verabschiedet sich, wie er begann: Mit einem langgezogenen Scream. Beinahe sanft betten Immortal den Hörer am Ende zufrieden ins wohlige Wintergrab.

Das Fazit ist simpel: Steht man auf Immortal, steht man auf ihren Black Metal-Sound der alten Schule, der oft auch einfach nur nach sehr kalt gespieltem Thrash Metal klingt, ist "Northern Chaos Gods" ein Pflichtkauf. Zumal Tägtgrens Produktion den rohen Spirit der Anfangstage einfängt, ohne an Druck einzubüßen. Wer das Wiederkäuen alter Formeln satt hat, lässt hier lieber die Finger weg und googelt stattdessen nach neuen Panda-Memes.

Trackliste

  1. 1. Northern Chaos Gods
  2. 2. Into Battle Ride
  3. 3. Gates To Blashyrkh
  4. 4. Grim And Dark
  5. 5. Called To Ice
  6. 6. Where Mountains Rise
  7. 7. Blacker Of Worlds
  8. 8. Mighty Ravendark

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