laut.de-Kritik

Norwegischer HC-Punk. Kann der was? Aber selvfølgelig!

Review von

Muss man Honningbarna kennen? Nein. Muss man sie kennen lernen? Aber ja! Zumindest all jene, die mit einem hoffnungslos überdrehten Punk-Geschrammel etwas anfangen können. Denn die fünf Jungs aus Norwegen veranstalten auf ihrem Zeitwerk "Verden Er Enkel" eine irrsinnige Achterbahnfahrt, die dem Hörer das Adrenalin schubweise ins System pumpt.

Zeit für Vorgeplänkel bleibt nicht, denn schon drängt die Eröffnungsnummer "Dødtid" aus den Boxen. Zunächst nur ein sägendes Gitarrenriff, ehe nach einem kurzen Schrei auch der Rest der Kapelle einsteigt und den Lautstärkeregler mit Schmackes in die Höhe kickt.

Doch kaum hat man sich an den satten Groove gewöhnt, bricht die Riff-Front der beiden Gitarreros schlagartig wieder zusammen. Übrig bleibt ein simpler Beat, über den Sänger Edvard Valberg norwegische Parolen singt, die von einem grölenden Chor zurückgeworfen werden. Im Refrain melden sich die Gitarren wieder lautstark zurück und nach dem heavy drückenden Schlussteil bleibt der Hörer angenehm geplättet zurück. Huuii - was war das denn?

Zeit zum Überlegen bleibt nicht: "Ikke La Deg Rive Med" wird vom Schlagzeug unerbittlich in Fahrt gekloppt und rauscht dann wie das Spaßmobil einer Anti-Abschlussklasse vorbei. "Velkommen Tilbake" gefällt nach einem tobenden Einstieg mit lässig geschnalzter Basslinie, ehe das Geschrammel wieder Überhand nimmt. Gegen Schluss spielen die Gitarren ein locker-verspieltes Riff und eine Orgel dudelt heiter in die freigewordenen Lücken.

Es kann gut sein, dass die jungen Norweger im Bandraum dauernd die Platten der genialen Refused rotieren ließen. Wie die alten Schweden schlagen auch Honningbarna beim Songwriting einen Haken nach dem anderen. Man merkt, dass die Songs nicht auf einer halben Arschbacke sitzend eingespielt wurden. Vielmehr wird die Punkmucke mit Tempowechseln, Breakdowns, Soli und überall aufblitzenden Spielereien frisch gehalten – vom Rückkopplungs-Quietschen bis zum Kinderchor.

Irgendwie mussten die Jungspunde ja die Gunst von Produzent Pelle Gunnerfeldt gewinnen: Der Mann brachte schon auf Alben von The Hives, eben jenen Refused und der artverwandten The (International) Noise Conspiracy den Sound zum Knacken.

Ein Knacken in der Hirnrinde kann auch eintreten, wenn man "Verden Er Enkel" erstmals durchhört. Die Platte ist nicht für jedermanns Geschmack gezimmert und schert sich einen Dreck darum. Easy Listening? Banale Songs nach dem Strickmuster Strophe-Refrain-Stophe? Führen Honningbarna nicht. Die fünf Honigkinder (so heißt der Bandname übersetzt) musizieren am liebsten an der Schwelle zum Austicken. Oder einen Schritt weiter. Da geht immer was: "Fritt Ord, Fritt Fram" etwa ist eine Runde Hochgeschwindigkeitssport, der schon im Sitzen zu Schnappatmung führt.

Gleichzeitig schließen Honningbarna aber auch in das chaotische Auf und Ab genügend Gegengift ein. Die Lärmausbrüche gewinnen im Wechsel mit ruhigeren Passagen erst richtig an Wucht. Dass auch der Groove nicht zu kurz kommt, zeigt sich allerspätestens beim Schluss von "Si Nei", das mit einem drückenden Riff so manche Metal-Kapelle an die Wand fährt. Gibt es auch irgendwas, was die nicht können?

Einen zusätzlichen Sympathiepunkt gibt es für Sänger Edvard: Keine Ahnung, was der Kerl da krächzt, singt, rotzt und schreit – aber mit Bestimmtheit leidet er nicht an einem übersteigerten Geltungsdrang. So oft, wie der Platz macht für versiffte Gang-Shouts, könnte man glatt meinen, der mag gar nicht am Mikro stehen.

Vor allem aber hat der Kerl ein Händchen für ebenso simple wie eingängige Melodien. Der Refrain des Titeltracks "Verden Er Enkel" etwa geht sofort ins Ohr, auch wenn man in der Schule den Norwegisch-Unterricht geschwänzt hat. In diesem Songs hört man endlich auch einmal das Cello, das der Sänger nebenher bedient. Hat man das olle Streichinstrument vermisst? Nö. Kann das was? Aber selvfølgelig!

Trackliste

  1. 1. Dødtid
  2. 2. Ikke La Deg Rive Med
  3. 3. Velkommen Tilbake
  4. 4. Tynn Is
  5. 5. Fritt Ord, Fritt Fram
  6. 6. God Jul, Jesus
  7. 7. Sinna Dame
  8. 8. Fuck Kunst (Dans Dans)
  9. 9. Offerdans
  10. 10. Ned
  11. 11. Si Nei
  12. 12. Verden Er Enkel
  13. 13. Gi Oss Kick

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