laut.de-Kritik

Eine Klassik-Supergroup mit "nur" zwei Mitgliedern.

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Die deutsche Grammophon zeigt sich experimentierfreudig in den letzten Jahren. Sei es, um die jüngere Zielgruppe anzusprechen, oder um den Release-Horizont zu erweitern, spannend sind diese Veröffentlichungen allemal. Nach Ricardo Villalobos oder Carl Craig veröffentlicht das Label mit "Silfra" nun eine Kollaboration der amerikanischen Star-Violinistin Hilary Hahn und dem deutschen Avantgarde Pianisten Hauschka, der schon seit Jahren mit seinem präparierten Piano für Aufsehen und Hinhören sorgt. Quasi eine Klassik-Supergroup mit "nur" zwei Mitgliedern.

"Silfra" ist die isländische Bezeichnung für den Übergang zwischer der nordamerikanischen und eurasischen Kontinentalplatte. Die Grenze zwischen zwei Welten, die sich auch auf dem Album musikalisch annähern und vereinen. Hahn und Hauschka ging es ums gegenseitige Ausprobieren von Dingen, das musikalische Experminent und den Respekt vor dem Schaffen des Anderen. Man ist sich gegenseitig Fan. Klassische Kompositionsregeln und Quintenzirkel ließ man für dieses Projekt außen vor, um den Stücken einen maximalen Gestaltungsspielraum zu ermöglichen.

Hahns flirrende Geige und Hauschkas Tasteninstrument verschmelzen stellenweise zu einem kompletten Orchester und ziehen einen sofort in ihren Bann. Erstaunlich, wie viele Klangfarben die beiden aus ihren, wie man zunächst denken würde, beschränkten Mitteln, herausholen. Mal scheinen sie einstimmig vereint und schwimmen mit der selben Klangwelle ("Stillness"), dann herrscht wieder strikte Arbeitsteilung.

Bei "Draw A Map" etwa macht Hauschka den Beat mit seinen speziell darauf abgestimmten und getunten Klavierhämmerchen. Und das so krachend, dass man das imitierte Schlagzeug gar nicht mehr vermisst. Hahn vertont die Leadmelodie nicht minder kraftvoll.

In ihrer Stimmigkeit sind die Tracks doch intensiv und impulsiv. Mann kann fast nicht glauben, dass sie aus reiner Improvisation entstanden sind. Soundschaften, die vor Stimmungswechesln und Effekten nur so übersprudeln: "Halo Of Honey" knarzt beispielsweise so überzeugend wie ein Dielenboden, auf dem man nachts eigentlich versucht, keine Geräusche zu verursachen. Trotzdem strapaziert das alliterierende Paar seine Hörerschaft nicht über die Maßen und dosiert die Experimentierfreude mit Bedacht.

Was die stilistische Vielfalt angeht, lassen sich H&H ebenfalls nicht die Butter vom Brot nehmen: Bei "Bounce Bounce" entsteht fast eine House-Struktur. Hahns feste Stakkato-Striche werden von dem bollernden Bass des Pianos getragen. Auf "Silfra" entsteht eine fruchtbare Symbiose zwischen der Geniestreicherin und dem Panikpianisten, die hoffentlich auch in der Zukunft Bestand hat. Da capo!

Trackliste

  1. 1. Stillnes
  2. 2. Bounce Bounce
  3. 3. Clock Winder
  4. 4. Adash
  5. 5. Godot
  6. 6. Krakow
  7. 7. North Atlantic
  8. 8. Draw A Map
  9. 9. Ashes
  10. 10. Sink
  11. 11. Halo Of Honey
  12. 12. Rift

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