laut.de-Kritik

Teil 3 der Saga 'Größter deutscher Popstar'.

Review von

Unprätentiös betritt er die Arena, durch einen Seiteneingang, schreitet die erste Reihe ab, lächelt, grüßt, schüttelt Hände. Machen wir uns nichts vor, das ist er: Deutschlands größter Popstar. Es ist noch hell, man sieht gnadenlos alle unglamourösen Details. Der Grönemeyer-Skeptiker lehnt sich in seinem Hartschalensitz zurück und denkt: "Na, das kann ja was werden ..."

Grönemeyer kann, das ist hinlänglich bekannt, nicht tanzen. Sein Gesang ist eigenwillig und auch rein äußerlich widerspricht Herr Grönemeyer allem, was uns allabendliche Casting-Shows als notwendige Bedingung für Superstardom verkaufen. Und nun wippelt er dort auf der Bühne herum, einem Boxer ähnlicher als einem Popstar, und beginnt nach und nach die Hände und - ja, tatsächlich - auch die hier und da schon ziemlich aus der Form geratenen Ärsche der Massen zu bewegen.

Selbst dem kritisch-distanzierten Beobachter jagt es spätestens beim sechsten Song die ersten, gänzlich ungeplanten Gänsehaut-Schauer über den Rücken: "Glück auf, Bochum". Direkt danach: "Männer". Mit Erstaunen stellt man fest, dass Herr Grönemeyer seine beiden Hits noch im ersten Drittel des Konzerts verprasst - nur um in der Folge zunehmend demütig zu konstatieren, dass man auch nahezu alle weiteren Refrains heimlich mitsingen kann. Vereinzelte Strophen gar. Nein, der Mann hatte nicht nur zwei Hits. Es sind so viele, dass es nicht einmal alle Gassenhauer auf die DVD geschafft haben. Der einzige Kritikpunkt zu einem sonst rundum gut gemachten Konzertfilm.

Man muss ihn irgendwie mögen, den Grönemeyer. Schon allein dafür, dass er in einem Jahr unendlichen Wehklagens in der Plattenindustrie lässig Allzeit-Rekorde bricht: Achtfach Platin für "Mensch", das sind fast drei Millionen verkaufte CDs, eine triumphale Tournee vor mehr als 1,5 Millionen Zuschauern, und auch von dieser DVD, Dokument der Konzerte auf Schalke, gingen auf Anhieb mehr als 200.000 Exemplare über den Ladentisch. Sie ist damit die erste Videodisk auf Platz eins der deutschen Album-Charts.

Und die Plattenfirmen-Bosse, die diesen Über-Erfolg mit willenlosem Zuplakatieren deutscher Innenstädte auch nicht verhindern konnten, stehen staunend vor dem Phänomen Grönemeyer und können sich's nicht erklären. Dabei ist es wohl schlicht und einfach, liebe Steins & Co., die ihr von "Künstlern" redet und stets "Produkte" meint: Herbert Grönemeyer ist in der Tat ein Künstler. Was er tut, muss somit Kunst sein. Und die Menschen haben offenbar ein Gespür für so etwas. Produkte kann man aus dem Internet laden. Kunst nicht.

Da schadet selbst der alberne Sternenpulli nicht, den Herr Grönemeyer auf vielen Gigs trug und von dem wir immer vermuteten, 'der Herbert' habe das 'fetzige Teil' höchst eigenhändig auf dem Camden Market erstanden. Stimmt aber gar nicht, die Stylistin war's, erfahren wir im Interview auf der Bonus-CD. Dort gibt ein anglophiler Grönemeyer, im Lehnsessel lässig qualmend Auskunft über seine Befindlichkeit. Erneut: hoch sympathisch. Und zusammen mit ein paar Videos und Karaoke-Versionen eine prima Abrundung dieses hübschen "Für die ganze Familie"-Spaßes vom größten deutschen Popstar.

Trackliste

Mensch Live!

  1. 1. Blick Zurück
  2. 2. Neuland
  3. 3. Viertel Vor
  4. 4. Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht
  5. 5. Ich Dreh Mich Um Dich
  6. 6. Bochum
  7. 7. Männer
  8. 8. Unbewohnt
  9. 9. Der Weg
  10. 10. Mensch
  11. 11. Bleibt Alles Anders
  12. 12. Alkohol
  13. 13. Zum Meer
  14. 14. Dort Und Hier
  15. 15. Flugzeuge Im Bauch
  16. 16. Mambo
  17. 17. Demo (Letzter Tag)
  18. 18. Heimat
  19. 19. Der Mond ist aufgegangen

Mensch Extra!

Mensch Gespräch!

Mensch Lyrik!

Mensch Art!

Mensch Videos!

  1. 1. Mensch
  2. 2. Der Weg
  3. 3. Demo (Letzter Tag)
  4. 4. Zum Meer

Mensch Sing!

  1. 5. Mensch
  2. 6. Demo (Letzter Tag)

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