laut.de-Kritik

Gute Themen, gute Musik.

Review von

Immer diese ersten Eindrücke, die so oft gewaltig täuschen. Bei Helgen zum Beispiel, dem Trio aus St. Pauli, die gerade richtig groß auf Tour gehen, ist der Einstieg in das Album zugegeben ein bisschen sperrig geraten. Aber ist das nicht bei jeder neuen deutschsprachigen Band so? Die Stimme, der Tonfall, der Dialekt, die Texte selbst?

Bei "Das Vergessnis" zum Beispiel irritiert der Refrain. Ein Vergessnis? Reimt sich das besser auf "Gedächtnis" als "Filmriss"? Egal. Helge, der Sänger, artikuliert betont schön, und seine beiden Mitmusiker machen es sich ein bisschen zwischen lässigen Bassläufen und schwingenden Delays gemütlich. "Immer wenn ich dich vergess, fällst du mir wieder ein" klingt dabei paradox und einleuchtend zugleich. Fazit: Der zweite Eindruck ist dann schon ein ganz anderer, denn hier wird musikalisch nicht nur an der Oberfläche gekratzt.

"Das Rätsel", das klanglich in die gleiche Ecke wie sein Vorgänger rutscht, besitzt durch die scheppsen Handclaps einen Hauch Komik. In "Nackt", wenn man genau hinhört, klappert, klingelt und ruckelt es gleichzeitig. In der Mitte des Stücks schleicht sich noch ein kleiner Chor dazu und beschert "Halb Oder Gar Nicht" hier eine liebevoll arrangierten kleinen Höhepunkt.

Apropos Arrangement. Olaf Opal (The Notwist, Sportfreunde Stiller, Die Sterne) war an der Produktion von "Halb Oder Gar Nicht" beteiligt und hat der Band -
nach eigener Aussage - auch Mut zur zur Verwirklichung gemacht. Den braucht man auch, um zwischen Die Höchste Eisenbahn, zu denen eine wirklich nahe musikalische Verwandtschaft nicht abzustreiten ist, und anderen aktuellen Popmusikprojekten noch aufzufallen.

Eindruck hinterlässt jedenfalls auch die textliche Tiefe der Band. In "Lass Uns Feinde Sein" zu finden: "Ich will, dass Leute sagen, wenn sie mich scheiße finden." Oder in "Hamburg/Amsterdam": "Die Wahrheit ist, dass ich dich vermiss'. Und gelogen war, dass es mich nicht trifft." Helgen packen Themen wie Fernbeziehungen, Vergänglichkeit oder auch soziale Überanstrengung an, die man nicht nur schön zitieren kann, sondern die auch an der richtigen Stelle berühren.

So ist "Halb Oder Gar Nicht" ein Debüt-Album geworden, das sich gut hören lässt und trotz schnellen Rückschlüssen auf ähnliche Bands durchaus neue Pfade in der breitgetretenen Ebene der deutschsprachigen Popmusik einschlägt.

Trackliste

  1. 1. Anfang
  2. 2. Fernsehturm
  3. 3. Das Vergessnis
  4. 4. Das Rätsel
  5. 5. Gator
  6. 6. Nackt
  7. 7. Hamburg/Amsterdam
  8. 8. Schlecht
  9. 9. Lass Uns Feinde Sein
  10. 10. Alles Was War Ist
  11. 11. 12
  12. 12. Es Passiert
  13. 13. Paul Und Peter
  14. 14. Fressneid
  15. 15. Halb Oder Gar Nicht

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2 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Amelie scheint eine Krtikerin zu sein die auch etwas in ihrem Köppl haben tut wenn sie noch etwas an ihrem Writingstil arbeiten kann sie es wirklich weit nach oben schaffen im Geschäft der Musikbewertung. Auch dem Album kann man sicher 3 oder 4 Points geben, weil die Helgens eine gute Energy transportieren in Text und Tonierung.

    Beste Grüße Willi

  • Vor einem Jahr

    Eigentlich gefällt mir das Album. Wenn nur nicht das totproduzierte Schlagzeug wäre. Vorallem die Snare klingt wie in meterdicke Watte gepackt. Das Album könnte richtig gut sein mit einem richtigen Schlagzeug Sound.