laut.de-Kritik

Stimmungsvoll, düster und ergreifend.

Review von

Spannend haben sie's gemacht, die vier Schwaben. Es war zunächst unklar, welchen Weg Heisskalt auf ihrem zweiten Album gehen würden. Die beiden vorab veröffentlichten Songs deuteten in unterschiedliche Richtungen: Während "Euphoria" den bisherigen handgemachten, energetischen Deutschrock mit Hardcore-Einflüssen versprach, sorgte "Absorber" mit elektronischen Progsounds und avantgardistischen Sprachsamples für Kontroversen bei den Fans. Auf "Vom Wissen und Wollen" finden sich nun beide Seiten wieder – und machen das Album zu einem mehr als würdigen Nachfolger von "Vom Stehen Und Fallen".

Straighte Drums und innovative Akkorde packen den Zuhörer mit dem ersten Ton von "Euphoria" und nehmen ihn mit auf eine Reise über Berge und Täler menschlicher Emotionen bis zum beängstigenden Blick in den Abgrund. Die Songstrukturen sind dynamisch, der Sound atmosphärisch und die Melodie bleibt dabei nicht auf der Strecke.

"Nichts Weh" bietet die beste Hook des Albums, und "Apnoe" wirkt mit zurückhaltender Instrumentierung wie ein vertontes Gedicht. Es ist der Kontrast zwischen ruhigem Postrock und brachialem Hardcore, der die Musik von Heisskalt so packend macht. Zwischen verträumten Dahintreiben im Wasser und Verschlungen werden von der Hydra liegen manchmal nur ein paar Takte.

Die Vocals von Sänger Mathias Bloech reichen von ruhigem Sprechgesang bis zu Shouts. Aufgenommen wurden sie getrennt von den Instrumenten: Mathias und Produzent Simon Jäger zogen sich dafür in die Abgeschiedenheit der Schweizer Alpen zurück. Die Texte sind gewohnt stark, behandeln neben persönlichen Emotionen und das Hadern des Menschen mit Sinnhaftigkeit und Leere auch das Weltgeschehen.

Das "Lied Über Nichts" liefert dabei die konkreteste Botschaft: "Wir schützen die Grenzen der Länder wie unsere eigenen Leben und sind so konsequent gut darin, die Grenzen der anderen zu übersehen". Besonders frohe Aussichten hat Bloech aber nicht: "Diese Wand bleibt Wand, wie zuversichtlich auch deutlich Ausgang darauf prangt", heißt es in "Tanz, Tanz". Der Song will einen ekstatischen Ausbruch aus dem Alltagssystem, allerdings nicht mittels eines Discoabends mit Freunden, sondern mit einem fulminanten Sprung in den Abgrund. "Tanz, als hättest du die Risse in der Wand nicht gesehen, als hätte kein Zeuge die Tat überlebt".

Besonders hervorzuheben ist auch der Klang der Gitarren: warmer Crunch liefert das Fundament, mit dezenten Effekten verfeinerte Leadgitarren spielen dazu mehr als geschmackvolle Licks. Sehr schön zu hören bei "Trauriger Macht" und beim Ende von "Doch", bei dem die zweite Gitarre mit nur drei Noten einen wahnsinnigen Gänsehautfaktor schafft.

Aber was ist jetzt mit den proggigen Elektroelementen? Diese sind beim zunächst ungewöhnlichen "Absorber" am dominantesten, der "Who-are-you-Loop" dürfte nicht bei allen Fans Gefallen finden. Doch die anfängliche Angst, Heisskalt könnten sich durch zwanghaftes Innovativseinwollen verzetteln, bleibt unbegründet. Bis auf ein paar Effekte über Gesangsspuren ("Angst Hab", "Doch") bleiben die Sounds dezent, und auch der eben genannte "Absorber" zündet nach einigen Durchläufen.

Im Ergebnis ist "Vom Wissen und Wollen" ein stimmungsvolles und abwechslungsreiches, düsteres und ergreifendes Album geworden, das nicht nur Fans begeistern müsste.

Trackliste

  1. 1. Euphoria
  2. 2. Absorber
  3. 3. Nacht Ein
  4. 4. Angst Hab
  5. 5. Apnoe
  6. 6. Trauriger Macht
  7. 7. Von Allem
  8. 8. Doch
  9. 9. Nichts Weh
  10. 10. Lied Über Nichts
  11. 11. Tanz, Tanz
  12. 12. Papierlunge

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