laut.de-Kritik

Technoide Entdeckungsreise mit einer Vielzahl von Abzweigungen.

Review von

Sein zehnjähriges Jubiläum feiert der Kanzleramt-Macher in diesem Jahr. Zehn Jahre, in denen der Bad Nauheimer DJ, Produzent und Label-Owner sich in der Szene mit zahlreichen Releases einen Namen machen konnte. Zudem zählt Heiko Laux' Kanzleramt, im Gegensatz zu Schröders Amtssitz, zu den Adressen, die man gerne in seinen Pager aufnimmt; zumindest wenn es um Techno geht. "Presents Offshore Funk" feiert das Jubiläum mit zehn in bester Detroit-Manier Kopf und Beine rockenden Technotracks, die auch den einen oder anderen Abstecher in Richtung Jazz, Funk und Disco mit spielerischer Leichtigkeit bewältigen.

Leichtigkeit ist überhaupt das passende Stichwort zum 99. Kanzleramt-Release, für das Heiko Laux seinen Studionachbar, den Jazz-Musiker und Produzenten Teo Schulte gewinnen konnte. Schulte sitzt ansonsten bei Bands wie Clawfinger, Such A Surge oder Joachim Witt an den Reglern und dreht so lange an ihnen herum, bis er den Sound schließlich für gut befindet. Zwei Soundperfektionisten treffen aufeinander, denn auch Laux bewies mit seinen letzten beiden Releases "Sense Fiction" und "Ornaments", was in ihm steckt. Die Tracks von "Presents Offshore Funk" bauen denn auch auf den beiden Vorgängeralben auf. Songorientierte Strukturen, die einer verschachtelten Erzähldynamik folgen, machen den Charakter der Platte aus und erteilen simplen Technotool-Tracks ein klare Absage.

Dass nicht allein das körperliche Erleben der Tracks auf dem Dancefloor die Produktionsmaxime von Laux war, machen die unruhigen Orgelflächen des Openers "Dopelagged" schnell deutlich. Elektronischer Space-Techno-Jazz, wie er auch aus Detroit kommen könnte. Ein Höreindruck, der sich bei der schon erschienenen Singleauskopplung "Still Lively" noch verstärkt, deren verschobene und mit viel Hall belegte Flächen die Nähe zu Produzenten wie Jeff Mills, Robert Hood und vor allem Funk D'Void offenbaren. Wie die Detroit-Veteranen versteht es auch Laux, seinen Tracks eine luftig wirkende Leichtigkeit zu geben, die man im ersten Augenblick für das Ergebnis von kalkuliertem Minimalismus halten könnte.

Erst bei näherem Hinhören entpuppen sich die Tracks als komplex verschachtelte Soundarrangements mit einer Vielzahl von Abzweigungen und Pfaden, die die Zuhörer einladen auf Entdeckungsreise zu gehen, sich treiben zu lassen. Klar, dass Laux dabei den Dancefloor nicht aus den Augen verliert, ohne ihm allzu offensichtlich und ausschließlich zu huldigen. "Presents Offshore Funk" gehört für mich zu den besten Techno-Releases in diesem Jahr und unterstreicht die Entwicklung in der Szene weg von der rein funktionalen Körperlichkeit hin zu einer lange nicht gehörten Geistigkeit in den Tracks.

Trackliste

  1. 1. Dopelagged
  2. 2. Population
  3. 3. Still Lively (Album Mix)
  4. 4. Offshore Jazz
  5. 5. Santa Maria (Album Mix)
  6. 6. Tamarama
  7. 7. Best Of All Worlds
  8. 8. Palm Cove
  9. 9. Dude Loco
  10. 10. Diminuendo

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