laut.de-Kritik

Herzzerreißend schön.

Review von

Geht es um Hammocks cineastischen Klänge zwischen Post-Rock, Ambient, Neo-Klassik und Elektronik, lassen sich Magazine wie Pitchfork, VICE und The Wire regelmäßig zu Lobeshymnen hinreißen. Ihre Melodien verwendet man häufig bei Filmen, Fernseh- und Bühnenproduktionen. Seit dem Doppelalbum "Departure Songs" von 2012 prägen vermehrt geistliche Einflüsse die Musik der Band aus Nashville, Tennessee, die aus den beiden Gitarristen Marc Byrd und Andrew Thompson besteht.

Diese Entwicklung erreichte mit dem von tieftraurigen Chören und Streichern durchzogenen "Mysterium" von 2017 ihren vorläufigen Höhepunkt, das zugleich den Ausgangspunkt für eine Trilogie bildet. Dabei stellt das Werk laut Thompson "beinahe ein Requiem" dar, ein nahestehendes Familienmitglied Marcs war zuvor an Krebs gestorben. Mit "Universalis" findet das Duo hinaus aus der Verzweiflung und wendet sich wieder vermehrt zuversichtlicheren Tönen zu. Die Platte führt nach und nach zum Licht und somit zurück zum Leben.

Zunächst erzeugen aber ein dräuendes Ambient-Fundament und sphärische Streichermelodien eine nebulöse, erdrückende Grundstimmung. Baeho 'Bobby' Shin, der in der Vergangenheit nicht nur mit Hammock, sondern auch mit James Blunt oder den Backstreet Boys zusammenarbeitete, transkribierte und erweiterte die Orchesterparts um zusätzliche Arrangements. Die Atmosphäre zieht sich auch durch das folgende, von marschierenden Drums geprägte "Scattering Light". Hier kommen aber schon erste Hoffnungsschimmer auf: Helle Gitarrenklänge und kunstvolle Orchestrierung erhellen das melancholische Soundbild kontinuierlich.

Trotzdem bleiben Verlust und Trauer allgegenwärtig. Demgemäß hinterlassen in "Tether Of Yearning", das untypisch für die US-Amerikaner mit Windgeräuschen, Meeresrauschen und Vogelgezwitscher beginnt, kreisende Streicherklänge, ein gleichbleibendes Gitarrenmotiv und dunkle Ambient-Flächen im Hintergrund ein Gefühl von Einsamkeit. Ebenso schwingt stets etwas Sakrales in den Kompositionen des Duos mit. So etwa im bedächtigen Titelstück, das mit seiner religiösen Schwere einen Bezug zum Universellen herstellt - mittendrin allerdings mit in sich gekehrten, ruhigen Momenten auch eine Naturverbundenheit ausstrahlt.

Danach kehrt die Band mit "Cliffside", das herzzereißend schöne Gitarren- und Streichermelodien besitzt, die Matt Kidd vom befreundeten Projekt Slow Meadow mit dezenten Keyboards unterlegt, sogar zur Eingängigkeit ihres 2006er-Albums "Raising Your Voice... Trying To Stop An Echo" zurück. "We Are More Than We Are" dringt schließlich nach der schwebenden Überleitung "Always Before Your Eyes" in dynamisch rockige Gefilde vor. In der Mitte des Tracks erhebt sich allerdings der engelsgleiche Gesang Marc Ehefrau Christine Glass Byrd, der "Losing You To You" von der gleichnamigen Scheibe erinnert, in euphorische Sphären. Jegliche Schwermut scheint verflogen.

Diese bricht aber gegen Ende noch einmal durch. "Thirst" lebt mit präzisen Drumschlägen, wehmütiger Shoegaze-Gitarre und dichten Keyboardschwaden noch von seiner atmosphärischen Spannung. Das unfassbar berührende "We Watched You Disappear" hält mit sinfonischen Keyboards, melodramatischen Streichern und dezenten Pianotupfern aber die Erinnerung an das Verlorene wach.

Zum Schluss fühlt man sich in "Tremendum" fast von warmem Licht umhüllt, wenn anmutige Engelschöre und Orchester in eine optimistische Zukunft geleiten. Eine fast schon göttliche Erfahrung - an Intensität und emotionaler Tiefe steht die Platte "Mysterium" in Nichts nach.

Trackliste

  1. 1. Mouth To Dust... Waiting
  2. 2. Scattering Light
  3. 3. Universalis
  4. 4. Cliffside
  5. 5. Always Before Your Eyes
  6. 6. We Are More Than We Are
  7. 7. Tether Of Yearning
  8. 8. Clothed With Sky
  9. 9. Thirst
  10. 10. We Watched You Disappear
  11. 11. Tremendum

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