laut.de-Kritik

Von Rohrkrepierer bis gelungenen Songs ist alles dabei.

Review von

Viel Zeit lassen sich Hämatom ja nicht mit ihren Veröffentlichungen. "Bestie Der Freiheit" ist gerade mal ein Jahr her und schon schieben sie mit "Maskenball" das nächste Album nach?

Durchaus richtig, allerdings gibt es dieses Jahr eben 15 Jahre Hämatom zu feiern. Und das auf die für die Band typische Art und Weise - ausgiebig. Deswegen findet man auf "Maskenball" eine bunte Mischung aus neuen Tracks, Coverversionen und überarbeiteten alten Songs.

Los geht's aber mit der neuen Nummer "Wir Sind Keine Band". Die Nummer könnte auch gut und gerne von Frei.Wild oder den Onkelz stammen. Hämatom singen dazu passend: "Kommt damit klar oder leckt uns am Arsch." Kann ich unterschreiben. In eine ähnliche Richtung geht "Scheiße Aber Glücklich" und auch "Anti Alles" weiß absolut zu überzeugen.

Dass die Band zwischen sozialkritischen und selbstironischen Texten ganz nach Belieben hin und her springt, ist kein Geheimnis. Und dass dabei immer jede Menge Hooks und Singalongs wie in "Bleib In Der Schule" oder "Blut Für Blut" rausspringen, ebenfalls nicht.

Es finden sich auch ein paar wirklich tolle Balladen auf "Maskenball". Diese machen deutlich, dass Nord auch eine angenehme Singstimme hat. Im Falle des sehr aufrüttelnden "Engel Lügen Doch" oder "Unsterblichkeit" trägt seine Stimme den Song sehr gut allein. In "Alte Liebe Rostet Nicht" harmoniert er auch perfekt mit Michael Rhein (In Extremo).

"Teufelsweib" war der Opener von "X", damals allerdings noch mit ordentlich Stromgitarren-Dampf unter der Haube. In dieser Shanty-Version besitzt der Song allerdings durchaus einen eigenen Reiz. Genauso wie "Fick Das System", das hier in der tschechischen Version kurzerhand "Ser Na System" heißt.

Mit Coverversionen hat die Band auf "X" zum Teil ja schon großes geleistet, zum Teil aber auch richtig verkackt. So läuft es auch auf "Maskenball".

"I Want It All" von Queen muss – Hansi Kürsch von Blind Guardian hin oder her – nicht unbedingt sein. Vor allem die programmierten Drums klingen extrem klinisch und tot. Auch wenn man zunächst bei einer gewissen Lautstärke den Eindruck hat, hier einen mörderfetten Sound zu haben.

Trios
"Da Da Da" bekommt durch die hart riffende Gitarre ordentlich Feuer. Alex Wesselsky (Eisbrecher) passt stimmlich bestens zu Nord. Wirklich sympathisch wird mir die Nummer dennoch nicht.

Mit "Stressed Out" von Twenty One Pilots nehmen sich Hämatom einen recht aktuellen Song vor, der in dieser Version wenigstens wieder ansatzweise hörbar wird, nachdem man im Radio damit totgenudelt wurde.

Bevor das Konzept bei"Boom Boom Boom" von K.I.Z. perfekt aufgeht, steht mit "Human" von Rag'n'Bone Man ein Rohrkrepierer an. Von dem Song sollte man einfach die Finger lassen, da er im Original eine Kraft ausstrahlt, der man auch mit harten Gitarren und derben Vocals nichts hinzufügen kann.

Versöhnlich stimmt die starke Version von Marius Müller-Westernhagens "Freiheit", die sich zwar nicht maßgeblich vom Original unterscheidet aber muss sie ja auch nicht. Der Papa wär stolz drauf.

Trackliste

  1. 1. Wir Sind Keine Band
  2. 2. I Want It All
  3. 3. Da Da Da
  4. 4. Engel lügen doch
  5. 5. Anti Alles
  6. 6. Stressed Out
  7. 7. Bleib in der Schule
  8. 8. Alte Liebe Rostet Nicht
  9. 9. Scheiße aber glücklich
  10. 10. Human
  11. 11. Boom Boom Boom
  12. 12. Teufelsweib
  13. 13. Blut für Blut
  14. 14. Ser Na System
  15. 15. Freiheit
  16. 16. Unsterblichkeit

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