laut.de-Kritik

Drei Brüder für ein Hardrock-Halleluja.

Review von

Mit dem Grammy-dekorierten Erstling "Anthem Of The Peaceful Army" haben Greta Van Fleet den klassischen Rocksound der Sechziger und Siebziger einem Publikum nahe gebracht, das Gitarren sonst mit Museum und Vitrine verbindet. Die Band sorgt seit 2017 für Furore und damit noch vor Fridays For Future für einen ersten Greta-Hype.

Neben den allgegenwärtigen Classic Rock-Verbeugungen - insbesondere ein gewisser Bleizeppelin ist nicht zu leugnen - gelingt das Zweitwerk "The Battle At Garden's Gate" epischer und progressiver. Dies steigert die Langzeitwirkung und gefällt der Nase eines jeden Spürhundes in Sachen musikalische Querverweise.

Die Gebrüder Kiszka und ihr Buddy Danny Wagner haben die Sechziger und Siebziger mit der Muttermilch aufgesogen. Als Mittelsmann diente hierbei der musikbegeisterte Vater von Josh, Jake und Sam, der seine Jungs mit Classic Rock, Motown, Blues und Big Band-Stuff beschallte, so dass die Bande kurz nach dem Abstillen mit eigenen Songs um die Ecke kam.

Die Gretchenfrage mit Blick auf Frontmann Josh lautet: Ist die Stimme zu dünn und auf Dauer nervig oder verfügt sie über das richtige androgyne Maß, das Größen wie Robert Plant, Jon Anderson und Geddy Lee auszeichnet? Belassen wir es bei der Frage und übergeben die Antwort an die Kommentarspalte. Fest steht: Greta van Fleet verstehen sich auf ihr Handwerk, auch wenn der Weg zur Kunst auf "The Battle At Garden's Gate" noch lange nicht vollendet ist.

Das Quartett stillt die Sehnsucht nach vergangenen Epochen und weckt die Hoffnung auf die Fortführung des Retro-Stils. Aufgrund der an analoge Aufnahmen angelehnten Produktion klingt die Platte äußerst bodenständig. Diesen Vintage-Charme, der auch die Bandfotos betrifft, konterkariert das Kollektiv mit den überbordenden Texten, die in Gut/Böse-Schematismus erstarren und manch einfallsloses und aufgebauschtes Arrangement zur Folge haben.

"Broken Bells" klingt in der Themengestaltung wie eine Mischung aus Morricones "The Ecstasy Of Gold" und "Stairway To Heaven". Mit dem Opener "Head Above" gelingt hingegen ein euphorisches Manifest und schlicht ein Hammertrack.

"Build By Nations" leitet ein apartes Single Note-Riff ein. "Tears Of Rain" und "Light My Love" sind - nomen est omen - balladeske Schmachthappen mit folkigen Tupferln, Elton John-Piano und orchestraler Dichte, die durchaus an Aerosmith gemahnen. Das Episch-theatralische "The Barbarians" erreicht in Windeseile den kitschigen Punkt. Breitbeinig gespielte Akkorde stützen eine Armada aus Keyboards.

"Trip The Light Fantasy" versprüht Spätsiebziger Charme des kanadischen Prog-Trio Rush, bevor ein Bar-Piano dezente Glamrock-Vibes der Guns N' Roses Phase um "Use Your Illusion" streut. "Caravel" lebt von seinen pointiert gespielten Gitarrenvoicings, die gekonnt Melodie und Akkord-Arbeit verbinden.

Es fehlt der unbeschwerte Charakter des Debüts. Leicht-luftige Songs wie "Immigrant Song", "Rock'n'Roll" oder "The Song Remains The Same" der großen Vorbilder Page, Plant, Jones und Bonham sucht man vergebens. Das hardrockige "My Way, Soon" reicht am ehesten an diesen Gestus heran, verbleibt indes im mittleren Tempo. Die Amis wirken regelrecht erwachsen, was auch das mystische Artwork unterstreicht. Die Mitglieder alle Anfang/Mitte Zwanzig dürften diese ungezügelte Energie auf einer der fernen und in der Vergangenheit so gerühmten Live-Gigs entfachen.

Ein pittoreskes Picking leitet den Abschluss ein. "The Wheigt Of Dreams" ist tatsächlich der versprochene Prog-Brocken und könnte in der Machart für die Zukunft der Band stehen. Dass die Saat aufgeht, dürfte nach der zweiten Veröffentlichung klar sein. Bleibt zu hoffen, dass Greta Van Fleet die Sturm und Drang-Phase beibehalten und nicht wie die Blues Pills in allzu poppige und moderne Gefilde abrutschen. Es gibt auch abseits der Wege, die die Großen ebneten, noch viel zu entdecken.

Trackliste

  1. 1. Heat Above
  2. 2. My Way, Soon
  3. 3. Broken Bells
  4. 4. Built By Nations
  5. 5. Age Of Machine
  6. 6. Tears Of Rain
  7. 7. Stardust Chords
  8. 8. Light My Love
  9. 9. Caravel
  10. 10. The Barbarians
  11. 11. Trip The Light Fantastic
  12. 12. The Weight Of Dreams

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LAUT.DE-PORTRÄT Greta Van Fleet

"Es gibt diese neue Band Greta Van Fleet – sie sind 18, 19 Jahre alt und klingen exakt wie Led Zeppelin. Scheiße, sie verstehen es!", schwärmt der …

24 Kommentare mit 35 Antworten

  • Vor 27 Tagen

    Noch immer ähnlich schwach wie die erste Platte. Und sie krankt am selben Problem: Musikalisch können sie trotz der 50 Jahre Abstand dem LZ nicht ansatzweise das Wasser reichen und haben nicht den Hauch der Energie ihrer Vorbilder. Und lyrisch machen sie sich noch immer vollkommen lächerlich im Vergleich.

    • Vor 27 Tagen

      "Musikalisch können sie trotz der 50 Jahre Abstand dem LZ nicht ansatzweise das Wasser reichen"

      Das ist ein harter Vorwurf; das konnten auch LZs Genrekollegen in den 70ern nicht.

      Aber ich will eigentlich nicht mal Partei für die ergreifen. LZ imitieren zu wollen ist immerhin nobel, wenn's auch fehlschlagen mag. Besserer Ansatz als sich beispielsweise ACDC-Kopie auf die Fahnen zu schreiben.

    • Vor 27 Tagen

      Das allemal. Zumindest zielen sie hoch. Und ja, auch zu ihren Zeiten waren LZ schon monumental und oft vergeblich kopiert. Finde aber, wenn man sich 50 Jahre später anschickt, es noch mal zu versuchen, und dabei alle musikalischen Entwicklungen ignoriert, braucht es wenigstens Attitüde. Was Page und Plant sehr viel später noch hinlegten, hatte noch immer mehr davon.

  • Vor 27 Tagen

    Dieses Starrluftschiff bleibt am Boden so lange die gesamte Crew Blei für das geeignetste Traggas hält.

  • Vor 27 Tagen

    Der Gesang ist teilweise Körperverletzung.

  • Vor 21 Tagen

    Familienunternehmen, klingt so bashing einladend. Möchte ich bashen? Scheiße LZ kommen nicht wieder und sterben so und so übermorgen.

    Dazed and Confused ist ein Coming of Age Film und natürlich einer der stärksten Songs die LZ ever gemacht haben, klar?

    Bis zur Bewusstlosigkeit oder Bewusstlos gehört? Ja natürlich, der Song war the one and only, er war frisch wie ein Brötchen morgens um 5, dem entsprechend!

    Dem entsprechend kann man nur irre werden, wenn heute 40 oder gar 50 Jahre later, ein Familienunternehmen sich auf die Spandex pappt, mein Arsch ist genauso geil wie der von Robert Plant!

    Das schreit nach einem Vergleich, keine Sorge ich werde mit Sicherheit nicht den "Bobbes" von Joshua Kiszka anrühren.

    Joshua muss definitiv an seiner Hüftsteifigkeit arbeiten, der bewegt sich zu wenig, meine Meinung. Das sieht man nicht nur, das hört man auch sehr gut, seine Stimme hat nicht den Rhythmus und damit auch nicht die Power die Plant bis ins hohe Alter hat und hatte.

    Hier ein Beispiel was das ganz gut belegt: https://www.youtube.com/watch?v=ENfETz7RCwo

    Zurück zu Dazed und Confused, nun das Video von LZ in ihren Spättagen und man beachte Plant insbesondere (achtet auf den Zeigefinger): https://www.youtube.com/watch?v=P_KTrCLkdBQ

    Nein ohne Zweifel, Greta Van Fleet brauchen noch und sind mit um die 20 Jahre Altersschnitt, noch lange nicht soweit wie LZ. Einen Robert Plant erreicht eh keiner in den nächsten 100 Jahren, als kann man sich Vergleiche gleich sparen.

    Abschreiben die Greta? Warum? Brauchen noch Zeit mein Fazit………..

  • Vor 17 Tagen

    yorval:
    MAN muß SIE nicht unbedingt mögen oder lieben, man muß es nicht, aber nach ihrem starkem Erstling „Anthem of the Peaceful Army“ ist der Greta, dem Flagman der Flotte mit diesem neuen Album ein enorm großes Kunststück gelungen, IMHO /aus Englischem/ und deshalb kommt hier u. jetzt meine Berichtanalyse, im Gegenteil zu der unangebrachten u. total unverdienten Kritik seitens plane_j, der ja eigentlich nicht momentan bei der Sache und ganz klar gesehen nicht in der Stunde ist, leider.
    Ich möchte ganz gerne dem jungen Mann - plane_j irgendwie nicht entgegenkommen, sondern ganz umgekehrt: seine unangebrachte Pseudokritik einfach unter die Lupe nehmen. Ja, zweifellos GvF sind den Hardrock-Göttern Lead Zeppelin sehr ähnlich und klingen fast wie deren Zwillingsbrüder /abgesehen von ihrem größten Manko, zum Unterschied v. Kingdom Come – Josh’ Leaderstimme, die sehr jämmerlich dahin schlendert wie einst die des King Diamond oder Geddy Lee v. den Kanadiern Rush/, doch das verwandelt sie ja eigentlich gar nicht zu deren glatten Plagiaten, wie einer mit einfacher Denkweise, annehmen würde. Denn es gibt, wie eben einst einer gesagt hat – ganz gute u. stark etablierte Bands, die das gutbekannte ALTE in neuen Gewänden zur neuen Geburt wiedererweckt haben, mal abgesehen v. den Texanern Black Keys oder Sabaton u. The Bullet aus dem nördlichen Schweden, aber das macht sie längst nicht zu bloßen Nachahmern, oder… denken Sie ganz anders darüber. So, und jetzt zurück zu der modernen Sensation GvF und dem neuen würdigvollen Ohrwurm „The Battle at Garden’s Gate“. Was ich von der Platte halte, ohne jegliches Misstrauen ist, daß sie die Band auf einer höheren Stufe der modernen Rockkultur gebracht hat und infolgedessen nun kann man ihre eigene Stilrichtung ohne sie und ihren großen Beitrag dazu nicht mehr denken, denn damit errangen sie nun Kultstatus, ebenso wie ihre weltberühmten Vorgänger. Und das, was GvF als wyürklich große musikalische Figur untermauert, ist ihr Selbstvertrauen u. die in ihren Songs stark zimentierte Sicherheit; die Tatsache, daß sie zweifellos über unendliche Qualität verfügen u. enormes Glauben in ihren eigenen Stärken haben u. dies der ganzen üblichen Musikwelt entsprechend zielbewußt gerne zeigen möchten u. wollen. Sie sind keine Super-Band, noch längst nicht, aber sie wollen sich im harten heiklen Musikbusiness klar durchsetzen u. behaupten und uns einfach mit ihrem Können und von ihrem praktisch geprüften Talent überzeugen, nichts mehr, Fakt.
    Und der junge Kritiker plane_j nimmt dummer Weise an, daß sie eine Eintagsfliege sind, aber der weiß ja nicht, wie gewaltig er sich HIER eigentlich irrt, leider zu seinem eigenen Bedauern, tatsächlich! Das werde ich gleich mit 3 exakten Beispiele auf folgende Weise unterstreichen, nämlich: Als Erstes, werde ich dem Supersong „Broken Bells“ die entsprechende Achtung und große Ehre schenken. Es klingt ohne jeglichen Vorbehalt u. Bedenken sehr nah dem weltberühmten Evergreen „Stairway to ThE Heaven“ von den Altmeistern LZ Anfang 70-er aufgenommen. Ja, aber dennoch ist es „fast“ ganz anderes Werk, denn auf eigene Weise gibt dieses Lied der Feeling zugleich entzückend als kristallreiner Revival die bezaubernde magische Atmosphäre dieser glänzender Rockepoche wieder… Und das hängt eben mit dem unzerreißbaren Faden, der GvF mit dieser glorreichen Zeit unumstritten klar verbindet, denn die ist direkt mit dem Gesamtbild stark geknüpft, das der heutige Hardrock u. Rock’n‘Roll-Musikall darstellt. Aber, die Jungs v. GvF haben auch eine passende Überraschung für die Fans parat, denn wenn man den überragenden u. einem der besten in der Geschichte Gitarrensolo vom überhaupt besten Instrument-Beherrscher Jimmy Page vergebens sucht, ist es einfach nicht da… Denn das „originelle“ Gitarrensolo der alten LZ-Zauberhymne wurde im letzten ausklingenden Akkord der Platte, eben in dem Lied „The Weight of The Dreams“, eines Art „Kashmir“-Tributs dorthin gebracht… Tja, was für Trümpfe haben diese cleveren Musiker in ihrem Ärmel noch versteckt, nehme ich an, werden wir in den nächstkommenden CD erwartungsvoll erfahren und zu hören bekommen. Und als Zweites, will ich Ihre Achtung zu einem anderen verdächtigen Hit, dem Song „HEAD Above“ (The Water!) weiterlenken. Es ist, ein richtungsweisendes, nach der Absolut-Standard Band The Queen klingendes Lied mit seinem echoähnelnden u. speziel wirkungsvoller Atmosphäre geschaffenen polyphonischen Sound; ja-ja, richtig ganz große Hitnummer ist es demzufolge geworden. Das dritte Beispiel habe ich bereits erwähnt, das finale Gitarrenopus „Weight of Dreams“, womit sie gezeigt haben, daß die Gruppe GvF mit dieser außerordentlich gelungenen nach ihrem Debut-CD harte Prüfung mit ihrer folgenden zweiten Platte erfolgreich bestanden haben.
    Und was ich hier noch ausdrücklich betonen will, ist mein Glauben, daß GvF diejenige Jungs eben sind, die sich einfach zugetraut haben weiterhin auf ihrer eigensinnigen Art bestmöglich ganz geschickt u. talentiert und zugleich sehr schöpferisch und absolut bedeutend und auf ziemlich eindrucksvolle Weise der Nachlass der überdimensionalen Musikgrößen LZ bearbeitet und uns wiedergegeben haben, was ihr ganz größter Beitrag zu der Musikwelt worden ist…, was eigentlich heißt: Sie sind NICHT die LZ, aber Sie sind ihre gute großerzogene Kinder, ganz einfach so ist es. Und dementsprechend sei hier ein Zitat entnommen v. der ‚Wikipedia‘ ganz gut angebracht, denke ich und deshalb, na ja, bitte: „Juliane Kehr v. deutschen Magazin ‚Visions‘ schrieb, daß GvF ihre musikalischen Helden der 60/70er „nicht plagiieren, sondern studieren, sezieren und zum Teil der eigenen musikalischen DNA“ werden lassen“.
    Und wie gesagt und betont, man muß ihnen unbedingt gönnen lassen, entsprechend ein Stück v. der Musiktorte zu nehmen, denn sie verdienen es, wie ausführlich u. zugleich ausdrücklich bereits s.o. erklärt, wyürklich. Jawohl, meine Damen u. Herren, es war mir ein Vergnügen sie darüber ausführlich zu berichten! P.S. Entschuldigt bitte, mein ziemlich schlechtes Deutsch…

  • Vor 14 Tagen

    So, nun habe ich es mal gemacht: ich habe mir LZ angehört. Die kannte ich nämlich nur vom Namen...und was habe ich festgestellt? Ja, die haben auch einen Drummer- wie GvF, und eine B3, und Gitarren, und einen Sänger. Aber warum vergleiche alle den Plant mit Josh? Der Plant hat eine viel sauberere Stimme, kann nicht so variieren, und klingt viel normaler als Josh. Josh spinnt mit seiner Stimme rum. Er läßt sie sich in Höhen aufschwingen, die selbst ich als Frau nicht finde. Und er kann richtig dirty sein, stimmlich. All das fehlt mir bei Plant. Der ist immer so geradeaus. Und JOsh ist so schön "daneben". Gefällt mir...

    • Vor 14 Tagen

      "So, nun habe ich es mal gemacht: ich habe mir LZ angehört."

      Pass bloß auf, du ... Schlingel.

    • Vor 13 Tagen

      "Aber warum vergleiche alle den Plant mit Josh?"

      Ganz einfach, weil die Gruppe, der Sänger eingeschlossen, sich exakt in die von LZ geschaffene musikalische Nische einfügt und deren Stilistik mehr als offensichtlich kopiert.

      Worauf Greta Van Thunberg abzielt sind vor allem junge Hörer, die kulturell nicht gebildet genug sind, den Abklatsch als solchen zu erkennen. Die und verzweifelte Boomer, die sich in Nostalgie suhlen wollen. Das ist so offensichtlich wie trivial und schmälert die durchaus solide musikalische Leistung zusätzlich.