laut.de-Kritik

Zu lässig und patzig, um als Austro-Pop durchzugehen.

Review von

"Ge bitte" – Damit drücken Österreicher ganz vorsichtig, wenn auch nur ansatzweise ihren Unmut aus. Es heißt so viel wie, "was willst du eigentlich"? "Es passt schon". Oder wie Thomas Petritsch so schön sagt: "Ich bin mit ihrem Denken und Handeln nicht einverstanden." Zynischer und auch a bisserl pessimistischer Indie Pop Rock, wie man es von ihnen gewohnt ist. Aber ist es nicht schon zu viel Austro-Pop? Schau ma uns das mal an:

Bevor es mit der Platte richtig los geht, ist man beim ersten Track schon "Miad Vom Tanzen". Petritsch singt von "Geh ma’s besser an". Ein richtiger Rausschmeißer und etwas überraschend, dass Granada damit den Auftakt wagen. Dennoch ein toller Song, der einem regelrecht aus der Seele spricht. "Baby bitte bring mi ham."

Dann kommt aber mit "Die Stodt" gleich die erste Auskopplung, in der sich die Menschen längst aufgegeben haben. Die Stadt steht still, Veränderungen gibt es keine. Mit den Worten "Es wird scho guat, wird sie ausgehn" kommt doch etwas Optimismus auf und auch im Video bricht die Tristesse auf, denn der Schmutz lässt sich auch abwaschen. Grau oder grün/weiß? Ein Song, dessen Rhythmen einen mitreißen und nach Granada schreien.

Verschwitzt gehts dann in die "Sauna". Wenn man den Titel nicht kennt, lässt sich eher mutmaßen, dass Petritsch von einer sehr heiße Begegnung mit einer Frau erzählt. Wenn ihm die Schweißperlen nur so von der Stirn tropfen und es heiß und glitschig ist. Aber nein, der Grazer kommt aus der Sauna. In "Berlin" nehmen die fünf Steierer richtig Fahrt auf. Die deutsche Hauptstadt ist nicht etwa scheiße, weil Granada diese halt nicht mögen, sondern weil der neue Freund von seiner Verflossenen aus scheiß Berlin kommt. Mit Grüßen aus Graz wünscht er den beiden von Herzen alles Gute. Natürlich glaubt man ihm kein Wort, sondern man merkt in jedem Ton, wie er seinen Frust raus lässt – und Berlin kriegt es eben ab.

Wer glaubt, dass es sich bei "Marie" um ein Mädel von Land handelt, der täuscht sich. "Marie" steht in Österreich auch als Synonym für Geld, Bares oder auch "Göid". Die ganze Schickeria und Marie bringen aber nichts, weil man sich damit "Kan Freind" kaufen kann. Ist jetzt nicht unbedingt DIE Weisheit – aber Petritsch greift die Thematik so auf, dass man diese Schickimicki-Leute nur belächeln kann. Denn mit Sarkasmus und etwas Singsang spricht er sie direkt an, und das macht Laune.

Was wirklich auffällt: "Ge Bitte" ist im Vergleich zum Debüt-Album um einiges dialektlastiger. Noch mehr steirische und wienerische Wörter und Phrasen kommen zum Einsatz, sodass man an manchen Stellen schon etwas genauer hinhören muss. Als Nichtdialektler tut man sich vielleicht schon etwas schwer.

"Gin" gibt zum Ende hin noch einmal richtig Gas. Bemerkenswert ist übrigens das Wortspiel "ginieren". Genieren braucht man sich nämlich nicht, wenn man gerne ein Glas trinkt. Dagegen wirken die letzten zwei Titel sehr melancholisch.

Mit "Verwoitn" hätten Granada das Album besser abschließen können. Wie schon beim Debüt singt hier Gitarrist Alexander Christof den letzten Song. Er nimmt einen mit in ein Wiener Beisl, in ein Wien vom alten Schlag. Begleitet von Petritsch, Akkordeon und Mundharmonika. Ein wahres Meisterstück.

Nein, wir können aufatmen. Granada sind nicht in die Austropop-Schiene abgerutscht. Dafür klingen sie zu lässig, zu patzig und haben ihre Nische gefunden. Das zweite Album kann durchaus mithalten – auch wenn man sich vielleicht noch mehr erwartet hatte. Aber das wär dann schon überirdisch.

Trackliste

  1. 1. Miad Vom Tanzen
  2. 2. Die Stodt
  3. 3. Sauna
  4. 4. Berlin
  5. 5. Marie
  6. 6. Prada
  7. 7. Messer
  8. 8. Mallorca Im Regen
  9. 9. Gin
  10. 10. Kopfverlorn
  11. 11. Vom Herz Kummt
  12. 12. Verwoitn

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