Porträt

laut.de-Biographie

Grafi

"Ich blicke auf eine sehr strenge und sehr christliche Erziehung zurück, in der mir immer Grenzen aufgezeigt wurden." Grafi wächst als Scheidungskind in einer Berliner Pflegefamilie auf: "Da gab es immer viel aufzuarbeiten. Ich habe mir immer die Sorgen vom Leib geschrieben."

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Sein Bruder eröffnet ihm über den Wu-Tang Clan die Welt des Hip Hop. "Rap war auf jeden Fall das erste Genre, das mich gekriegt hat", schwärmt er im Gespräch mit Diffus über sein neu entdecktes Ventil. In seiner Skateboard-Clique tauscht er fortan Royal-Bunker-Tapes gegen Slipknot-Alben.

Der Einfluss der metalaffinen Freunde scheint zunächst die Überhand zu gewinnen. Grafi singt und schreit in verschiedenen Bands. Erst wegen Haftbefehl und der aufziehenden Trap-Welle aus Atlanta richtet sich sein Augenmerk ab 2012 wieder auf Hip Hop. Er bringt sich Musikproduktion bei und fokussiert sich auf Rap-Texte.

Nach ersten Aufnahmen erscheint zu Halloween 2015 das "Medusatape" zum kostenlosen Download. Neben eigenen Instrumentals greift er dafür auch auf bekannte Produktionen wie "Hell On Earth (Front Lines)" von Mobb Deep zurück.

Grafi nimmt noch immer den textfixierten Rap und den emotionsgeladenen Metal als zwei voneinander getrennte Welten wahr. Inspiriert von den Sounds des Rappers Bones beginnt er jedoch ab 2016 schrittweise damit, die Genres zu vermischen.

Mit dem selbst produzierten Album "Geistermusik" legt er Anfang 2017 ein erstes Zeugnis seiner Entwicklung ab. Während ihn namhafte Gäste wie Tamas, Crystal F oder KDM Shey unterstützen, gibt er selbst zu Protokoll, sein Debüt nicht wirklich ernst genommen zu haben. Das amüsante Artwork scheint seine Behauptung zu stützen.

Bereits im Herbst 2018 folgt das Album "Unter Null", für das er erstmals mit dem Produzenten KCVS zusammenarbeitet. Seine Texte stellen eine "Mischung aus Fiktion und Realität dar, wodurch dem Hörer Spielraum für Interpretationen gelassen" werde, lobt das Diffus-Magazin. Grafi verbinde "scheinbar unvereinbare Sound-Elemente von Rap, Post Rock, Emo, Black Metal und Doom".

Grafi - Ektoplasma Aktuelles Album
Grafi Ektoplasma
Der Weg ins Paradies führt über Dark Trap und Black Metal.

Im folgenden Jahr beteiligt er sich an "Schande" der Zombiez. Errdeka nimmt ihn mit auf "Le Tour de l'amour", Haiyti lässt ihn im Dezember die Shows ihrer "Submariner City Tour" eröffnen.

Begleitet von den Videoauskopplungen "Neptun" und "Insomnia" folgt im Frühjahr 2020 das Album "Ektoplasma", das sich laut Grafi an skandinavischem Black Metal und Blackgaze sowie Trap orientiert. Metaphorisch stehe der Titel für die "inneren Geister und Dämonen", die er loswerden wolle.

Das US-amerikanische Musik-Magazin Altpress.com lobt das "Gefühl der Abgeschiedenheit und Isolation" seiner Musik und kürt ihn neben Fjørt, Van Holzen oder Alice Phoebe Lou zu den zehn aufsteigenden Künstlern Deutschlands, die es auf dem Radar zu behalten gelte.

Grafi bleibt der einsame Wolf wider Willen. "Ich bin immer zwischen der Rap- und der Metal-Szene", schildert er im Diffus-Magazin sein musikalisches Nischendasein: "Ich merke auf jeden Fall, dass die Rap-Szene insgesamt toleranter ist, weil sich das Genre ohnehin die ganze Zeit verändert und weiterentwickelt." Die viel traditionelleren Metal-Hörer schenken ihm dagegen weniger Aufmerksamkeit.

Dabei freut er sich am Ende über nahezu jeden, der ihm zuhört, wie er gegenüber funky.de zugibt: "Meine Musik dürfen gerne alle hören, nur Faschos bitte nicht."

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Alben

Grafi - Ektoplasma: Album-Cover
  • Leserwertung: 2 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2020 Ektoplasma

Kritik von Dominik Lippe

Der Weg ins Paradies führt über Dark Trap und Black Metal. (0 Kommentare)

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