laut.de-Kritik

Spannendes, vielschichtiges Pendant zur letzten Platte.

Review von

"Callus", das tief in Gonjasufis Gefühlswelt blicken ließ, erschien vor knapp einem halben Jahr. Via Warp droppte er kürzlich mit "Mandela Effect" das Pendant zu der Platte mit Remixen, Neubearbeitungen und zwei bisher unveröffentlichten Tracks. Die Gästeliste setzt zum Großteil auf unbekannte Musiker, DJs und Producer. Mit Massive-Attack-Mitbegründer Daddy G und der nigerianischen Drumlegende Tony Allen enthält die Compilation dennoch namhafte Vertreter.

Neben einem Intro und Outro umrahmen die beiden neuen Songs dieses von Gonjasufi sorgfältig zusammengeschnürte Paket. "Etherwave (feat. Tony Allen)" veredelt die Legende des Afrobeat kurz vor dem Ende dieser Kollektion mit seinem polyrhythmischen und wuchtigen Drumspiel. Der Track durchlebt zwischen verschleppten Trip-Hop-Groove, Post-Punk-Sounds und Dancehall-Rhythmen sämtliche Metamorphosen. Somit mangelt es der Nummer kaum an Abwechslung. Den Anfang bildet mit "Show (Beth Gibbons/Rustin Man Cover)" dagegen eine benebelte Coverversion, die den Hörer gelungen in den Midtempo-Fluss der Compilation eintauchen lässt.

Den Remix-Reigen eröffnet "Your Maker (Daddy G Remix)" treibend mit leichtem Rock-Vibe an der Gitarre und loungig-subtiler Elektronik. Die Handschrift von Daddy G kann man wegen des vertrauten, schwebenden Massive-Attack-Feelings kaum verleugnen. Aber gerade deshalb zählt diese Version zu den Highlights auf "Mandela Effect".

Den Tiefpunkt erreicht das anschließende "Afrikan Spaceship (Shabazz Palaces Rework)". Wenn das Raumschiff zu penetranten Motorengeräuschen wie bei einem Formel-Eins-Rennen abhebt, hat man das Thema gründlich verfehlt. "Vinaigrette (Dave Parley Remix)" besitzt dafür gar nicht mal so uncoole Industrial-Elemente. Trotzdem hätte man auf die allzu nervigen Fiepgeräusche und Sprachsamples gerne verzichten können.

Als musikalische Spielwiese, um als Künstler und Producer zu experimentieren, bieten sich solche Alben sicherlich an. Im Gegensatz zu den beiden nicht ganz so überzeugenden Ausflügen schälen die restlichen Acts den dunklen Kern der skizzenhaften Vorlagen sorgfältiger heraus, ohne Kreativität und Eigenständigkeit missen zu lassen. "Mandela Effect" knüpft somit an die abgründige Grundstimmung von "Callus" an, nistet sich mit den ausformulierten Charakter der Remixe aber schneller im Kopf ein.

Vor allem in der Mitte zeigt sich diese Compilation von ihrer zugänglichen Seite. "The Conspiracy (Santino Romeri Remix)" beginnt zunächst akustisch, bis Ethno-Elemente orientalisches Flair versprühen. Danach führt sie mit einer dunklen Psychedelik-Orgel und sich steigernden Gitarrenmomenten in nihilistische Grunge-Gefilde. Weiterhin hebt Santino Romeri mit seinem Remix die resignierten Gesänge Gonjasufis hervor, die zum Schluss in einen intensiven Gänsehautfinale münden.

"Your Maker (Anna Wise Remaker)" als eingängiges Cover kann danach ebenfalls überzeugen. Anna Wise, die auf den letzten beiden Alben Kendrick Lamars den Background-Gesang beigesteuert hat, verwandelt das Original in eine elegante R&B-Nummer. Damit betont sie unter der sperrigen Oberfläche überwiegend die poppige Seite des Tracks.

Darüberhinaus stechen "Maniac Depressant (Perera Elsewhere Remix)" und "The Kill (Moor Mother Remix)" hervor. Mother Perera, die mit dem multikulturellen Berliner Künstlerkollektiv Jahcoozi vier Alben eingespielt hat und als Solomusikerin Anerkennung genießt, rückt die Nummer mit gespenstischen Beats und tiefgründiger Elektronik in klaustrophobische Sphären. Die momentan allseits gelobte politische Underground-Künstlerin Camae Ayewa aus Philadelphia, bekannt unter dem Pseudonym Moor Mother, verdeutlicht wiederum ihr brillantes Gespür für noisige und vielschichtige Klänge.

"Mandela Effect" stellt also alles andere als ein Lückenfüller in der Discographie Gonjasufis dar. Von lieblos zusammengestellten Elektronik-Compilations, die das Ausgangsmaterial mit 4/4-Beats unterlegen, könnte dieses Aufeinandertreffen verschiedener ethnischer Wurzeln und Musikergenerationen nicht weiter entfernt sein. Eher fügen die Remixe dem rohen Ausgangsmaterial auf "Callus" frische und spannende Ideen hinzu.

Trackliste

  1. 1. (x) (Intro)
  2. 2. Show (Beth Gibbons/Rustin Man Cover)
  3. 3. Your Maker (Daddy G Remix)
  4. 4. Afrikan Spaceship (Shabazz Palaces Rework)
  5. 5. Maniac Depressant (Perera Elsewhere Remix)
  6. 6. When I Die (IMD Remix)
  7. 7. (y) (interlude)
  8. 8. The Conspiracy (Santino Romeri Remix)
  9. 9. Your Maker (Anna Wise Remaker)
  10. 10. Afrikan Spaceship (Ras G Ghettoscifi Remix)
  11. 11. Maniac Depressant (Innsyter Remix)
  12. 12. Vinaigrette (Dave Parley Remix)
  13. 13. Afrikan Spaceship (King Britt Rework)
  14. 14. The Kill (Moor Mother Remix)
  15. 15. Etherwave (feat. Tony Allen)
  16. 16. (z) (Outro)

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1 Kommentar

  • Vor 3 Jahren

    Fiel bei mir bisher durch's Raster, danke für den Tip.

    Allein wegen der Beth Gibbons & Rustin' Man-Nummer sollte man ihm ja mal auf die Finger schauen, einige Remixer stehen bei mir indes auch mit Solo-Werken im Schrank (z.B. Perera Elsewhere) und setzen Staub an - da hält sich der Anreiz entsprechend in Grenzen.