laut.de-Kritik

Da steckt viel ehrliche Begeisterung drin.

Review von

Na, das wurde ja auch wirklich Zeit! Gentleman, der energetische Reggae-Künstler aus Köln, legt sein erstes Live-Album vor, das am Ende der Tournee 2003 in seiner Heimatstadt mitgeschnitten wurde. Und er hat sich nicht lumpen lassen! 23 Songs der letzten Jahre hat er auf eine Doppel-CD beziehungsweise Dreifach-LP gebannt, um Reggae-Fans den Genuss von Gentlemans Livequalitäten zu jeder Tages- und Nachtzeit zu ermöglichen.

Nach den Alben "Troddin On" von 1999 und "Journey To Jah" vom letzten Jahr, der Runnaway-EP, einigen Maxis und mehreren Jamaica-Singles, bestätigt Gentleman nun auf dem Live-Album, dass er On Stage und in Farbe mindestens so gut sein Repertoire beherrscht wie im Studio, wenn nicht sogar besser! Und das ist sehr viel wert in einer Zeit, in der man bei vielen Acts sich des Gefühls nicht erwehren kann, dass ohne Halb-Playback und albern choreografiertes Rumgehopse wenig geht.

Gentleman hat seit mehr als zehn Jahren seine Wurzeln in den deutschen und jamaicanischen Dancehalls und Clubs, er schlug sich bei Soundsystems wie Pow Pow oder Silly Walks mit dem Mikrofon in der Hand die Reggae-Nächte um die Ohren. Der Mann ist authentisch, hat einfach die Vibes, und das kommt der Qualität des Albums enorm zugute. Da steckt viel ehrliche Begeisterung für die Musik und ihr Publikum drin. Gesanglich unterstützt wird er von seinem jahrelangen jamaikanischen DJ-Spezel Daddy Rings, der Sängerin Tamika und Martin Jondo, einer neuen deutschen Zauberstimme im Reggae-Biz.

Für den instrumentalen Background sorgt wie schon seit Jahren die Leipziger Backing-Combo "The Far East Band". Die Dame und die Herren aus dem fernen Osten tun dies gewohnt routiniert, ohne dabei abgeschmackt zu klingen, und bringen soulige Roots-Reggae-Rythmen genauso präzise an den Mann wie One-Drop-Mixe und Dancehall-Geballer. Womit wir nun bei der Zusammenstellung der 23 Songs wären, die live performt den Weg aufs Album gefunden haben. Eigentlich hat man es hier mit einem Querschnitt aus dem Schaffen des Kölners in den letzten vier Jahren zu tun, wobei ein großer Teil der Tunes von seinem "Journey To Jah"-Album stammt. Eine ganze Menge großer Songs also, welche die ganze Bandbreite von Lovers-Rock bis zum wütend harten "Leave Us Alone" abdecken.

Wer den Sound und die Atmosphäre eines energiegeladenen Gentleman-Auftritts im heimischen Wohnzimmer oder wo auch immer genießen möchte, ist mit den dieser Scheibe durchaus auf der sicheren Seite. Also schön einen Planters-Punch oder Brown-Cow eingießen, zurücklehnen und sich von Gentleman in die Dancehall mitnehmen lassen.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Fire Ago Bun Dem (Short Version)
  3. 3. See Dem Coming
  4. 4. Jah Ina Yuh Life
  5. 5. Ina Different Time (feat. Daddy Rings)
  6. 6. Love Chant
  7. 7. Man A Rise
  8. 8. Jah Jah Never Fail
  9. 9. Dangerzone
  10. 10. Check Dis
  11. 11. What She Deserves
  12. 12. Children Of Tomorrow
  13. 13. Dem Gone
  1. 1. Good Days
  2. 2. Live It Up
  3. 3. Rainy Days
  4. 4. Daddy Rings Call Me On The Telephone
  5. 5. Runaway
  6. 6. Stranded
  7. 7. Politition Boy
  8. 8. Sunshine Allstars
  9. 9. Fire Ago Bun Dem (Long Version)
  10. 10. Leave Us Alone

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LAUT.DE-PORTRÄT Gentleman

Tilmann Otto spricht Patois. Er lebt in Köln, serviert dessen ungeachtet aber Reggae, der genau so gut aus dem Herzen Jamaikas stammen könnte. Tilmann …

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