Porträt

laut.de-Biographie

Genesis Owusu

Genesis Owusu war schon immer Außenseiter. Als einer der wenigen schwarzen Kinder im von weißen Mittelklasse-Nachbarschaften dominierten Canberra verinnerlicht er früh eine Attitüde des Protests. "Ich wurde zu einer Person, die Dinge tat, weil Leute von mir erwarteten etwas anderes zu tun", erzählt er dem Musikmagazin NME. Das spiegelt sich in seiner unorthodoxen Kleidung, seinem exzentrischen Verhalten und letzten Endes auch in seiner grenzenlos kreativen Musik wieder.

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Die Familie des 1998 als Kofi Owusu-Ansah in Koforidua in Ghana geborenen Musikers verlässt ihr Heimatland, da ist er gerade einmal zwei Jahre alt. Als Sohn eines Bewährungshelfers und einer Gospelsängerin wird ihm die musikalische Begabung quasi in die Wiege gelegt. Bis Owusu jedoch beginnt, von diesem Talent Gebrauch zu machen, erschafft er zunächst eigene Welten in selbst geschriebenen Kurzgeschichten und verliert sich in der Poesie. Maya Angelou, Gil Scott-Heron und Langston Hughes sind einige der Poet*innen, die er zu seinen Lieblingen zählt.

Die Vorbilder, die er im echten Leben als (abgesehen von seinem Bruder) einziger schwarzen Schüler unter Tausenden vermisst, findet er im geschriebenen Wort und in der Musik. Im Gegensatz zu seinem fünf Jahre älteren Bruder Kojo, der sich zu assimilieren versucht, weigert sich Owusu nämlich, dafür zu kämpfen, Leuten zu gefallen, die er nicht ausstehen kann.

Dass sein absolutes Lieblingsalbum Kendrick Lamars "To Pimp A Butterfly" ist, scheint naheliegend. "Viele dieser Rapper sind erstklassige Poeten", erzählt er in einem Interview, "Es ist mehr als nur Musik." Ein Statement, das er wohl auch bei der Arbeit an seiner eigenen Musik im Hinterkopf gehabt haben muss: Bereits seine 2017 veröffentlichte Debütsingle "Sideways" gewinnt prompt den Unearthed-Preis des auch Übersee bekannten Radiosenders Triple J, die ihn als einen der "aufregendsten Künstler des Landes bezeichnen.

Seine Einflüsse sind bereits darauf zu erkennen, und sie sind so offensichtlich wie vielseitig. Von Lupe Fiasco, über Talking Heads bis Death Grips: Owusu singt, er rappt, er schreit, und das alles im Alter von 18 Jahren mit dem Selbstverständnis eines renommierten Altmeisters, der nie etwas anders getan hat.

Seiner im Juni 2017 veröffentlichten EP "Cardrive" folgt wenig später die Single "WUTD/Vultures" für die er eine Nominierung in der Kategorie "Bestes R'n'B/Soul-Release" bei den ARIA Music Awards (auch bekannt als die australischen Grammys) erhält. Trotz dieses Erfolges blickt er auf seinen früheren Output etwas kritisch zurück. Er wolle nicht, dass Leute denken, das sei alles, was er könne, erzählt er The Guardian. Zufrieden sei er damit schon noch, allerdings nur noch zu 99 Prozent.

"Prince, wenn er ein Rapper in 2020 in Australien wäre", so beschreibt sich Genesis Owusu in dem Interview selbst. Große Worte, denen er wenig später ebenso große Tate folgen lässt. Sein Debüt-Album "Smiling With No Teeth" erscheint im März 2021 und wird von der Kritik mit Lorbeeren überschüttet. Es ist ein mutiges, verrücktes und unglaublich kohärentes Potpourri aus all der Musik, die Owusu seit Kindheitstagen umtreibt.

Genesis Owusu - Smiling With No Teeth Aktuelles Album
Genesis Owusu Smiling With No Teeth
Die eigenen Dämonen in Honig ertränken.

Auch inhaltlich macht sich sein Faible für Poesie und das geschriebene Wort bemerkbar. Mit seinen pointierten und cleveren Texten über mentale Gesundheit und den Rassismus, dem Owusu sich sein Leben lang ausgesetzt sah, meistert er einen Drahtseilakt zwischen emotionaler Zugänglichkeit und wortgewandter Metaphorik.

"Genre ist ein Hindernis für mich", sagt Owusu. Das wird noch deutlicher, schaut man genauer auf den Entstehungsprozess von "Smiling With No Teeth". Da ihm die Arbeit mit klassischen Produzenten nicht mehr "unberechenbar" genug war, schloss er sich zusammen mit seiner Black Dog Band, in der unter anderem der australische Exzentriker Kirin J Calinan spielt, für teils bis zu zehn Stunden lange Jam-Sessions in seinem Studio ein. Es wurde gespielt, wonach der Sinn stand. "Ich spielte einen Prince-, Tom Tom Club- oder Death Grips-Song und sie hörten zu, ohne etwas zu sagen. Wir ließen uns davon beeinflussen und fingen einfach an zu spielen."

Aus den stundenlangen Aufnahmen pickte Owusu sich anschließend seine liebsten Momente heraus und schnitt sie zusammen. "Es war Jazz und Punk im Geiste", erzählt er NME. Im Interview zieht Musikjournalist Josh Martin den Vergleich zu Miles Davis und dessen dreitägigen "Bitches Brew"-Sessions. Etwas hochgestochen? Sicherlich. Aber wenn Genesis Owusus Debüt eines verdeutlicht, dann, dass seinen abgedrehten Ambitionen keine Grenzen gesetzt sind.

Wohin die Reise ihn auch führen mag, seinen Außenseiter-Status will er nicht aufgeben: "Ich bin lieber eine Legende auf meiner eigenen kleinen Insel als Thronanwärter in einer bestimmten Szene."

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