laut.de-Kritik

Drittes Album, dritter Volltreffer.

Review von

Nein, das war keine neue Single von Supergrass, die da neulich auf BBC6 Music lief, sondern ein Vorabtrack des kommenden Solo-Albums von Danny Goffey, dem Ex-Drummer von Oxford's Finest Band. Eine Ironie des Timings, dass zwei Drittel von Supergrass beinahe zeitgleich mit neuen Alben um die Ecke kommen. Doch wie wunderbar für alle Fans, deren Tränen auch Jahre nach dem Split noch nicht getrocknet sind, dass hier, ob abgesprochen oder nicht, in Sachen Terrain-Absteckung Satisfaktion für alle gewährleistet ist.

Während sich Goffey mit "Schtick" (ab 22. Juni) und der superben Single "Buzzkiller" unüberhörbar an seiner alten Band orientiert, klingt es bei Gaz Coombes auf dem mittlerweile dritten Solo-Album immer weniger nach dem einstigen Kumpels-Kombinat, denen die (heimlichen) Hits nur so aus dem Ärmel zu purzeln schienen. Fungierte "Here Come The Bombs"(2012) noch als Übergangsplatte, geriet "Matador" (2015) zur imposanten Matura des Songwriters. Man denke nur an funkelnde Preziosen wie den Elektro-Gospel "To The Wire". Es folgten Nominierungen für den Ivor-Novello-Award und den Mercury Prize.

"World's Strongest Man" geht noch ein Stück weiter weg aus dem Einflussbereich der geliebten Classics vom Schlage "Richard III.", "Late In The Day" oder "Pumping On Your Stereo". Dabei sind die hochvariablen und unverkennbaren Melodien, die Coombes zufallen, immer noch unverzichtbarer Teil des musikalischen Codes, nur den glammigen Stomp der alten Kracher sucht man vergebens.

Vielmehr orientieren sich kleine Meisterwerke wie "Deep Pockets", die knorrige Beichte "Shit (I've Done It Again)" oder das sirrende "Walk The Walk" an Größen wie Beck und Prince, lassen sonische Spuren von Frank Ocean einfließen und flirten unüberhörbar mit Krautrock. Dabei ist weniger dessen Freigeist und Session-Schwung gemeint, sondern vielmehr der motorisch gerade Beat aus dem Hause Neu! oder dem Kraftwerk-Vorläufer The Organisation.

Keine Frage: Gaz Coombes macht sein Ding, ähnlich konsequent und unbeirrt wie etwa Paul Weller, dessen "Saturns Pattern" (2015) in seinen ruhigen Momenten ähnlich krautig klang. Es macht weiterhin ungebrochen Spaß, ihm auf diesem Weg zu folgen. Dass die leise in Aussicht gestellte Reunion seiner alten Band massiv wuschig macht, lässt sich dennoch schwer leugnen.

Trackliste

  1. 1. World's Strongest Man
  2. 2. Deep Pockets
  3. 3. Walk The Walk
  4. 4. Shit (I've Done It Again)
  5. 5. Slow Motion Life
  6. 6. Wounded Egos
  7. 7. Oxygen Mask
  8. 8. In Waves
  9. 9. The Oaks
  10. 10. Vanishing Act
  11. 11. Weird Dreams

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2 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    "Walk The Walk" erinnert mich immer stark an Peter Gabriels "Digging In The Dirt".

  • Vor 2 Jahren

    Mit mehrmaligem einhören zunehmend großartig, vielleicht gerade auch für Nicht-Supergrass-Jünger. Vielleicht ein paar wenige Längen, die aber durch die vielen starken Momente mehr als ausgeglichen werden. Gesang erinnert mich manchmal etwas an die frühen Muse (mit weniger Pathos), und auch Prä-KidA-Radiohead klingen sicherlich durch. Trotzdem eigenständig und wenig genug rückwärtsgewandt. Da nicht nach einem Mal ausgehört eine schöne Begleitung durch den diesjährigen Sommer ...