Porträt

laut.de-Biographie

Gaika

Als Gothic Dancehall in Verbindung mit Industrial-Elektronica beschreibt das britische Avantgarde-Label Warp das Debütwerk seines Schützlings, er selbst nennt es "Ghetto-Futurismus". Gaika Tavares aus Südlondon landet nach mehreren EPs und Singles seit 2016 mit Mykki Blanco und Miss Red 2018 mit "Basic Volume" einen Volltreffer. Die Kritik ist voll des Lobes für den distinguierten Mix, in dem UK-Grime und Hip Hop genauso stattfinden wie autogetunter R'n'B-Gesang, jamaikanische Dancehall-Elemente und avanciert-dunkle Subbass-Explorationen.

Gaika - Basic Volume Aktuelles Album
Gaika Basic Volume
Londons schwarze Jugend holt sich zurück, was ihr gehört.

Doch nicht nur der eklektische Crossover-Ansatz oder Features mit queeren Bleephouse-Hipstern wie Sophie führt zu Gaikas Verortung auf der progressiven Seite elektronischer Popmusik. Auch inhaltlich setzt sich Gaika mit subversiven und meinungsstarken Themen auseinander: Seine Texte rücken Marginalisierung der schwarzen Jugend und Massenüberwachung genauso wie persönlichen Herzschmerz und Zorn in den Blickpunkt. Arca, Kelela, Future Brown und The Bug zählen zu Gaikas erweitertem Referenzsystem.

Vor seinem Solounterfangen ist der Sohn karibischer Einwanderer in der Manchester-Rapcrew Murkage aktiv. Als Jugendlicher schmeißt er Grimepartys für Freunde aus dem Block genauso wie für Gäste aus den weißen Bezirken. Heute sei seine Laufbahn als Veranstalter und Produzent leider beinahe undenkbar, kritisiert Gaika im Gespräch: "Meine eigene Geschichte wäre heutzutage nicht mehr möglich. Heute schließt ein wichtiger Club nach dem anderen, Radiomacher werden hart bestraft, nur staatlich oder kommerziell getragene Orte überleben."

Dementsprechend frustriert, wütend und agitatorisch ist auch seine Musik. In Tracks ruft der Brite die Jugend des Landes auch schon mal explizit zur Rebellion auf. "Man sollte die ganze Stadt zu Kleinholz machen, fordert er etwa im Herbst 2017 ganz Staatsfeind in einem Interview. Für den Spiegel klingt das Debüt "Basic Volume" folgerichtig wie eine versuchte Vertonung der gewalttätigen Ausschreitungen im London von 2011.

Neben der Musik nutzt Gaika auch andere Medien als Sprachrohr gegen soziale Missstände. So schreibt der Londoner u.a. für das Dazed Magazine über Polizeirazzien und präsentiert in Folge der Albumveröffentlichung die audiovisuelle Skulptur SYSTEM, in der es um die Appropriation von öffentlichem Raum geht.

Alben

Gaika - Basic Volume: Album-Cover
  • Leserwertung: 2 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2018 Basic Volume

Kritik von Thomas Haas

Londons schwarze Jugend holt sich zurück, was ihr gehört. (0 Kommentare)

Surftipps

  • Facebook

    Netzwerk.

    https://www.facebook.com/gaika.world
  • Warp

    Labelheim.

    https://gaika.warp.net

Noch keine Kommentare