laut.de-Kritik

Poprock mit großartiger Stimme und einem Überhit.

Review von

Hier ist es nun, das Debüt-Album der erst 16-jährigen Wahl-Londonerin Gabriella Cilmi, die mit ihrem ausdrucksstarken Soulgesang von manchem bereits im Vorfeld als neues musikalisches Wunderkind abgefeiert wurde. Wohl dem, der seine Karriere mit einer grandiosen Hit-Single wie "Sweet About Me" startet, die nahtlos an die großen Nummern der neuen britischen Souldiven wie eben Amy Winehouse, Duffy und Adele anknüpft, mit denen die Newcomerin verglichen wird.

Der Opener macht gleich unmissverständlich klar, dass der Vergleich mit oben genannten Damen nicht ausreicht, um Gabriellas Sound zu umschreiben. "Save The Lies" kommt als flotte Disco-Funk-Nummer mit hymnischem Refrain daher, ihr kräftiger Gesang tendiert nicht nur hier eher zum souligen Poprock einer Anastacia, Macy Gray oder frühen Tina Turner als zu oben genannten Damen

Ähnlich verhält es sich mit dynamischen Songs wie "Don't Want To Go To Bed Now", das mit sattem Gitarrenriff und Melodik ebenso an Blondie und Suzie Quatro erinnert wie das zusätzlich mit Synthieeinlagen garnierte "Messy", "Terrifying" und ganz besonders "Echo Beach". Mit dem derzeit angesagten British Soul hat diese Affinität zu E-Gitarren und den Röckröhren der späten 70er und frühen 80er-Jahren nichts zu tun. Analogien finden sich aber im Midtempo-Track "Sanctuary", der sich mit unaufgeregter Melodielinie zu eingängigen Synthie-Arrangements und Bass geschmeidig ausbreitet.

Ihre Vielseitigkeit unterstreicht Cilmi mit Liedern wie dem ruhigeren "Einstein", das von einer gezupften E-Gitarrenlinie strukturiert und von einem sanften psychedelischen Schleier umgeben ist, oder bei "Awkward Game", das als akustischer Blues beginnt, um sich zur mit Streichern unterlegten Popnummer im Stile einer Gwen Stefanie zu erheben.

Mit "Safer" hat Cilmi eine gefühlvolle Pianoballade am Start, während im Synthieblues "Sit In The Blues" ihr eindringlicher, facettenreicher Gesang voll zur Geltung kommt. Mit den 13 Stücken hat "Lessons To Be Learned" stilistisch einiges zu bieten, es lehnt sich sachte am zeitgenössischen Brit Soul an, um dann in den Rock und dezent in den Blues einzutauchen.

Zugegebenermaßen wird die etwas bemüht wirkende Vielseitigkeit von der großartigen Sängerin zusammengehalten. Heraus kommt ein durchschnittliches Popalbum mit einem Überhit und einigen großen Momenten.

Gabriella Cilmi geht ihren Weg; "Lessons To Be Learned" klingt aber bisweilen wie eine Versuchsanordnung zur Fragestellung, welcher musikalische Weg denn nun der richtige sei. Die vermeintliche Vielseitigkeit kann eben auch als mangelnde Homogenität ausgelegt werden.

Trackliste

  1. 1. Save The Lies
  2. 2. Sweet About Me
  3. 3. Sanctuary
  4. 4. Einstein
  5. 5. Got No Place To Go
  6. 6. Don't Wanna Go To Bed Now
  7. 7. Messy
  8. 8. Awkward Game
  9. 9. Safer
  10. 10. Cigarettes And Lies
  11. 11. Terrifying
  12. 12. Sit In The Blues
  13. 13. Echo Beach

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