laut.de-Kritik

Wieder die alte Leier? Klar!

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Es lief schon mal besser für die Gorilla Unit. Die aktuelle Misere kann zur Abwechslung allerdings mal nicht auf illegale Downloader geschoben werden. Die Gründe liegen woanders: Leithammel Fifty verlor vergangenes Jahr im selbst angezettelten Verkaufsduell gegen Kanye West. Die gleichnamige Modelinie stellte man wegen ausbleibenden Absätzen ein.

G-Unit Records gelang gerade einmal eine Veröffentlichung: Mobb Deeps "Blood Money", das Kritiker und Fans gleichermaßen niedermachten. Fifty ist schon lange nicht mehr der König von New York, New York schon lange nicht mehr der Mittelpunkt der Rap-Welt. Und zu guter Letzt musste kürzlich G-Units vierter Mann Young Buck das Team wegen fehlender Loyalität verlassen.

Der perfekte Augenblick für einen Neuanfang. Eigentlich. Denn was 50 Cent, Lloyd Banks und Tony Yayo hier abliefern, ist, wenn überhaupt, Runderneuerung extralight.

Dabei fängt die Chose doch so schön düster an: Ron Browz lässt in der Hook Gladiatoren-Fanfaren ertönen und unterlegt die Strophen mit Stampfbass und Angst-Flöten. Den wütenden Banks, Yayo und Fifty steht der plakative Schaum vorm Mund, als hätten sie farbige Kinderbrause geschnupft. Das klang anno 2003 zu "Beg For Mercy"-Zeiten noch ganz anders.

Soll etwa schon nach zweieinhalb Minuten und dem härtesten Stück von "T.O.S." klar sein, dass die Gorilla Unit die Hosen voll hat? Geht dem unverwundbaren 50 Cent etwa der Arsch auf Grundeis? Angesichts der nahenden Bedeutungslosigkeit, der sich Fifty kontinuierlich nähert, kein Wunder.

Die einstige Nonchalance, diese unvergleichliche Großkotzigkeit ist wohl irgendwo zwischen Beef Nummer 376 und 163. Werbedeal verloren gegangen. Die Rambo-Rhetorik, die gleichgültige Angriffshaltung, die in Ansätzen auf seinem Soloalbum "Curtis" bei Tracks wie "I Get Money" oder "I'll Still Kill" noch vorhanden war, ist verflogen. "T.O.S." hingegen stinkt, es müffelt geradezu nach Angstschweiß.

Die Entscheidung, sich lediglich auf unbekannte Produzenten zu verlassen, hat sich für die aufs Trio geschrumpfte Posse nicht ausgezahlt. Fifty sollte als alter Dr. Dre-Zögling eigentlich wissen, dass es nur den wahren Meistern vorbehalten ist, aus programmierten Synthie-Versatzstücken und anvisierter Massentauglichkeit große Rapmusik zu machen. Den Damien Taylors, Ky Millers, Ty Fyffes und Ron Browz' dieser Welt ist dieses Talent eben (noch) nicht gegeben. Der Sound ist zu dünn, die Drumsets zu konventionell und von frischen Ideen fehlt jede Spur.

Auch Swizz Beats, jener Mann, der für genau diese Aufgaben immer einer Lösung parat hat, bugsiert lieblos Marschtrommel und Akkordfolge in die Endlosschleife ("Get Down"). Wenn dann schließlich noch Fifty selbst auf "Rider Pt. 2" am Autotune-Effektgerät spielt, nimmt die zwanghafte Mühe fast schon traurige Züge an. Dem Gesamtprodukt muss jedenfalls ein schlechtes Zeugnis ausgestellt werden, wenn lediglich die Parts eines talentfreien Tony Yayos hängen bleiben.

Schlimm auch, wenn zwei Tracks - "Kitty Kat" und "I Like The Way She Do It" - zwar aus der Ideenlosigkeit herausstechen, aber mit offen zur Schau getragener Frauenverachtung jeglichen Regeln des zwischenmenschlichen Umgangs spotten. Wieder die alte Leier? Klar! Wenn Fifty nicht müde wird, sich in dem zu versuchen, wofür man ihn hasst, wird mir das wohl auch erlaubt sein.

Trackliste

  1. 1. Straight Outta Southside
  2. 2. Piano Man feat. Young Buck
  3. 3. Close To Me
  4. 4. Rider Pt. 2 feat. Young Buck
  5. 5. Casualties Of War
  6. 6. You So Tough
  7. 7. No Days Off feat. Young Buck
  8. 8. T.O.S.
  9. 9. I Like The Way She Do It feat. Young Buck
  10. 10. Kitty Kat
  11. 11. Party Ain't Over feat. Young Buck
  12. 12. Let It Go feat. Mavado
  13. 13. Get Down
  14. 14. I Don't Want To Talk About It
  15. 15. Ready Or Not
  16. 16. Money Make The World Go Around

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