laut.de-Kritik

Real-Talk im Miami-Sound.

Review von

Futures fünftes Studioalbum sei besser als "EVOL", käme aber knapp nicht ganz an "Pluto", "Purple Reign" oder "DS2" heran. So schließt die jüngste Review zu "Future" vor ein ein paar Tagen. Eine Woche später schiebt der Workaholic schon das nächste Werk hinterher.

Und wo "Future" bereits mit einer Rap-Mellow-Kombi back to the Pluto-Roots flog, cruist "Hndrxx" nun mit Don Johnson-Slipper, 80er Referenzen und sanft-schmalzigen Soulpop-Gesanglinien alleine durch die schwülwarme Nacht. Während ein Bon Iver für sein "For Emma, Forever Ago" in die Einsamkeit zieht, und Jay-Zs die Liebe in der Stadt sucht, begießt Future seinen Liebeskummer mit Moet am Strand von Miami – und blüht auf wie nie.

Fast jeder Track, ein Hit wie bei Kuschelrock 1. Der Opener "My Collection" bildet noch die Brücke zum Vorgänger. Future rappt straight, doch Metro Boomin' packt als Trap Bapper einen so ultra entspannten, Sade-gehauchten Loop in den Hintergrund, dass der Mood im Gegensatz zum harten Auftakt des Vorgänger weiter Richtung Bett und Herz geht. Für Future selbst ist auch der neue Sound Pluto: "I've been in the stu late, workin', no residuals / If we never speak again, I'm just glad I got to tell you truth / Ain't playin' count em' / You wanna come to paradise? / Matter of fact, you wanna come to Pluto?".

Eigentlich sollte der Planet eher Ciara heißen, denn auf dem ganzen Album verarbeitet er die gescheiterte Ehe mit der Rapperin. Im selben Track stellt er klar: "She told me she was an angel / she fucked two rappers and three singers / she got a few athletes on speed dial / I'm tryna get the case dismissed before I see trial". Ciara datete nach der Trennung unter anderem 50 Cent und NBA-Spieler Amare Stoudemire und ist nun verheiratet mit Quarterback Russel Wilson.

In "Turn On Me" führt er seine Probleme mit der Situation um die 15-Millionen-Dollar-Klage und dem Entzug der Besuchszeit für den gemeinsamen Sohn weiter aus: "Nowadays I deal with lawsuits / you tellin' me that's what it came to / licking your panties and bras, aww / that's how a nigga remember you / after I hit it and splashed in it / you should never ever let a square get it".

Einsame Pianotupfer und verwehte Trompetenfanfaren weben ein zerbrechliches, dünnes Netz um Futures Real Talk. Wie sein 2005 verstorbener Onkel Luther Vandross schleicht sich Future auf Albumlänge in die Ohren und streichelt mit sanften Melodien die geschundenen Seelen des gehörnten Menschen. Umgeben von verträumten 80er-Synthies duelliert er sich auf "Coming Out Strong" mit The Weeknd, als hätte er nichts anderes gelernt. "Lookin' Exotic" vereint die Trap-Produzenten der 808Mafia mit Jake One und Mayer Hawthorne als Backgroundsänger. Heraus kommt der erwähnte, an Curren$y erinnernde Miami Vice-Sound.

Auf "Fresh Air" fliegt er locker-flockig über karibischem Reggae-Pop, im pompösen "Selfish" gesellt sich Riri zur Hullahub-Party im Sand. In "Damage" entfremdet DJ Mustard eine irische Flöte und unterlegt sie mit einem Jodeci-Beat direkt aus den 90ern, während Future croont, als gäbe es keine Morgen mehr. Schrieb jemand Jodeci? "Neva Missa Lost" zitiert sich tränenreich und leidend durch deren "My Heart Belongs To U"-Schmachtfetzen und dominiert mit hypnotischen "Hallucinating" die Mitte von "HNDRXX".

Die Höhepunkte kommen jedoch erst zum Schluss. Wenn Future auf "Solo" über wehmütig-düstere Synthies leidet und alle Zukünftigen im Stile von Ph.D.s "I Won't Let You Down" verspricht, schämt sich der härteste Gangbanger nicht für seine Gefühle und Tränen. "Everybody know right now / I enjoy it outside, been in the low for a while / I'm a solo now, I've been going solo now." Im siebenminütigen "Sorry"-Outro sucht er dann die Vergebung. Auch von Ciara.

"Yeah, ain't really mean to hurt you / sorry it's gotta be this way / ain't mean to try to desert you/ sorry, tryna be this way / ain't really mean to hurt you." Metro Boomin lässt sich für die Klavieruntermalung von Bon Iver inspirieren, und Future geht verselang tief. Tiefer als je zuvor. "I breathe the air she breathes / it's hard to breathe on my own/it's so not infidelity / make me check every single stone." Rap ist Soulmusik.

Future sechstes Studioalbum ist besser als "Future", "Pluto" und "Purple Reign". Zusammen mit "DS2" gehört "HNDRXX" zu den Klassikern in seinem Repertoire. Die zwei bangen Fragen können nur lauten: Liefert Future 2017 noch mal ab? Und dominiert er nach dem Rap-Game nun auch den R'n'B nach Belieben? Hallo? Drake?

Trackliste

  1. 1. 1 My Collection
  2. 2. 2 Comin Out Strong
  3. 3. 3 Lookin Exotic
  4. 4. 4 Damage
  5. 5. 5 Use Me
  6. 6. 6 Incredible
  7. 7. 7 Testify
  8. 8. 8 Fresh Air
  9. 9. 9 Neva Missa Lost
  10. 10. 10 Keep Quiet
  11. 11. 11 Hallucinating
  12. 12. 12 I Thank U
  13. 13. 13 New Illuminati
  14. 14. 14 Turn On Me
  15. 15. 15 Selfish
  16. 16. 16 Solo
  17. 17. 17 Sorry

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16 Kommentare mit 48 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Autotune zu verteufeln ist halt auch nichts Anderes als 19wasweißichwann den Taschenrechner zu haten, weil man das Kopfrechnen für so wahnsinnig skillful und erhaben hält.

    • Vor 3 Jahren

      Der Vergleich hinkt empfinde Autotune nicht als Fortschritt auffallend ist zudem das eher ungeliebten Künstlern wie z.b samy deluxe oder auch Tokio Bill der Einsatz von Autotune übel genommen wird bei internationalen Acts wird das aber als super innovativ angesehen
      Gegen dezenten Einsatz hab ich selber ja auch nichts übertreibt man es aber krieg ich zumindest Kopfschmerzen

    • Vor 3 Jahren

      @trumpi

      That's where you're wrong, kiddo.

      Songdienliche oder soundverbessernde Einsätze von Autotune (abseits von Demonstrationszwecken bzgl. der Lächerlichkeit von Autotune) in der Popularmusik bis März 2017: 0 (NULL).

    • Vor 3 Jahren

      Autotune wird man in 20 Jahren so betrachten wie man heutzutage die ganzen 80er-Hört sich an als würde die Band in einem anderen Gebäude spielen mit ganz ganz viel Hall auf der Snare-Produktionen wahrnimmt. Fand man damals halt cool. Muss man im Rückblick nicht verstehen.

    • Vor 3 Jahren

      ...und wenn trumpi schon die Simplifizierungskeule schwingt: Zu ABSOLUT JEDEM Song, der im Original von Autotune-Gesang "getragen" wird, gibt's irgendwo auf der Welt ne bessere/erträglichere Version, ggf. einer anderen Interpretin oder eines anderen Interpreten, mit cleanem Gesang.

      Ja, das schließt auch persönliche Lieblinge wie James Blake oder Bilderbuch mit ein.

    • Vor 3 Jahren

      Das, was Zapata sagt, kann man auch wunderbar an den Autotune-Versionen von Mainstream-Klassikern der 60er-90er Jahre hören.

      Die Praxis wiederum war schon in den 80ern nicht unüblich, Pop-Hits aus den vorherigen Dekaden nochmal in nem Soundgewand aufzunehmen, das dem aktuellen Zeitgeist entspricht.

      Nicht mal während der NuMetal-Welle der 90er blieb das aus. Wer's nicht glaubt, kann ja mal die "Blue Monday"-Version von Orgy oder die "Wild Boys"-Version von Mnemic hören gehen...

    • Vor 3 Jahren

      ...und wie hoch betriebswirtschaftlich organisiert diese Vorgehensweise ist, hört man schon seit den 60ern.

      Beispielhaft sei hier der Song "You keep me hangin' on" genannt. 1966 (glaube ich) erstmals von den Supremes aufgenommen und veröffentlicht, hatte der bis Ende des Jahrzehnts mehr als 12 erfolgreiche Coverversionen in allen zu der Zeit populären Musikstilen abgeworfen... Den Sound der 80er gab ihm dann Kim Wilde.
      Keine Ahnung, wer den dann die letzten 15 Jahre alles nochmal mit Autotune geschändet hat, um dem bereits lange Zeit an Tod durch Omnipräsenz verstorbenen Song noch die Restwürde zu nehmen und nen dicken, dampfenden Haufen auf sein Grab zu kacken...

    • Vor 3 Jahren

      Also, One More Time ist mit Autotune ziemlich perfekt, finde ich. Zumal man trotzdem merkt, dass da einer am Mic war, der auch richtig singen kann (ja, T-Pain kann das eigentlich auch, ich weiß) :D

      Aber Ausnahmen bestätigen ja die Regel, von daher generelle Zustimmung.

      Je reduzierter Autotune eingesetzt wird, desto besser, finde ich.

    • Vor 3 Jahren

      Kann mir auch nicht vorstellen, dass irgendwas mit diesem Sound mal ein Klassiker wird.

    • Vor 3 Jahren

      Wow, Doc Souli hat sich da ja richtig Frust von der Seele geschrieben! :D

      Ja lauti, so isses halt mit Mitte 40...man trauert den eigenen 20ern hinterher.

    • Vor 3 Jahren

      "Don't fuck the record! Don't fuck the people! Fuck Autotune and fuck all that music that's been designed just on that one single purpose to please as many people as possible at the same time!"

      ;)

    • Vor 3 Jahren

      Haha, hatte erst einen noch viel provokanteren Vergleich im Kopf (Weltbild vor Galileo :D), aber hat ja auch so scheinbar blendend funktioniert. :D

    • Vor 3 Jahren

      @mundi
      Jo, und jetzt muss die "Hab euch voll getriggert!"-Nummer wieder herhalten, nachdem Du breitwandig bestätigt bekommst, dass du halt doch nur eine kleine Trendhure bist, die vergnügt bis zum Hals voll im Mainstream planscht, ganz brav Spross ihrer willenlosen Konsumgeneration.

      Steh doch wenigstens dazu, dass du stellenweise einen erbärmlich schlechten Musik- und Unterhaltungsmediengeschmack hast. Gibt genug Trendhuren, bei denen die Lippen mehr Lappen sind, aber bei dir und deinen lahmen Umdeutungsmanövern sind's schon Lumpen... :rolleyes:

    • Vor 3 Jahren

      Uhhhh Souli, was für eine Metapher...

      :( :/ :)

      geht übrigens gut - gute Hintergrundbeschallung, aber kann mensch auch aufmerksamer hören

    • Vor 3 Jahren

      Wat? :D Für den Fall, dass du das tatsächlich ernst meinst, auch wenn ich es mir kaum vorstellen kann:

      Das Thema ist für mich schon lange gegessen. Im Rap lassen sich darüber nur noch Dinosaurer wie Django und lauti aus, und genau an die war meine freundschaftliche Provokation auch gerichtet.
      Ich war einfach nur überrascht über das Ausmaß der Reaktionen, gerade weil ich ursprünglich einen noch viel derberen Vergleich ziehen wollte.

      Mit Autotune in anderen Genres habe ich mich nicht beschäftigt und das ist mir auch ziemlich egal. Bisher hatte mich das nur in der Generation T-Pain wirklich gestört und danach war es lange zu recht arg verpöhnt. Vor 2015/16 gab es sowieso kaum ernstzunehmende Künstler (im Rap/R'n'B), die das benutzt haben.

    • Vor 3 Jahren

      @mundi
      Als traditionell genrefremder Wahlloshörer begegnen mir die Experimente mit Autotune jetzt seit gut 15 Jahren in allen möglichen Genres. Mal postironisch und mal bitterernst angebracht, aber man hört keinen Unterschied, nie. Die Mucke wird einfach nur beschissener dadurch (da ist Daft Punk keine Ausnahme, bin ebenfalls nach Homework ausgestiegen).
      Ich sehe es ähnlich wie Zapata, nur deutlich entnervter. Ich stand nicht auf zeitgemäße Produktionen in den 80ern, ich steh nicht auf zeitgemäße Produktionen der 20XXer, solange Künstler und Produzenten meinen, Autotune sei im Rahmen dieser Definition praktisch unverzichtbar.
      Wir beide bleiben natürlich tight wie die Basslines von John Deacon bis Childish Gambino, sollte klar sein.

      @Dogma
      So ein Mist, du hast deine Argusaugen auch echt überall... Und deine Ohren glücklicherweise aber auch am richtigen Fleck... :) Freut mich. Und wegen dem Spruch - ja, sorry, ich teste hier seit 7 Jahren immer mal wieder unangekündigt kleinere Passagen meiner belletristischen Nebentätigkeiten an, mit unterschiedlichem Erfolg...
      Ganz ursprünglich hab ich das von ner echt beschissenen taunesischen Punk-Band, mit der ich mal nen halben Sommer getourt bin. Die hatten diesen beschissen pubertären Humor und einer ihrer Songs hieß "Lippenbekenntnise, Lappenbekenntnisse". Züge ihres Sängers standen Pate bei der Entwicklung eines Charakters für einen neuen Roman...

    • Vor 3 Jahren

      Ach Mist, und jetzt hab ich wieder eine große Gelegenheit verpasst, mit der wunderbaren Audiosignatur von :( :/ :) (ursprünglich von den "lustigen Mutanten") zu schließen. Da ich aber jetzt ins' Bett geh tu ich's trotzdem noch, weil's halt auch gut zu unserem Muppet-Theater passt:

      "Kurios und lustig, vielleicht nicht das, was mancher unter großer Kunst versteht, aber wer immer nur große Dinge haben will, muss sich wohl oder übel in eine Mücke verwandeln. Das wars für heute, schönen Abend und auf Wiedersehen!"

      :D

  • Vor 3 Jahren

    im gegensatz zu allen vorgängern, ist diese platte richtig gut teilweise. mag track 3 sehr.