laut.de-Kritik

Von Dingfickern, Hobbynutten und dem nervenden Bundesadler.

Review von

Funny van Dannen zielt auch mit seinem achten Album abwechselnd auf Herz und Zwerchfell. Die in dieser Hinsicht bewährten Mittel: Melodien, die einfach gestrickt sind, und eine Stimme, der in Sachen "lakonischer Tonfall" keiner etwas vormacht. Er klingt unglaublich unbeteiligt, wenn er bärtige Delphine und Fotos von Ohren besingt, wenn er Vokale nach Belieben dehnt oder staucht. Weder die Musik, noch die Melodie ist der Star bei diesem Sänger, sondern einzig und allein seine lustigen, naiven und kritischen Texte über (fast) Alltägliches.

Und genau davon liefert der Liedermacher, Maler und Autor in Personalunion wieder reichlich ab. In "Hobbynutte" singt er aus der Sicht eines betrogenen Mannes, der die Seitensprünge seiner besseren Hälfte rechtfertigt, untermalt von einem leicht tänzelnden Bass. "Und es ging ja auch nicht lange, die sechs Wochen nehme ich nicht krumm, ich weiß ja wie wir Menschen ticken, ich bin ja schließlich nicht dumm" Man möchte sich schenkelklopfend in die Ecke werfen, ob dieser Hymne für zwanghafte Frauenversteher. Aber auch ein solcher hat seine Schmerzgrenzen: "Aber ich finde, ich kann von dir gewisse Sachen verlangen, zum Beispiel nichts mit meinen besten Freunden anzufangen" - eine verständliche Forderung.

Funny erzählt außerdem kurzweilig, was der Bundesadler so getrieben hat, bevor der folgenschwere Job des Wappentiers ihn ereilte: Er nervte seine Frau. Selbst schuld, dass man ihn im Bundestag aufhängte. Der Wahl-Berliner hat sich ja schon einigen absurden Kram einfallen lassen, aber "Dingficker" toppt das meiste davon. Die Geschichte handelt von Sven, der Hüpfbälle und Garagen dem weiblichen Geschlecht vorzieht. Ein Konflikt mit der bösen konservativen Gesellschaft ist natürlich vorprogrammiert.

Doch der Sarah Kuttner-Dauergast lässt auf "Nebelmaschine" auch ungewohnt ernste Töne verlauten. Bei "Humankapital" zieht er über das Unwort des letzten Jahres her. Allerdings haut er im Song über "Mein Volk" in Wortwahl und Tonfall ordentlich daneben: "Als Gott den kleinen Mann erschuf, hat er Gehirn gespart." Funny van Dannen bricht hier mit seiner naiven Herangehensweise und verliert damit auch diese gewisse Unschuldigkeit, die ihn stets umstrahlte. Blitzt da Standesdünkel und Arroganz auf? Und das bei einem Mann, dem man so etwas eigentlich gar nicht zugetraut hätte? Zwar ist klar, dass er ewig nörgelnde und selten engagierte Menschen damit kritisieren möchte, aber so?

Ansonsten ist das vorliegende Album ein typisches Funny van Dannen-Album. Witzig, liebevoll erzählt und auch mal kritisch. Bei der Aufnahme muss aber man Abstriche machen. Die Live-Atmosphäre nur mit Gitarre steht ihm doch am Besten.

Trackliste

  1. 1. Adele Tschüssikowski
  2. 2. Indisch Essen
  3. 3. Humankapital
  4. 4. Gelingendes Leben
  5. 5. Boden unebenheiten
  6. 6. Bundesadler
  7. 7. Bärtiger Delphin
  8. 8. Hobbynutte
  9. 9. Blutige Halme
  10. 10. Die Zeit
  11. 11. Da Stehen Sie
  12. 12. Haus Aus Styropor
  13. 13. Steuerflüchtling
  14. 14. Jeden Tag Leben
  15. 15. Dingficker
  16. 16. Noch Ein Wort
  17. 17. Fotos von Ohren
  18. 18. Nebelmaschine
  19. 19. All Die Matrosen
  20. 20. Mein Volk
  21. 21. Infrastruktur
  22. 22. Leben Auf Fremden Planeten
  23. 23. Zu Traurig

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LAUT.DE-PORTRÄT Funny Van Dannen

Funny van Dannen ist Musiker, Maler, Geschichtenerzähler und Familienvater. Seine Arbeiten sind liebevoll durchgeknallt, engagiert, naiv und immer an …

8 Kommentare

  • Vor 14 Jahren

    Ich bitte um Stellungnahmen zu Funny´s neuem Album "Nebelmaschine".
    Mir persönlich gefällt sie sehr gut. Funny bleibt sich wie immer auch mit dieser CD selbst treu.

  • Vor 14 Jahren

    Noch nicht gehört!

    Aber Funny ist ein unbedingter, geschätzter Liebewicht.

    Aus dem Blau heraus: Bestimmt (wieder mal) ein Album, das zu erstehen sich unbedingt lohnt. :)

    Funny. :)

    "Die Schule war zu Ende, wir sahen uns im Bus
    Es war ein Tag im Winter, grau und kalt
    Ich stand du hast gesessen, da traf sich unser Blick
    Du hattest einen Afrolook, das war damals schick
    Es dauerte noch Wochen, da hab ich mich getraut
    Der Frühling war schon da, ein weicher Wind
    Es war vorm Plattenladen, da hab ich dich gesehen
    Ich fragte: 'Wie findest du T. Rex?' und du sagtest: 'OK'

    (...)Du warst noch ein Mädchen und ich war noch kein Mann

    Und wenn der Beat-Abend vorbei war, hielt der Zug nach Nirgendwo an(...)"

    Hach. :) So war es, damals, in jenen Tagen.

  • Vor 14 Jahren

    wie, die is schon draußen?

  • Vor 14 Jahren

    hmmm, ich hab die 7 vorgänger hier stehen und frag mich ob ich nun wirklich auch das 8te album holen soll..
    kann daa noch was neues folgen ? kann mich funny noch berühren ?
    der song humankapital den man auf seiner seite runterladen konnte fand ich schon mal nich so toll....

    ansonsten scheint mir das album dem vorgänger "herzscheisse" recht ähnlich zu sein, oder?

    aber kann mich natürlich auch brutal täuschen, also.. ich werd einfach mal reinhören :D

  • Vor 14 Jahren

    eigentlich kenne ich nur wirklich von ihm Basics, Clubsongs, Uruguay und Herzscheiße. Die gefallen mir alle gut. Vor allem Herzscheiße. Was neues würde ich von ihm eh nicht erwarten und Songs für die Ewigkeit schreibt er eh nicht wirklich. Behandelt ja oft auch aktuellere Themen.

  • Vor 14 Jahren

    hobbynutte ist absolut wunderbar! der rest wie immer "funny..." aber was ein gutes beilagenbilderbuch!