laut.de-Kritik

Als David Hasselhoff noch mit null Promille unterwegs war.

Review von

"Wir waren Teil der Jamkultur. Über die Jahre wurde Hip Hop immer größer, vieles hat sich verändert und dann kamen die Touristen", lassen uns die Freidenker wissen. Damit schaffen sie Klarheit bezüglich des Albumtitels und legen gleichzeitig den Fahrplan des Longplayers vor: Rapmusik für Anhänger der alten Schule.

Inhaltlich geht es vor allem nachdenklich zu - in den Texten der Rapper Heikouality und Gil dreht es sich neben Beziehungsproblemen, verblichenen Romanzen, Auswanderung und dem Wunsch, aufzubrechen und alles hinter sich zu lassen, vermehrt um die eigene Vergangenheit.

Immer wieder ist die 'gute alte Zeit' das Thema, in der David Hasselhoff noch mit nullkommanull Promille als Knight Rider unterwegs war, das hübscheste Mädchen im Fernsehen Winnie Cooper hieß und die mittlerweile längst auseinandergelaufenen vier Elemente des Hip Hop noch so etwas wie eine Einheit bildeten.

Folglich wimmelt es von Zitaten und namentliche Shoutouts an die Helden von damals wie Advanced Chemistry und Freundeskreis. Leider erinnern auch Delivery und Flows der freidenkenden Rapper an vorgestern und an die frühen Werke von Blumentopf und den Massiven Tönen.

Die Beats von Heikouality und DJ Kaiser sind vor allem warm, soulful und basieren meist auf Samples oder organischen Klängen. Unterstützend setzen sie sparsam Synthesizer-Sounds ein und garnieren alles mit Scratches. Das Ergebnis erinnert nicht selten an die Produktionsweise von Pete Rock oder Little Brother-Beatfabrikant 9th Wonder, womit der Sound ein ordentliches Fundament bietet.

Die Hooklines überlassen die Freidenker bei gut zwei Dritteln der Songs Gästen. Sänger Michael Dalien, bekannt vom 'Eurorap'-Duo Down Low, der der hohen 3p-Gesangsschule am nächsten kommt, bringt seinen Auftritt am besten rüber. Weniger überzeugend fallen die Features von Anar Oguen, Vinia und Reggae-Sänger Junior Jericho aus.

Raptechnisch gibt es Unterstützung von den befreundeten Wortsport-Mitgliedern Jaques Shure und Fleisz, die dem Gesamtbild jedoch keine neuen Akzente verleihen.

Insgesamt liefern Freidenker mit "...Und Dann Kamen Die Touristen" ein solides Album ab, das aufgrund des durchgehenden roten Fadens aus Sentimentalität einen guten Soundtrack für einen 'trip down memory lane' abgibt, der vor allem bei Fans von deeperem Rap und Oldschoolern gut ankommen wird. Der gegenwärtigen deutschen Rap-Landschaft hat das Album aber nichts Wesentliches hinzuzufügen.

Trackliste

  1. 1. Intro feat. Jaques Shure
  2. 2. Neobarrique
  3. 3. Weit Weg feat. Jaques Shure, Fleisz, Junior Jericho
  4. 4. Geh Auf Anfang feat. Vinia
  5. 5. Fremder feat. Jaques Shure, Anar Oguen
  6. 6. Schmetterling feat. Jaques Shure, Michael Dalien
  7. 7. Wann Wenn Nicht Jetzt feat. Jaques Shure
  8. 8. Das Verflixte Siebte
  9. 9. Ich Bin Daheim feat. Vinia
  10. 10. Mauern
  11. 11. SOS feat. Jaques Shure, Junior Jericho
  12. 12. Schweig Und Geh feat. Fleisz, Vinia
  13. 13. Es Tut Nicht Mehr Weh feat. Vinia
  14. 14. Wie War Das Nochmal feat. Jaques Shure, Vinia
  15. 15. Könige

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7 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    warum nennen sich solche Konservativen nicht "die jungen Rechten" oder so. Freidenker..

    Ich meine, ein freier Geist zeichnet sich ja nicht unbedingt dadurch aus, dass er längst vergangenem Nachhängt. Ein freier Geist schafft etwas neues. und weint nicht, dass das alte verfällt.

    Sowas macht ein träger, konservativer Geist.

  • Vor 10 Jahren

    Das hört sich mal endlich wieder nach gutem 90er Jahre Hip-Hop Feeling an, wo die Texte noch Sinn hatten und man sich nicht schämen musste Hip Hop zu hören.

  • Vor 10 Jahren

    "Die Beats von Heikouality und DJ Kaiser sind vor allem warm, soulful und basieren meist auf Samples oder organischen Klängen. [..] Das Ergebnis erinnert nicht selten an die Produktionsweise von Pete Rock oder Little Brother-Beatfabrikant 9th Wonder [...]"

    Das hör ich mir mal an. Bis jetzt konnte ich deutschem HipHop so gut wie nix abgewinnen, weil von den Laiendarstellern keiner für 10 Cent FUNK & SOUL in der ach so dicken Hose hat.

    Edit: hmm, war wohl nix... weitersuchen.

  • Vor 10 Jahren

    nee. ist mir auch zu weinerlich. dann lieber huss und hodn.

  • Vor 10 Jahren

    "Leider erinnern auch Delivery und Flows der freidenkenden Rapper an vorgestern und an die frühen Werke von Blumentopf."

    ...und was wäre schlimm daran, wie die frühen Töpfe zu klingen? Es gibt viel zu wenig von dem, was danach klingt.

  • Vor 10 Jahren

    @hquadrat (« "Leider erinnern auch Delivery und Flows der freidenkenden Rapper an vorgestern und an die frühen Werke von Blumentopf."

    ...und was wäre schlimm daran, wie die frühen Töpfe zu klingen? Es gibt viel zu wenig von dem, was danach klingt. »):

    naja. es gibt sehr gutes und eher weniger gutes über die alten blumentopf-sachen zu sagen und die rap technik ist aus heutiger sicht wohl eher weniger gut, vor allem wenn man sieht wie sie sich danach weiterentwickelt haben.

    trotzdem hör ich immer mal gerne wieder ein paar tracks von 'kein zufall'. sollte nicht als kritik an blumentopf verstanden werden, aber es hat sich halt einiges getan seitdem.