laut.de-Kritik

Britische Höflichkeit und amerikanischer Zorn.

Review von

Frank Turner ist höflich, zuvorkommend, aber doch etwas distanziert. Ein waschechter Brite eben, und das meint man seiner Stimme anzuhören. Die Ermahnung "Be More Kind“, wie er sein siebtes Studio-Album benannt hat, passt da wie die Milch in den Schwarztee. Doch so vorhersehbar das auch klingen mag, Frank hat einige Überraschungen dabei.

Auch wenn "Don't Worry“ nicht gerade dazu gehört. Der erste Song der Platte macht zwar Mut, sein Leben zu meistern, könnte aber auch der dritten Seite eines Ratgebers bei Liebeskummer entsprungen sein. "Don´t worry if you don’t know what to do“, heißt es da. “Don´t listen to the bitter things”, und “Tomorrow’s a new day”, haucht er da ins Mikro. Die Phrasen hat man schon so häufig gehört, aber wie seine Stimme die Worte verpackt ... Ok, Frank. Wenn du das so sagst, glauben wir dir. Alles wird gut.

Dann überrennen die Gitarren-Riffs von "1933“, die einen wachrütteln. Denn Turner schreit nicht nur die Wahrheit heraus, sie muss auch gehört werden. 1933 war das Jahr, in dem die Nazis an die Macht kamen. Frank schlüpft in die Rolle eines Zeitgenossen und brüllt: "I don’t know what’s going on anymore / The world outside is burning with a brand new light”. “We already did this”. Der Song entstand während des US-Wahlkampfes und die Passage könnte zutreffender nicht sein: “The first time is a tragedy the second time is a farce.” Chapeau Frank, atemberaubender Text.

"Little Changes” kommt dagegen sehr smooth daher. Da ist man "so far from okay“, dass eine Veränderung her muss. Auch "Be More Kind“ klingt sehr zart, mit akustischer Gitarre und sanfter Stimme ein Song an Franks Lieblingsautoren Clive James. „So before you go out searching/ Don’t decide what you will find“. Sehr poetisch, Frank.

Mit "Make America Great Again" trifft der Songwriter wieder voll ins Schwarze. Er nimmt das Zitat des US-Präsidenten und ergänzt es mit positiven Gedanken und Akzeptanz. "Well I know I´m just an ignorant Englishman/ But I’d like to make America great again. By making racists ashamed again”. und “Where nobody can be illegal”. An politischen Statements hat Frank nicht gespart.

Bei entspanntem Feierabend-Sound in “Going Nowhere” ist er immer für einen da und zwar “in there like swimweare". "There She Is“ ist ein einfaches, ehrliches Liebeslied, ohne versteckte Deutungen, in "The Liveboat“ wird Frank melancholisch.

Für den "21st Century Servival Blues“ haut Turner noch einmal richtig in die Saiten und gibt Tipps für eine bevorstehende Apokalypse. Alleine ist das allerdings nicht zu bewältigen. "But to tell you the truth, let me tell you the truth/ I just need you-you”.

Den guten alten Frank Turner erleben wir in seinem neuem Album wie wir ihn kennen. Er gibt sich gewohnt gefühlvoll und entspannt, smooth und liebevoll. Doch er lässt auch seinen Unmut über die aktuellen politische Zustände raus, gibt sich kritisch und spricht mutig die Realität an, ohne damit zu übertreiben. Davon möchte man gerne noch etwas mehr haben. Denn am Anfang des Albums startet Frank Turner richtig durch, lässt auch in der Mitte noch einmal aufhorchen, doch zum Schluss hin geht ihm leider etwas die Puste aus. Trotzdem ein Album mit vielen Songs, die man sich anhören sollte!

Trackliste

  1. 1. Don't Worry
  2. 2. 1933
  3. 3. Little Changes
  4. 4. Be More Kind
  5. 5. Make America Great Again
  6. 6. Going Nowhere
  7. 7. Brave Face
  8. 8. There She Is
  9. 9. 21st Century Survival Blues
  10. 10. Blackout
  11. 11. Common Ground
  12. 12. The Lifeboat
  13. 13. Get It Right

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LAUT.DE-PORTRÄT Frank Turner

Frank Turner wurde zwar in Bahrain geboren, ist aber – so englisch wie sein Name klingt, im Süden Englands aufgewachsen. Mit seiner ersten Band Kneejerk …

3 Kommentare

  • Vor 3 Monaten

    Das erste Album von Frank Turner auf dem mir mal so gar kein Song gefällt, alles viel zu glatt produziert und (noch mehr) an den Mainstream angebiedert. Auch textlich irgendwie nicht mehr so gut wie früher, MAGA is schon ziemlich plakativ geraten.

    Die neuen Songs fügen sich auch nich wirklich gut in die live sets ein, zumindestens beim Touraftakt in Dublin wirkte dass alles nich sehr homogen. Schade.

  • Vor 3 Monaten

    Weit weg von Recovery und Positive Songs for negative people, noch weiter weg von "The Road" Zeiten - aber ich gönne es ihm, falls es ein Erfolg wird. Von Punkrockshows alleine in kleinen 1000er Hallen wird der Kühlschrank auch nicht voll.

  • Vor 3 Monaten

    Finde das Album gelungener als "Positive Songs..." - kommt nicht an "Tape Deck Heart" ran, aber ein Reinfall ist es sicher nicht geworden.