laut.de-Kritik

Als würden die Sex Pistols auf The Prodigy treffen.

Review von

Harte Zeiten erfordern harte Typen. Frank Carter ist so einer: Ein Ganzkörper-tätowierter, fleischgewordener Bulldozer, der mit Unmengen an Rotz und Punk im Blut nur eine Richtung kennt: geradeaus. Gemeinsam mit seinem Rattlesnakes-Partner Dean Richardson entführt er uns dieser Tage in ein Sounduniversum, in dem sich Johnny Rotten und Keith Flint giftige Zeilen an den Kopf werfen, während im Hintergrund wildgewordene Klapperschlangen Pogo tanzen.

Die satten Gitarrenwände der Anfangstage finden sich zwar nicht mehr. Immensen Druck erzeugt der Sound trotzdem noch. Irgendwo zwischen Alternative, Punkrock und rotzigem Indie schießt der nach wie vor nach allen Seiten ausschlagende Carter gleich zu Beginn aus allen Rohren ("Sticky").

"What the fuck is wrong with me?", fragt sich der gute Frank. Tja, wenn wir das wüssten. Aber es ist auch irgendwie gut, so wie es ist. Denn so bleibt der ehemalige Gallows-Shouter auf seinem vierten Rattlesnake-Output weiter auf der Überholspur in Richtung Rotzrock-Olymp.

Zusammen mit dem South-London-Boy Lynks vereint Carter die Trademarks von Danko Jones, The Hives und De Staat ("Bang Bang", "Go Get A Tattoo"). Mit der Unterstützung von Idles-Frontmann Joe Talbot werden Erinnerungen an die Ramones und Sigue Sigue Sputnik wach ("My Town").

Kollabos aus verschiedenen Lagern sorgen schließlich für Abwechslung und unterschiedliche Stimmungslagen. So steuert Englands Elektro-Pop-Prinzessin Cassyette etwas Underground-Atmosphäre bei ("Off With His Head"), während das Duo Carter/Gillespie zum Abschluss mehr nach Harmonie trachtet. Mit einer stimmungsgeladenen Verneigung vor sphärischem 80s-Punk findet "Sticky" seinen krönenden Abschluss ("Original Sin").

Angetrieben von straighten Bumtschak-Beats und punkigen Gitarren, die bezüglich Sound und Härtegrad sämtliche Dekaden seit den glorreichen Siebzigern einbeziehen, lassen Frank Carter And The Rattlesnakes alles raus, was sich in unzähligen Monaten der Isolation und der Entbehrungen angestaut hat. War die Vorfreude auf die vier Deutschlandshows im kommenden Jahr nicht schon vorher groß, kann man es jetzt kaum noch erwarten.

Trackliste

  1. 1. Sticky
  2. 2. Cupid's Arrow
  3. 3. Bang Bang
  4. 4. Take It To The Brink
  5. 5. My Town
  6. 6. Go Get A Tattoo
  7. 7. Off With His Head
  8. 8. Cobra Queen
  9. 9. Rat Race
  10. 10. Original Sin

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