laut.de-Kritik

Tolles Solodebüt des Tele-Sängers.

Review von

"24 Wochen lang war alles gut / aber dann waren die Pferde der Reiter der Apokalypse angebunden an unser Bett / die Küche war blau und die Herzen auf dem Spiegel im Bad waren weg." ("Die blaue Küche")

Man nenne es, wie man will: Ob gereimte Westentaschenweisheiten oder akkurat aus dem Gedächtnis aufs Pergament abgepauste Denkvorbilder - Dieses Album ist die nächste Empfehlung an alle Auslandsreferate des Goethe-Instituts. Abseits von Tele-Wegen findet deren Sänger Franceso Wilking auf dem Einzelgängerpfad sein geeignetes Format.

Ganz entgegen der Tocotronic-Formel "Über Sex kann man nur auf Englisch singen", die nur das kleinste gemeinsame Nenner-Kriterium deutscher Singsprachproblematik verbalisierte, arbeitet Wilking als lebenskluges Perpetuum mobile gegen alle Ohnmächtigkeitsvorwürfe.

Hier ist der Beweis, dass unsere Sprache in der Pflicht stehen kann, ohne mit dem akademischen Vorwort auskommen zu müssen. Den Griff nach der Medaille verdient sich das Album aber nicht nur durch glänzenden Wortreigen.

Gerade "Sag Sarah" zeigt, wie kennzeichnend sich ein Eingangsstück in familiärer Stellvertretung seinem folkloristischen Stammbaum nähert. Genau hörbar ist das eingezählte Eigenmetronom des Schlagzeugs und der Nachhall gesunder Selbstüberzeugung. Und Francesco Wilking hat die Lupe dabei. In seinen Liedern legt er sie über eine Zeit, die nach Dylans Schärferelationen verlangte. Dort zieht er seine Kreise mit dem dicken Vergrößerungsglas und findet als Mann fürs Grobe das, was es ausmacht. Er weiß, wie man ein Lied richtig instrumentiert.

"Ich war schwach und sah keinen Ausweg / dabei gab es drei, wenn nicht vier (...) Aber ich weiß, was du denkst / wenn ich sag, ich änder' mein Leben / Du stehst in der Tür wie ein Denkmal auf das es regnet." Mit keiner kalten Schulter, viel lieber mit einer notorischen Tiefstaplergeste porträtiert sich die Erzählfigur in "Ein Film über uns".

Es gibt viele Momente, die dazu passen könnten, diesem zündenden Wortwahn und trockenen Blues einzugestehen, dass es sie gibt, die Wegwerf-Alltage, die Plattitüden vom Stammtisch und die trostscheinenden, aber nicht spendenden Worthülsen. Das letzte Lied "Die Zukunft Liegt Im Schlaf" nimmt sich laissez-faire die Häutung des Klanggerüsts vor und als Überbleibsel ein Liedgerippe in Kauf, um uns zu zeigen, dass auch aus Knochen ein hübsches Süppchen gekocht werden kann.

Gutes Songwriting ist Bauchsache und Franceso Wilking tat gut daran, auf dieses Gefühl gehört zu haben. Deshalb ist "Die Zukunft liegt im Schlaf" Late-Night-Musik geworden, die auch fraglos zur Matinee gehört werden darf.

Trackliste

  1. 1. Sag Sarah
  2. 2. Martha
  3. 3. Aber Nie Ganz
  4. 4. Leben Ist Liebe
  5. 5. Der Minister
  6. 6. Ich Werde Alt
  7. 7. Die Blaue Küche
  8. 8. Tunnelhausen
  9. 9. Ein Film Über Uns
  10. 10. Die Zukunft Liegt Im Schlaf

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