laut.de-Kritik

Dem Bombast folgt das Glaubensbekenntnis.

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Große Gesten, großer Bombast und große Stimme. So ließen sich die beiden letzten Alben "Ceremonials" und "How Big, How Blue, How Beautiful" ganz gut zusammen fassen. Auf der Bühne verliert sich Florence Welch im Sound der Band, unterlegt das Spektakel mit melodramatischen Posen und bringt unter Einbeziehung des Publikums einen riesigen Konzert-Saal unter ihre Kontrolle. Wer seinen Star umgeben von einer großen Band und im Scheinwerferlicht sieht, kommt in diesem Moment nicht auf den Gedanken, wie sehr Privatmensch hinter der Kunstfigur steht.

Im Opener "June" beschreibt die auf der Bühne so extrovertierte Sängerin, wie sich der Kontrast nach solch einem emotional großen Moment anfühlt. "The Show is ending an I has startet to crack / Woke up in Chicago and sky turned black". Risse in der überlebensgroßen Figur, die sonst über der Masse eines Konzertpublikums thront und diese allein zu dirigieren vermag. Ein paar Klaviertöne und ihre ruhige Stimme führen in den Song ein, in dem Welch im letzten Drittel eindringlich "hold on to each other" nahezu aus sich heraus schreit. Das Appellieren an die universelle Kraft der Liebe ist nicht neu und immer schon Grundgerüst eines Florence And The Machine-Albums, aber Intimität war bislang ein selten benutztes Wort, mit dem man ihr bisheriges Oeuvre beschreiben konnte. Die bisherige Wall Of Sound mit ihren vielen Spuren baut sie in "High As Hope" zusammen mit Emile Haynie (The Roots, Lana Del Rey) als Co-Produzentin ab. Weitaus weniger Oho-Chöre oder wuchtig nach vorne gemischte Trommeln sind das Ergebnis.

"Ich muss mich nicht mehr verstecken", sagte die Britin vor Kurzem in einem Interview und verglich sich mit einem Gemälde, auf dem immer mehr Schichten aufgetragen wurden. Wie man mit einem Pinselstrich und den Grundfarben auch große Kunst erschafft, zeigt "Sky Full Of Song". Was im Titel unangenehm an einen ähnlich klingenden Coldplay-Song erinnert, entpuppt sich als Lied mit einfacher Harfen-Instrumentalisierung und fokussiert sich ganz auf das Gefühl der traurigen Müdigkeit. "Take me down, I'm too tired now / Leave me where I lie. Was sich im Text so kraftlos anhört ist das mutige Geständnis der Schwäche vor der Öffentlichkeit.

Die sichtbare Liebe der Fans, die Kraft spendet, geht eben nur bis zum Ausschalten der Scheinwerfer. Wenn der letzte Ton verklungen ist, spendet keiner mehr Applaus. Im letzten Song "No Choir" singt Florence: "And it's hard to write about being happy / 'Cause the older I get / I find that happiness is an extremely uneventful subject." Mit 31 Jahren hat sie erkannt, dass die Suche nach Glück sich nicht nur im großen Übermoment findet, sondern in den vielen Dingen dazwischen. Die Mitte des Lebens hat keine Chöre und Glamour, aber die Fallhöhe befindet sich auch nicht mehr auf Höhe des Himmels. Was auch hier auffällt: Der Gesang steht im Mittelpunkt, die Streicher und die restliche Produktion ist nur das Beiwerk, das sich angenehm dezent im Hintergrund hält.

Unterkühlter Rationalismus als Antwort auf zerbrochene Hoffnungen ist "High As Hope" zum Glück nicht geworden. Ihrer Stärke, den Pathos auch mit Leben und Wärme zu füllen, ist sich Florence treu geblieben. Mag das Arrangement auch zurückgefahren sein, es bleibt dennoch hoch emotional und trifft aufgrund seiner schonungslosen Offenheit noch direkter ins Herz.

Trackliste

  1. 1. June
  2. 2. Hunger
  3. 3. South London Forever
  4. 4. Big God
  5. 5. Sky Full Of Song
  6. 6. Grace
  7. 7. Patricia
  8. 8. 100 Years
  9. 9. The End Of Love
  10. 10. No Choir

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