laut.de-Kritik

Ein überzeugendes und abwechslungsreiches Debüt.

Review von

Bei Flo Megas Longplayer-Debüt handle es sich um eine emanzipiert und einzigartige deutsche Soulplatte. Ein Album, "das es so in Deutschland noch nicht gegeben hat". Wie die meisten Promoter sparen auch die Mitarbeiter von Four Music nicht an Vorschusslorbeeren für ihren Newcomer. Der Auftritt beim Bundesvision Song Contest mit der tollen Single "Zurück" machte Hoffnung auf eine Erfüllung dieser Versprechen.

Zu Beginn fühlt sich der Hörer vorerst in bekannten Gefilden aufgehoben. Bereits die ersten Takte von "Auf Der Strecke" erinnern deutlich an Amy Winehouse' Hit "Back To Black". Gleichmäßige Stakkato-Akkorde, theatralische Streicher- und Bläsersätze sowie ein charakteristischer Drumgroove bilden das Soul-typische Klanggerüst. Mit durchgehenden Mollakkorden spart die Nummer nicht an Dramatik. Das Ganze macht von Anfang an Spaß - stellt aber nichts Neues dar.

Flo Megas Gesangsleistung hievt die Musik dagegen auf ein ganz anderes Level. Mit emotionaler Stimme, leichtem Nuscheln und impulsiver Betonung trägt er seine philosophischen Texte vor und bindet einem damit direkt die Extravaganz seines Schaffens auf die Nase. Der vielsilbige Refrain stellt klar: Der Mann hat einiges zu erzählen. Dabei steckt in jedem einzelnen Ton so viel Ausdruck, dass es ununterbrochen leicht fällt, ihm seinen Vortrag abzunehmen.

Was er mit "Auf Der Strecke" verspricht, hält der sympathische Bremer auf den folgenden Tracks ohne Mühe ein. Mit Humor besingt Flo Mega den chronischen Geldmangel eines in der ehemaligen DDR wohnhaften Bürgers. "Ich lebe an der Armutsgrenze, gleich neben dem Gelobten Land / Beantrage ein Visum für's Paradies und 'ne Greencard für's Schlaraffenland."

Hier zieht die Band das Tempo gewaltig an, ehe sie dem Hörer in "6.000.000 Euro Arsch" einen musikalischen Tritt in den selbigen verpasst. Die beiden erfrischenden und unterhaltsamen Nummern versprühen eine dicke Portion gute Laune und dürften live für viel Bewegung vor der Bühne sorgen. Frei nach dem Motto "Bitte beweg' deinen 6 Millionen Euro Arsch!".

Durchhänger sucht man vergeblich, was Flo Mega zu einem großen Anteil seiner Band The Ruffcats zu verdanken hat. Die Combo setzt auf zahlreiche bewährte Mittel, inklusive Blas- und Tasteninstrumente, und bildet ein sattes Fundament für die emotionalen Ausbrüche des Sängers. Bei jedem Song schimmert die Spielfreude der Musiker deutlich durch und spornt den Frontmann so zu gesanglichen Höchstleistungen.

Selbst etwas unaufregenden Songs wie "Boomerang" verpassen die Ruffcats einfach viel zu viel Energie, um den Hörer wirklich zu langweilen. Auch der musikalische Querverweis bei "Agentin Mit Herz" funktioniert bestens, so erinnern gleich die ersten Takte an das klassische James-Bond-Thema.

Wie erwartet avanciert die eingangs erwähnte Vorabsingle "Zurück" zum Höhepunkt des Albums. Sowohl in den klagenden Strophen als auch im hymnischen Refrain funktioniet Flo Megas Organ bestens. Gitarrist Ikvai Szabó liefert mit einem ebenso einfach gestrickten wie emotionalen Solo das i-Tüpfelchen.

Im melancholischen "Philosoph Der Stadt" reflektiert Flo über sein eigenes Leben und überzeugt textlich auf ganzer Strecke. "Wie weit willst du gehen für ein paar Sekunden Fame? Ist das der Grund, wenn es nicht funzt, sich aus dem Fenster zu lehnen?" Bei so viel Talent wünscht man dem Bremer weit mehr als ein paar Sekunden Aufmerksamkeit.

Der Four Music-Schützling bringt mit "Die Wirklich Wahren Dinge" ein überzeugendes und abwechslungsreiches Debüt an den Start. Trotz großem Hörspaß handelt es sich bei den astreinen Instrumentals der Ruffcats sicherlich um keine Weltneuheit. Sie bieten dem schrillen Vogel Flo Mega jedoch den perfekten Boden, um sein großes Stimmpotenzial zu entfalten.

Trackliste

  1. 1. Auf Der Strecke
  2. 2. DDR
  3. 3. 6.000.000 Euro Arsch
  4. 4. Zurück
  5. 5. Boomerang
  6. 6. Durchgemacht
  7. 7. Agentin Mit Herz
  8. 8. Whopper
  9. 9. Schuhe Meines Vaters
  10. 10. Philosoph der Stadt
  11. 11. Wie Es Weitergeht
  12. 12. Die Wirklich Wahren Dinge

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