laut.de-Kritik

Versinken bis zum Hals im Formtief.

Review von

Der Topact der elektronischen Clubszene befindet sich mit dem dritten Album am Scheideweg. Erste Anzeichen dafür hat das New Yorker Duo bereits im vergangenen Jahr mit dem Release der schwachen Maxi-Singles "Danse En France" und "The Best Revenge" ausgesandt. Die zwei Nummern waren kaum mehr als ein lauwarmer Aufguss der Qualitäten, die Fischerspooner zu einem der wichtigsten Elektronik-Acts der Welt gemacht haben. "The Best Revenge" gibt sich dabei noch Mühe, seine Ideenlosigkeit halbwegs unter einer dick aufgetragenen und an den Überhit "Emerge" angelehnten Saxofonmelodie zu verbergen. "Danse En France" dagegen gefällt sich in gesichtsloser Durchschnittlichkeit.

Zwei halbgare Stücke, die für die Ansprüche von Casey Spooner und Warren Fischer eindeutig zu wenig sein müssen. Schließlich haben sie mit "#1" und "Odyssey" zwei Alben eingespielt, denen in allen Belangen ein Höchstmaß an Virtuosität und Kreativität attestiert werden kann. Ein derart plumpes Spiel mit Selbstreferenzen wie bei "The Best Revenge" hätte darauf sicher keinen Platz gefunden. Allein dieser Einstieg in "Entertainment", wie das neue Album beinahe flehentlich benannt ist, sagt viel aus über die Planlosigkeit, die in den vergangenen Jahren von der Band Besitz ergriffen hat.

Das erschreckende ist jedoch nicht, dass es sich um ein Stück handelt, das sich die beiden vor fünf Jahren nicht zu veröffentlichen getraut hätten. Erschreckend ist, dass der Track tatsächlich noch zu den besseren auf "Entertainment" gehört. Kaum haben Fischerspooner ihr bisschen Pulver verschossen, taucht das Album mit gesichtlosen Tracks wie "Supply & Demand", "Amuse Bouche" oder "Infidels Of The World Unite" in Belanglosigkeit und Langeweile ab. Positiv vermerken muss man in diesem Zusammenhang, dass sie darauf verzichtet haben, mehr als zehn Tracks zu versammeln.

Die Sicherheit der Geste, die Souveränität der Stilmittel, die feine Ironie der Inszenierung - all das sucht man heuer vergebens. Ein Eindruck, der auch nach mehrmaligem Hören keine Revision erfährt. Es stimmt einen traurig, diese Bandentwicklung attestieren zu müssen, wo Fischerspooner noch bis vor wenigen Jahren der Inbegriff für grenzenlosen Glamour unter der Discokugel waren. Einen Hauch davon kann man bei der anstehenden Clubtour des Duos noch erhaschen. Eine Gelegenheit, die man am Schopf packen sollte, bevor das Formtief noch chronisch wird.

Trackliste

  1. 1. The Best Revenge
  2. 2. We Are Electric
  3. 3. Money Can't Dance
  4. 4. In A Modern World
  5. 5. Demand
  6. 6. Amuse Bouche
  7. 7. Infidels Of The World Unite
  8. 8. Door Train Home
  9. 9. Danse En France
  10. 10. To The Moon

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