laut.de-Kritik

Rambazamba in der Drachenhöhle.

Review von

Chaos auf hoher See, Rambazamba in der Drachenhöhle kriegerisches Treiben im hohen Norden: Wer musikalisch gerne zwischen Bands wie Manowar, Rammstein und Nightwish hin und her pendelt und alle Staffeln von Game Of Thrones und Vikings sein Eigen nennt, der bekommt mit einem Feuerschwanz-Output stets den passenden Alltags-Soundtrack zur Seite gestellt.

Auch auf ihrem neuen Studioalbum "Memento Mori" lassen der Hauptmann und sein Gefolge nicht locker und skizzieren eine Fantasiewelt, in der sich Männer und Frauen auf dem Felde im Schwertkampf messen, während über ihnen ungezähmte Nachtschatten ihre Kreise ziehen.

Mit sattem Sound und viel Brimborium feiern Feuerschwanz das Hier und Jetzt ("Memento Mori"). Fette Industrial-Riffs und beeindruckende Chöre aus Mordor vereinen sich zu einem großen Ganzen, das klingt, als würden die Damen und Herren von Dschingis Khan und Rammstein gemeinsame Sache machen ("Untot im Drachenboot", "Ultima Nocte").

Die letzte Nacht vor der Schlacht wird genauso besungen wie die blutigen Feindesfeldzüge: "Wir rasten aus, wir drehen frei, wir sind im Rausch der Barbarei!", schallt es durch die eisige Nacht ("Rausch der Barbarei"). Feuerschwanz treiben den kriegstreiberischen Pathos auf die Spitze. Wenn Schwerter und Pfeile über Leben und Tod entscheiden, düstere Reime mit Kinderlied-Harmonien verziert werden und das Drachenherz des Herrn Papa sich den Titel der stärksten und wichtigsten Pumpe des Planeten verdient, dann kommt man als Normalsterblicher kaum noch hinterher ("Krampus", "Das Herz Eines Drachen").

Die Folge ist natürlich, dass sich Hörer fernab der selbstgesteckten Fan-Territorien nur ganz selten mit jubelnden Posen ins Reich der brennenden Drachenschwänze verirren. Den Urhebern ist das aber ziemlich schnuppe. Nach drei Top-Ten-Alben winkt man rund um Erlangen nur noch ab, wenn sich Kritiker darüber beschweren, dass man in der Feuerschwanz-Welt mit musikalischen Scheuklappen durch den Alltag spaziert. Es scheint definitiv genug Leute da draußen zu geben, die den mit Dudelsack-Klängen und Walhalla-Chören aufgepeppten Mix aus Mittelalter-Metal und Industrial-Folkrock ordentlich abfeiern.

Spieltechnisch kann man den Feuerschwänzen auch nichts vorwerfen. Egal ob das wilde Geprügel von Schlagwerker Rollo Schönhaar, das Gefidel und Gedudel von Johanna von der Vögelweide und ihrem Kollegen Prinz Hodenherz oder die harten Riffs von Gitarrero Hans dem Aufrechten: Hier präsentiert sich alles auf den Punkt genau und mit ordentlich Dampf unterm Kessel. In diesem Sinne: Hoch die Hörner und auf in die Schlacht!

Trackliste

  1. 1. Memento Mori
  2. 2. Untot Im Drachenboot
  3. 3. Ultima Nocte
  4. 4. Rausch Der Barbarei
  5. 5. Krampus
  6. 6. Feuer Und Schwert
  7. 7. Das Herz Eines Drachen
  8. 8. Rohirrim
  9. 9. Am Galgen
  10. 10. Hannibal
  11. 11. Skaldenmet

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11 Kommentare mit 26 Antworten

  • Vor 11 Monaten

    Musik, die es mit jeder Veröffentlichung erneut schafft Grenzen zu überwinden wie kaum eine andere. Stets allen voran die des guten Geschmacks.

  • Vor 11 Monaten

    Was die Feuerschwanz-Reviews immer sehr schön abschließt ist das Nennen der Bandmitglieder. Ich vergessen das immer wieder zwischen den Albenerscheinungen und schäme mich jedes Mal erneut fremd, wenn ich die dämlichen Namen lese.

  • Vor 10 Monaten

    Finde es immer ganz witzig, das dieselben Leute, die sich an zotigen Texten und albernen Namen der Band abarbeiten, auf der anderen Seite Texte von K.I.Z als ach so clever feiern. Nicht falsch verstehen, hab kein Problem mit K.I.Z, im Gegenteil, aber wie oft wurde hier schon über Schwänze gerappt und wen, außer irgendwelche 12 jährige interessiert das eigentlich.
    Man könnte bei Feuerschwanz tatsächlich mal aber ein Ohr riskieren und den durchaus großen Fortschritt zumindest anerkennen, man muss ihn ja nicht gut finden.