laut.de-Kritik

Barbie im Mondscheinland.

Review von

"Wir sind ausgezogen, um das Wesen der Nacht zu erkunden. Sind viele Monate und durch vielerlei Länder gereist. Wir haben Ozeane überquert und sind blablabla ..." Viele Monate? Gerade mal ein Jahr ist vergangen seit Faun uns das letzte Mal mit ihrem Mittelalterpop genervt haben. Viel mehr als einfallslose Standardreime und ein bisschen Gerassel kriegt man in diesem Zeitraum wohl nicht hin.

Kitsch regiert einmal mehr im Märchenland der Gräfelfinger. Aber gut, ein Mittelalter-Album ganz ohne plakative Wortakrobatik zu erwarten, wäre ein bisschen zu optimistisch. Wie man das aber relativ schmerzfrei über die Bühne bringen kann, zeigen In Extremo aber recht häufig. Faun dagegen suhlen sich in ihren Kinderliederreimen und Gutelaune-Klimpereien. Die Sänger haben anscheinend nur eine Stimmungslage drauf. Sogar, wenn es düster werden soll, meint man, Dauergrinsen und hüpfbereite Füßchen durch die Lautsprecher zu hören.

Es beginnt mit der "Walpurgisnacht". Ein ganz unverbrauchtes Thema also. Mit bösen Hexen hat das Gedudel dabei recht wenig zu tun. Eher flattern hier aufgeregt liebliche Feen mit Hello Kitty-Fimmel am helllichten Tag um das Feuer. Ach, wie süß.

Nach diesem erschreckenden Beginn, bessert sich der Eindruck von "Luna" jedoch unerwartet schnell. "Buntes Volk" leiht nämlich Michael Rhein sein prägnantes Organ. Der packt lyrisch eine Anspielung an seine eigene Band aus: "Durch das Tal / sahst du die Spielleut ziehn / halb Weise und halb Narr'n / verehrt und angespien." Auch sonst klingt der Track sehr nach In Extremo und sorgt für eine positive Überraschung. Mit geringfügiger Modifikation hätte der Song auch gut auf "Kunstraub" gepasst.

Hier wie auch im nachfolgenden "Menuett" zeigt die Sackpfeifenfraktion zudem, dass sie durchaus über Melodiegespür verfügt. Katja Moslehners öder Walzergesang in Kombination mit unpassenden Vibratoversuchen zerrt allerdings gehörig am Geduldsfaden.

Viel Nennenswertes passiert daraufhin nicht mehr. Das Techtelmechtel zwischen ESC und ARD-Märchenstunde geht munter weiter und weiter. Faun heulen der Gottesmutter Maria eine lateinische Weise ("Cuncti Simus"), verpacken "Frau Erde" in ein belangloses Wiegenlied und strahlen im Schlüsselsong des Albums mit äußerst unvorhersehbaren Textzeilen: "In deinem Namen sind wir gestorben und wieder aufgewacht / In deinem Namen wurde gefeiert, geliebt und gelacht / und dein Lied bleibt für immer unsere Hymne der Nacht." Es geht selbstverständlich um die Mondgöttin, die "Königin – im Dornröschenschlaf".

Dazwischen verspricht uns Oliver S. Tyr eine "Wilde Jagd". Hört man das Eröffnungsduett, wird einem jedoch schnell klar, dass der Titel ein Trugschluss ist: "Ein Mädchen kommt vom Tal ins Dorf / so lieblich und so fein / da sieht der schwarze Müller sie / und will ihr Liebster sein." Die holde Zaubermaid meldet sich gleich zu Wort: "Geh fort du dunkler Müller du und lass mich friedlich sein / den Kranz den ich so lange hielt / will ich mit dir nicht teilen." Da gingen die Barbiefantasien mit Faun wohl endgültig durch. So klingt das Ganze dann auch mehr nach Kindergeburtstag im Märchenwald als nach dem im Begleittext erwähnten Vergewaltigungs-Szenario.

Eines muss man den Minnesängern der Nacht jedoch zu­gu­te­hal­ten: Man nimmt ihnen ab, dass sie voll und ganz hinter ihren Erzeugnissen stehen und keine reine Marketingmasche vorantreiben. Zudem verkommen sie nicht zu unsäglichen Sauf-, Schunkel- und Sackpfeifen. Wer auf das bisherige Schaffen der Band steht, wird vermutlich also auch etwas mit deren siebten Album etwas anfangen können. Alle anderen suchen sich lieber einen anderen Soundtrack zum Mondspaziergang.

Trackliste

  1. 1. Luna Prolog
  2. 2. Walpurgisnacht
  3. 3. Buntes Volk
  4. 4. Menuett
  5. 5. Hekate
  6. 6. Blaue Stunde
  7. 7. Cuncti Simus
  8. 8. Hörst Du Die Trommeln
  9. 9. Die Wilde Jagd
  10. 10. Frau Erde
  11. 11. Hymne Der Nacht
  12. 12. Abschied
  13. 13. Wind Und Geige XIV
  14. 14. Die Lieder Werden bleiben
  15. 15. Era Escuro

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9 Kommentare mit 5 Antworten

  • Vor 5 Jahren

    Schon mal dran gedacht, dass diese Art von Texten und Melodien einfach der Stil von Faun ist, lieber Rezensent? Wenn dir In Extremo so gut gefällt (die ich im Übrigen auch sehr gern mag), dann hör doch besser diese Band. Und schreib keine Rezensionen zu Musikstilen, denen du eh nichts abgewinnen kannst.

  • Vor 5 Jahren

    Es ist wieder so, wie ich es immer kritisiere: diese Rezension hat mehr eigene Meinung als musikalisch-analytische Aspekte als Basis. Es ist wahr, Faun haben sich von dem, wofür sie sonst bekannt waren, immer mehr gelöst. Aber das muss nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein. Ich war auf einem Konzert der Band am Dienstag in Flensburg und ich muss sagen: es kommt etwas rüber auf der Bühne und das ist das Wichtigste. Ja, es waren auch 2 Tänzerinnen dabei, aber im Gegenzug zum Gehüpfe der Volksverdummung mit dem Namen Helene Fischer, passte es in diesen Gesamtkontext.
    Vielleicht sollte der Rezensent bei eben genannter Sängerin bleiben ... da passt er, was sein Schreibstil angeht, eh viel besser hin!

    • Vor 5 Jahren

      Und was genau hat dein Konzerterlebnis mit dem vorliegenden Album zu tun? Dass auf der Bühne "etwas rüber kommt" ist ganz sicher nicht das Wichtigste, sondern komplett irrelevant, wenn es um die Platte geht.

  • Vor 4 Jahren

    Ich weiß garnicht warum man darüber schreiben muß. Es kann ja jeder seine Meinung haben aber ob die auch jeder lesen will? Ob einem eine bestimmte Musik oder Band gefällt oder nicht, liegt doch an den Menschen selber. An den Erlebnissen was jeder durch hat und da passt vielleicht genau diese Musik darauf um seinen inneren Frieden zu finden. Also lasst doch jeden Einzelnen entscheiden ob die Musik, die Texte und die Künstler zu ihm passen. Mir tun die einfachen Texte jedenfalls gut um von dem Stress den ich in der Firma habe runter zu kommen.
    Mal ganz davon abgesehen, daß die Rezension sehr oberflächlich und kleingeistig geschrieben ist. Außerdem wäre sie nur halb so lang geworden wenn die Liedtexte nicht dabei stehen würden. Jeden Satz davon könnte ich auseinanderpflücken wenn ich die zweifelhafte Gabe besitzen würde mich auf dieses kleingeistige Mini-Niveau herabzulassen.
    Seid lieb zu einander