laut.de-Kritik

Nicht nur finanziell, sondern auch künstlerisch ein Befreiungsschlag.

Review von

"I make it rain on them hoes". Na, da hat sich definitiv mal einer eine flotte Zeile ausgedacht. Trotzdem habe ich wohl schon charmantere Liebeserklärungen wie diese Zeile aus Lil Waynes Mund in "Make It Rain" vernommen. Oder ist meine Hermeneutik zu weit hergeholt und ich habe es hier mit einem eindeutigen Diss in Richtung R. Kellys sexuelle Vorlieben zu tun?

Trotz seinem Bombenbeat gehört dieser Track textlich eher zu den Schwachstellen des Albums. Lichtere Momente gibt es dafür in "Breathe And Stop" mit einem gut aufgelegten The Game zu einem Reggae-Sample von Bob Marleys "War". Doch der absolute Oberkracher ist das sehr gefühlvolle "Bendicion Mami", ein Remake von "Maria (You Were The Only One)" von The Jacksons Five, in dem ein blutjunger Michael Jackson die Hook singt.

Uncle Joe wagt sich dort an die mitunter nicht ganz so einfache Mutter-Sohn-Beziehung, spätestens seit Tupacs "Dear Mama" und Jay-Zs "The Blueprint (Momma loves me)" ein fester Topos der Rapgeschichte. Trotzdem ist der Song der "most beautiful woman on the planet earth" gewidmet: Maria Cartagena, die sich mit drei Jobs und einem drogenabhängigen Kind durchschlagen musste. Besonders tragisch: Am gleichen Tag, an dem Joe seinen Plattenvertrag unterzeichnete, wurde bei seiner Mutter Krebs diagnostiziert.

Nachdem Don Cartagenas letztes Album "All Or Nothing" kommerziell floppte und er zwischenzeitlich das Label wechselte, legt er nun mit seinem siebten Album in 13 Jahren seinen ersten Indiewurf hin. Nicht nur finanziell, sondern auch künstlerisch ein Befreiungsschlag.

Zeit für eine Zwischenbilanz: Joe Crack geht auf diesem Album so gut wie keine Kompromisse ein. Nur er allein ist der ausführende Produzent. Executive Producer: "Joe Crack & Abolutely No One Else", liest man auf der CD-Hülle. Des Weiteren enthält "Me, Myself & I" außer "Make It Rain" sehr intime und düstere, weniger charttauglichere Songs a la "Story To Tell", "No Drama" und "Hard Not To Kill".

"Me, Myself & I" ist nicht nur der Titel der CD, sondern auch sehr gut lyrisch umgesetzt. Das letzte Album des Paten aus der Bronx? Eigentlich wäre mit dieser Scheibe ja alles gesagt, oder?

Trackliste

  1. 1. Pendemic/Intro
  2. 2. Damm
  3. 3. The Profit
  4. 4. No Drama
  5. 5. Breathe And Stop
  6. 6. She's My Mama
  7. 7. Make It Rain
  8. 8. Jealousy
  9. 9. Think About It
  10. 10. Hard Not 2 Kill
  11. 11. Bendicion Mami
  12. 12. Story To Tell

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