laut.de-Kritik

In der Tradition des Hauptstadt-Raps der 2000er.

Review von

"Aufgewachsen ist er zwischen Luxus und Armut in einer lauten, schmuddeligen, chicen und verträumten Großstadt am Rhein. Wissen Sie, ich hab' schon vieles gehört und auch vieles gesehen. Vertrauen Sie mir: Der Junge ist authentisch", versichert Mogens von Gadow, Synchronsprecher des Schauspielers Joe Pesci, im Intro zu "Resolution". Die Betonung der eigenen Authentizität dient gerne zur vorbeugenden Entschuldigung für nichtssagende Alben. Doch glücklicherweise verliert sich das "zähe Bürschchen" Fäbson nicht wie etwa Weekend in selbstironischer Nabelschau, sondern legt durchaus Wert darauf, etwas zu sagen zu haben.

Im ersten Beitrag "Wenn das Leben beginnt" skizziert Fäbson mit hungrigem Vortrag den menschlichen Werdegang als determinierten Kreislauf: "Wo ich herkomm', wer ich bin, meine Herkunft, mein Instinkt. Was ist falsch und was stimmt? Je älter man wird, desto mehr wird man Kind. Macht das alles überhaupt einen Sinn? Was ich hab', was ich mach', was ich sag' ist doch irgendwie bestimmt, irgendwie bestimmt, wenn das Leben beginnt." Im weiteren Verlauf unterstreicht Fäbson jedoch, dass er diese durchaus esoterische Vorherbestimmung nicht als absolut auffasst.

"Man muss viele Berge erklimmen, will man alle Grenzen bezwingen. Das gehört zum Weg. Welchen du auch wählst, hör' auf deine Stimme." Von "Zeiten Ändern Sich" und "Resolut" bis zu "Lauf" und "Halte Nie An" erweist sich der Leistungsgedanke als Leitmotiv auf "Resolution". Fäbson ist überzeugt: Mit der richtigen Anpacker-Mentalität stellen sich die Triumphe praktisch automatisch ein ("Wenn man an sich glaubt und seine Ziele verfolgt, dann ist man nicht nur stolz, sondern feiert 'n riesen Erfolg"), für alle anderen gilt: "Von nichts kommt nichts."

Natürlich stellt der unbändige Wille eine Grundvoraussetzung für Erfolg dar. Zudem korrespondiert dieser mit der Energie des Redeflusses. Dennoch mutet diese Haltung in Zeiten des Geldadels, in denen jeder Versuch eines sozialen Aufstiegs dem Kampf gegen Windmühlen gleicht, ein wenig blauäugig an.

In "Der Duft Dieser Gegend" widmet sich Fäbson den Krisenregionen im Nahen Osten: "Ein regionaler Krieg aus religiösen Gründen. Soldaten, die Familien töten. Ein Volk auf der Flucht, weil sie sich das ganze Leben fürchten: Syrer, Iraner, Türken." Auch wenn der Düsseldorfer mit seiner philanthropischen Botschaft eine Menge Sympathiepunkte sammelt, vermitteln seine Lösungsvorschläge einen wenig analytischen Eindruck: "Ich mein', wieso kann man sich nicht einigen? Im Frieden kommen und die Sache dann bereinigen? Ist doch nicht schwer." Leider eben doch. Immerhin gibt es in jedem Konflikt auch Profiteure, die wenig Interesse an einer friedlichen Zusammenkunft hegen.

Einen Ausflug in persönlichere Gefilde unternimmt "Mama": "Mama ist bescheiden, kleiner Mensch, großes Herz. Auch wenn wir manchmal streiten, bleibt die Liebe unversehrt. Guck mal her, du hast mich zu 'nem Mann gemacht. Die stärkste Frau auf Erden hat ohne Ende Kraft getankt." Durch den konstant energiereichen Vortrag Fäbsons schraubt er die dem Thema innewohnende Sentimentalität herunter, womit "Mama" in der langen Liste der Songs für die Mutter die Waage zwischen Sidos übertrieben deepen "Mama ist stolz" und Romanos fast schon parodistischen "Mutti" hält.

"Alles muss raus" fällt abschließend mit Punk-Attitude und Metal-Grölen stilistisch aus dem Rahmen. An der Seite von MC Torwart betreibt Fäbson mentalen Frühjahrsputz ("Fress ich es in mich rein, frisst es mich auf"), um sich mit jeder Menge "Wut im Bauch" von all den belastenden Themen zu befreien. So schlagen die beiden Rapper von Neonazis und islamistischem Terror bis zur modernen Arbeitswelt und dem zunehmenden Überwachungsstaat eine inhaltlich weitläufige Brücke.

Abgesehen von "Alles Muss Raus" und einigen mit trappigen Beats versehenen Songs ("2K17", "Der Duft Dieser Gegend") ist "Resolution" stilistisch jedoch ganz dem Berliner Rap Anfang der 2000er verpflichtet. So teilt er auf "Rien Ne Va plus" die pessimistische Weltsicht eines MC Bogy ("Hier unten, wo Träume wie Sterne verglühen"), während "Im Block" zwar nicht den Pop-Appeal, jedoch das Sujet und die Substantivketten von Sidos "Mein Block" teilt. Auch das Faible für Synchronsprecher kam früher bereits bei Fler und Bass Sultan Hengzt zum Tragen.

Zudem erinnert Fäbsons Erbauungslyrik stark an Godsilla. In gewisser Hinsicht nimmt der Düsseldorfer mittlerweile dessen Position bei I Luv Money Records und als Tournee-Begleitung von King Orgasmus One ein. Darüber scheint sich auch Orgi bewusst zu sein, wenn er auf "Der Deutsche Pate" seine Stimme nicht zum Überschlag bringt, sondern in den kontrollierten, an der Seite von Silla etablierten Modus verfällt. "Schmutzige Euros 3" mit Fäbson dürfte somit wenig im Wege stehen.

Trackliste

  1. 1. Pesci Intro
  2. 2. Wenn Das Leben Beginnt
  3. 3. 2K17
  4. 4. Der Duft Dieser Gegend
  5. 5. Zeiten Ändern Sich
  6. 6. Resolut (mit Silla und Puls)
  7. 7. Aus Den Augen Aus Dem Sinn
  8. 8. Mama
  9. 9. Rien Ne Va Plus (mit MC Torwart)
  10. 10. Im Block
  11. 11. Skit
  12. 12. Der Deutsche Pate (mit King Orgasmus One)
  13. 13. Lauf
  14. 14. Falscher Fuffziger
  15. 15. Halte Nie An
  16. 16. Alles Muss Raus (mit MC Torwart)

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1 Kommentar

  • Vor 2 Jahren

    hat das eigentlich mal jemand gehört? bin durch das bogy interview auf den lümmel aufmerksam geworden...youtube singles sind so 0815...aber beats vom alten ilan!? für mich zusammen mit woroc der beste...geht da was?