laut.de-Kritik

Wahrnehmungsstörungen bei allen Beteiligten.

Review von

Glorifizierende zweieinhalb Seiten ist der Promo-Waschzettel lang, den das neue Example-Album begleitet. Fast schon huldigend und einem in Schrift gegossenem Kniefall gleich, schmieren die Zeilen dem Leser kiloweise Honig aufs Brot. Big, Bigger, Example! Die Spannung und die Erwartungshaltung ist natürlich groß, als der neue Silberling im heimischen Player verschwindet.

Pendelt die Stimme des ehemaligen Brit-MC mittlerweile wirklich zwischen Crooner- und Blues-Timbre? Hebt der Background die komplette Dance-Branche aus den Angeln? Und hat Example tatsächlich seine Lyric-Hausaufgaben gemacht? Ja! Ja! Ja! So lauten zumindest die kurzen aber unmissverständlichen Antworten des Infoschreiben-Autors.

Der Einstieg mit dem groovenden Beat-Hüpfer "Next Year" gelingt schon mal ganz ordentlich, auch wenn die vermeintliche "Tiefe" auf Dauer narkotisierend wirkt. Die aufflackernde Euphorie-Flamme wird allerdings mit dem anschließenden "Kids Again" wieder gelöscht. Da ist er wieder, dieser schauderhafte Mr. President-Vibe, der in Verbindung mit halbgaren Großraumdisco-Harmonien Erinnerungen an Examples Drittwerk-Reinfall "Playing In The Shadows" weckt.

Auch in der Folge tritt der Brite von einem Ibiza-Eurodance-Fettnäpfchen ins nächste und präsentiert sich auch inhaltlich nur wenig gereift. Besonders schlimm: Examples kläglicher Versuch, eine Symbiose zwischen Vergangenheit und Neuzeit herzustellen ("10 Million People"). Hier verschmelzen monoton vorgetragene Teleprompter-Rhymes und umherfliegende Synthie-Flächen zu einem Over-the-top-Party-Gemisch.

Wo sind eigentlich die im Pressetext geadelten Crooner- und Blues-Einwürfe? Ich begebe mich auf die Suche. Mehr als eine hin und wieder eingestreute etwas tiefergelegte Stimmfarbe ("Next Year", "At Night") kann ich allerdings nicht ausmachen. "Bluesiger" wird's zum Glück nicht mehr. Stattdessen geben sich auf Hochglanz polierte Beats, sphärische U-Boot-Sirenen und wabernde Synthies nur so die Klinke in die Hand.

"Alles hat jetzt einen "Gothic"-Flair", sagt Example. Ja was denn nun? Blues? Crooner? Gothic? Die Wahrnehmung aller Involvierten als getrübt zu bezeichnen, wäre untertrieben. Hier hat scheinbar jeder – vom Hauptverantwortlichen am Mikrofon bis hin zum Schreiber der Pressezeilen -überreife Tomaten auf den Ohren. Das hier Präsentierte bringt vielleicht die eine oder andere Jet-Set-Strandparty in Wallung, mehr aber auch nicht.

Trackliste

  1. 1. Next Year
  2. 2. Kids Again
  3. 3. One More Day
  4. 4. 10 Million People
  5. 5. Only Human
  6. 6. Seen You
  7. 7. Can't Face The World Alone
  8. 8. Live Life Living
  9. 9. All The Wrong Places
  10. 10. Take Me As I Am
  11. 11. At Night
  12. 12. Longest Goodbye
  13. 13. New Friends
  14. 14. Full Eclipse
  15. 15. One Last Breath
  16. 16. Innocent Minds

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4 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 6 Jahren

    "Da ist er wieder, dieser schauderhafte Mr. President-Vibe"

    Sehr gut :D ich fand den schon immer übel...und sowas kommt aus England, wo es im EDM-Sektor am innovativsten zugeht.

  • Vor 6 Jahren

    Oh man ist das ein Kindergarten hier. Schon mal was von Kritikfähigkeit gehört, oder ist es Euch peinlich, dass hier mal dezidiert der "Redakteur" auf seine offensichtlichen Schwächen aufmerksam gemacht wird, und zwar in der Art wie er hier schreibt.

    Löschen ist eben einfacher als sich mit harten Fakten auseinander zu setzen. Übrigens gibt es gerade ein Videointerview mit Example wo er das Album erneut als sehr 90ies geprägt darstellt.

    Los, setze dich mal mit den widerlegten Aussagen auseinander, lieber Kai oder drück den Lösch-Button, ist ja einfacher.

  • Vor 6 Jahren

    Wenn hier etwas gelöscht wird, dann kann man immer noch sehen, dass da zumindest mal ein Kommentar gestanden hat. Steht dann sowas wie "der Kommentar wurde gelöscht" in grauer Schrift.
    Wird wohl einfach was beim Kommentieren schief gelaufen sein.