laut.de-Kritik

Neue Indie-Hits vom Lemonheads-Arsch.

Review von

Wirklich sehnsüchtig hat man auf diese Platte ja nicht gewartet. Evan Dando, meist gehasster Indie-Rocker der Neunziger und ehemaliger Kopf der grandiosen Lemonheads, ist back auf der Bühne. Ein High-Society-Arschloch sondergleichen, aber auch ein begnadeter Songwriter, der musikalisch nie richtig daneben lag und mindestens die Hälfte jeder Platte mit Top-Hits füllen konnte.

Das klappte, weil er immer das Gleiche gemacht hat (wenn man mal kurz die anfängliche Hardcore-Zeit um "Hate Your Friends" unberücksichtigt lässt). Schön zu hören, dass er nun zurückkommt und genau das bringt, was man sich wünscht: das ewig Gleiche.

Nachdem Dando sich in seinen Hochzeiten hauptsächlich mit dem Aufreißen hübscher Schauspielerinnen beschäftigte und im tiefen Fall wohl irgendwelche Drogen-Utensilien öfter als seine Gitarre zur Hand hatte, macht er auf seiner ersten Platte seit sieben Jahren nichts Aufregendens, nichts Experimentelles, nichts Neues, also kurzum alles richtig. Er macht einfach das, was er am besten kann: seine Gitarre umhängen und loslegen.

Und er hat es immer noch. Dieses Gespür für den kleinen, einfachen Indie-Song, der schon so viel Pop-Appeal in seinen Ohrwurm-Melodien hat, dass man sich jedes Mal wundert, wie er doch noch die Kurve kriegt. Seine gottgegebene Stimme setzt er so ein, wie man sich das erhofft: weich, warm und herzlich. Sie ist und bleibt dieses gemütliche Nest, in das man sich seit Jahrzehnten gerne reinsetzt, und das klingt, wie in besten "My Drug Buddy"-Zeiten. Selbst durch das jahrelange Drogen-Abwracken hat sie nicht einen Ton eingebüßt.

Auch ohne Band, die es in Wirklichkeit ja auch nie richtig gab, sind die Akkorde die gleichen geblieben: simpel und für das Lagerfeuer bestens geeignet. Gelegentlich klinkt Dando sogar die Stecker in den Verstärker und rockt mit Begleitband, wie im grandiosen Opener "Repeat", so schüchtern relaxt, als wären wir noch mitten in den Neunzigern. Und wenn er in "It Looks Like You" zu Anfang mal wieder kurz in tief-amerikanischen Düdel-Dei-Do-Country abfällt, kann er dann doch nicht vom Gain-Schalter ablassen, um den Song zu retten. Dafür dankt man kräftig.

Dafür und dass er sich treu geblieben ist. "Don't listen to me or to anybody else – listen to yourself" singt er im toll orgeligen "Stop My Head". So lange der alte Fuchs die Sache mit der Catchyness immer noch so raus hat wie im Stakkato-Klavier-Beginn von "Waking Up" oder in all diesen wunderbaren Refrains, halte ich mich jedenfalls nicht daran.

Das wehende Haar lässt einen nicht im Stich. Diese Platte ist heute schon bestimmt acht Mal durch meinen Player gelaufen und kann mich immer noch packen. Sie steht unter keinem Erwartungsdruck und ist vielleicht deshalb mit ihrer Einfachheit so schön geraten. Etwas bezeichnend ist es aber doch, dass die zwei besten Stücke "Hard Drive" und "All My Life" aus der Feder von seinem Super-Pal Ben Lee stammen. Die nächste Generation sitzt ihm schon dicht auf den Fersen ...

Trackliste

  1. 1. Repeat
  2. 2. My Idea
  3. 3. Rancho Santa Fe
  4. 4. Waking Up
  5. 5. Hard Drive
  6. 6. Shots Is Fired
  7. 7. It Looks Like You
  8. 8. The Same Thing You Thought Hard About Is The Same Part I Can Live Without
  9. 9. Why Do You Do This To Yourself?
  10. 10. All My Life
  11. 11. Stop My Head
  12. 12. In The Grass All Wine Colored

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