laut.de-Kritik

Alte Klasse rostet nicht.

Review von

Es ist fast wie ein Showdown zwischen Godzilla und seinem ewigen Erzfeind, King Gidrah: Zwei Dinosaurier betreten die große Bühne und beginnen mit dem Kampf. In diesem Falle handelt es sich um den altehrwürdigen Madison Square Garden, und die aufeinandertreffenden Fossile sind Eric Clapton und Steve Winwood. Doch ist dies hier eine Zusammenkunft der freundlicheren Art.

Bereits das Alben-Cover deutet an, was den Hörer erwartet: Der Psychedelic-Style der Sechziger bedeutet die Eintrittskarte ins Gestern. Vorhang auf, es erklingt "Had To Cry Today", und das Duo Winwood/Clapton eröffnet seine Leistungsschau aus mehreren Jahrzehnten Rock-Geschichte.

Runde acht Minuten dauert die Eröffnung, auf diesem Album gibt es ohnehin keine Chance für kurzen, knackigen Rock'n'Roll. Doch wer ausgefeilte Bluesrock-Arrangements und jede Menge Gitarren-Solos liebt, kommt bei den Altmeistern natürlich voll auf seine Kosten.

Bei der Song-Auswahl bedienen sich die zwei aus ihrem reichhaltigen Repertoire, und an Klassikern fehlt es natürlich nicht. Erstaunlicherweise fehlt aber Claptons Mega-Nummer "I Shot The Sheriff", was schon ein wenig verwundert.

Dafür erklingt mit "After Midnight" ein anderer ewiger und heißgeliebter Evergreen. Und auch in der vorliegenden Version zeigt der Song, was echte Zeitlosigkeit tatsächlich bedeutet.

Clapton und Winwood im Zusammenspiel, das ist schon ein Zusammentreffen der besonderen Art. Der gegenseitige, respektvolle Austausch untereinander und die Harmonie zwischen beiden ist jederzeit spürbar.

Aufnahmetechnisch überzeugt das Album leider nicht ganz: In gewisser Weise ist der Sound in einer Art Retro-Chic der siebziger Jahre gehalten. Aber es gibt ja auch Fans, die gern Schellack-Scheiben auf dem Grammophon abspielen.

Jimi Hendrix selig hätte seine Freude gehabt an der Version seines Songs "Voodoo Chile". Nicht nur, dass er in einer packenden, vielschichtigen Umsetzung vorliegt, auch mit der Gesamtlänge von 16 Minuten und 23 Sekunden grüßt die alte Progrock-Zeit der ellenlangen Guitar-Solos und -Duelle.

Mit "Little Wing" ist eine weitere Hendrix-Hommage ins Konzert eingebettet. Bläser und Hammond-Orgel sind an diesem Abend natürlich ebenfalls im Einsatz und würzen die schmackhaften Sound-Süppchen vorzüglich. Als Abschluss begeistert dann "Cocaine" in einer knapp siebenminütigen Fassung, neben den meisterhaften Gitarren-Licks auch mit prächtigen Piano-Parts ausgestattet.

Natürlich sind Clapton und Winwood keine wagemutigen Innovatoren, sondern Bestandspfleger einer alten Kultur. Dies aber mit viel Verve, Können, Einsatz - und Spaß am Spiel. Sie fordern sich gegenseitig, bereiten dem Anderen das Terrain, ergänzen sich, und wenn mal die Pfade auseinander driften, winkt am Ende des Weges trotzdem immer wieder der geschätzte Partner.

Eric Clapton und Winwood live im Madison Square Garden: Zwei, die unbedingt zusammenpassen und nicht Ausschau halten nach angesagten Trends. Wozu auch? Alte Klasse rostet nicht.

Trackliste

CD 1

  1. 1. Had To Cry Today
  2. 2. Low Down
  3. 3. Them Changes
  4. 4. Forever Man
  5. 5. Sleeping In The Ground
  6. 6. Presence Of The Lord
  7. 7. Glad
  8. 8. Well All Right
  9. 9. Double Trouble
  10. 10. Pearly Queen
  11. 11. Tell The Truth
  12. 12. No Face, No Name, No Number

CD 2

  1. 1. After Midnight
  2. 2. Split Decision
  3. 3. Rambling On My Mind
  4. 4. Georgia On My Mind
  5. 5. Little Wing
  6. 6. Voodoo Chile
  7. 7. Can't Find My Way Home
  8. 8. Dear Mr. Fantasy
  9. 9. Cocaine

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30 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    Öh, geht's noch? King Gidrah? Was soll das denn bitte sein? Entweder King Ghidorah oder - wie im Originaltitel - Kingu Gidora. Aber bitte nicht so ein respektloses Namensgefummel. :(

  • Vor 12 Jahren

    Da hast du ja gleich das zentrale Manko dieser Review erfasst! :absinth:

    Was für eine schöne Review! Sehr anschaulich und klar geschrieben. Wer die Stücke kennt, erfährt hier natürlich mehr, aber ich glaube, auch für die anderen kommt genug rüber. Schönes Cover (da wünscht man sich die Vinyl-Version oder mindestens ein Papeersleeve - wieso machen das nur die Japaner?), allein dafür möchte ich das Album haben ... Schöne Stückauswahl. Ich fand Claptons Output in den letzten ... ähem ... 30 Jahren nicht mehr so prickelnd (bei Winwood weiß ich, dass er 's noch drauf hat), aber die hier reizt mich. Enorm.

  • Vor 12 Jahren

    Es sind mittlerweile fast 40 Jahre her, das von Salonblues-Erich nicht mehr viel kam.