laut.de-Kritik

Singer/Songwriter-Gothic als neue Stilrichtung.

Review von

Jetzt folge ich dem Weg von End Of Green doch schon seit geraumer Zeit als Redakteur und Fan und muss gestehen: Ich weiß immer noch nicht, warum Michelle Michelle heißt und nicht Chantalle oder Roberta. Aber ist ja auch irgendwie egal, immerhin macht Meister Huber seit schlappen 25 Jahren mit der Truppe und düsteren Klängen auf sich aufmerksam.

Und da war in all der Zeit kein schlechtes Album dabei, ganz im Gegenteil. "Void Estate" führt diese Reihe nahtlos fort – bringt aber auch ein paar Veränderungen ins Soundgefüge der Stuttgarter. Was mich zu der Frage bringt: Gibt es im Gothic-Bereich so etwas wie eine Singer/Songwriter-Ecke? Falls nein, können sich End Of Green die Entdeckung auf die Fahnen schreiben.

Das für einen Opener überraschend ruhige "Send In The Clowns" würde jedenfalls bestens auch nur mit einer einzelnen akustischen Gitarre und Michelles großartigem Gesang funktionieren. Bin mal gespannt, ob da noch jemand die akustische Verbindung zu den Crash Test Dummies zieht, oder ob es nur mir so geht.

Wer jetzt denkt: Aha, jetzt hat der Edele also echt ein Ei am wandern, mag natürlich recht haben. Die Calvin Russel-Coverversion von "Crossroads" dürfte allerdings ihre eigene Sprache sprechen. Wenn das nicht nach Dire Straits und der ein oder anderen Achtzigerahre Wave-Band klingt, weiß ich auch nicht. Und womöglich ist mir das bislang einfach noch nicht so sehr aufgefallen, aber Michelle ist auf dem Album auch einfach ein toller Storyteller – nicht nur bei Fremdtexten.

Zwar klingen End Of Green immer noch ohne Zweifel nach End Of Green (bzw. Type O Negative) aber auch "The Unseen" oder "Dressed In Black Again" setzt die Singer/Songwriter-Anleihen in herrlich melancholischer Art und Weise fort. Und diese Melancholie schwebt aufs Wunderbarste über dem gesamten Album und tritt bei den Balladen "The Door", "Worn And Torn" und dem wunderbaren "Mellodrome", das in einer ausufernden Jamsession endet.

Michelle kann man auf "Void Estate" eigentlich gar nicht genug loben. Seine ureigene Stimmfarbe ist ja schon unverwechselbar und. Den Peter Steele hat er – wie in "Darkside Of The Sun" – ebenfalls immer noch drauf. Wenn in "Head Down" aber kein Gastsänger am Werk ist, zeigt er hier noch eine ganz neue Stimmfarbe, die zumindest mich ein wenig an Kristofer Dommin erinnert.

Das ein End Of Green Album sehr ruhig ausklingt, ist ja nichts Neues. So passen "City Of Broken Thougts" und "Like A Stranger" auch perfekt zu diesem verregneten August-Anfang. Ich will jetzt trotzdem mal wieder Sonne ...

Wer schnell zuschlägt holt sich die Doppel-CD-Version, der neben dem Bonustrack "Leave This Town" noch eine weitere Scheibe mit insgesamt 17 Songs beiliegt.

Trackliste

CD I

  1. 1. Send In The Clowns
  2. 2. Dark Side Of The Sun
  3. 3. The Door
  4. 4. Head Down
  5. 5. Crossroads
  6. 6. The Unseen
  7. 7. Dressed In Black Again
  8. 8. Mollodrome
  9. 9. Worn And Torn
  10. 10. City Of Broken Thoughts
  11. 11. Like A Stranger
  12. 12. Leave This Town (Bonus)

CD II

  1. 1. Demons
  2. 2. Hurter
  3. 3. Under The Sway
  4. 4. Let Sleeping Dogs Lie
  5. 5. Slaves
  6. 6. Goodnight Insomnia
  7. 7. Final Resistance
  8. 8. Pain Hates Me
  9. 9. Crossroads
  10. 10. Dying In Moments
  11. 11. Ghostdance
  12. 12. Weakness
  13. 13. Head Down
  14. 14. Death In Veins
  15. 15. Tragedy Insane
  16. 16. Sunday Mourning
  17. 17. Nice Day To Die

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3 Kommentare mit 6 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    "Singer-songwriter Gothic"?? :koks: waren die nicht mal irgendwann gothischer grungerock?

    "Singer-songwriter Gothic" ist aber schon vergeben. Als Teil des musikalischen southern Gothic bzw als Unterordnung von Americana
    ;)

    End of Green waren eig immer recht geil. Ich glaube Michele darkness ist einer der wenigen, der pet semetary würdig Covern kann. Aber ist das gleiche Problem wie bei shining. Wenn man ü20 Jahre "ich-will-mich-umbringen" Musik macht... sollte man das dann auch irgendwann machen... oder unglaubwürdig werden :/

  • Vor 3 Jahren

    Ein schönes Beispiel für das von torque genannte Subgenre des Southern Gothic ist das vor wenigen Jahren für den Introsong der ersten True Detective-Staffel bekannt gewordene Musikerpärchen mit dem m.E. gern auch ironisch zu (miss)verstehenden Namen "The Handsome Family".

    https://www.youtube.com/watch?v=Pl6MCWMU8aE

    • Vor 3 Jahren

      ja man! geiler scheiss :phones:! Ich habe in letzter Zeit viel "Lonesome Wyatt" gehört. Das ist creepy und upgefuckte scheisse :dsweat:

      Hast du zufällig "Killer Joe" von 2013 gesehen? Ich hab den mit anderen Erwartungen geschaut... war aber Southern Gothic pur. Hätte so auch von Flannery O'connor geschrieben sein können. Kann ich nur empfehlen.
      Also wirklich eine Komödie, die so weh tut, dass sie hier in der bunten republik indiziert wurde.

    • Vor 3 Jahren

      Das hat schon als Gesamtpaket nen angemessen makaberen Humor, da die ja nur als musikalisch als schönes Beispiel taugen - optisch machen sie ja eher auf verschrobene Rednecks und schnell in einem Südstaatendialekt ausgesprochen kann man ihren Namen auch gut mal als "The Manson Family" aufschnappen... :lol:

      "Killer Joe" hab ich aber noch nicht gesehen, werde ich aber im Hinterkopf behalten. Danke für den Tipp!

    • Vor 3 Jahren

      ja, die sind wirklich geil!

      Killer Joe ist super! Allerdings habe ich, nachdem ich den promotext aus dem fantasy filmfest magazin gelesen habe, mehr mit einem "No brainer" und viel blutig-lustiger Action gerechnet.
      Da bin ich recht überrascht worden. das wars gar nicht.
      Das ganze basiert auf einem (southern gothic) theaterstück und das merkt man auch. Nichts desto trotz hat er mir so viel besser gefallen.
      Aber der ist wirklich sehr fies und sehr geil. Flannery wäre stolz!

  • Vor 3 Jahren

    Mal aus Neugier reingehört und.... Alter, singer/songwriter für n arsch, kommt schon....

    "schließe deine Augen und bewahre das Geheimnis, hör eine Weile auf zu atmen, bleibe weg vom brennenden Feld, diese Wunden werden nicht heilen"....

    Nach dem Maßstab is schweighöfer der deutsche Nick Cave und fucking kollegah der deutsche Sadistik oder was geht mir ab dass da leute steil gehn?

    • Vor 3 Jahren

      naja, end of green hatten stets das stigma, eine type o negative kopie/rip off zu sein.
      Und wenn man deren texte, zumindest aus der kommerziellen phase, ins deutsche übersetzt, ist das ergebnis ähnlich schauderhaft. aber auf englisch klingt es ganz gut.

      Aber das ist eigentlich noch gut. verglichen mit lacrimosa (deren neue hoffentlich hier die split review kriegt) L´Âme imortelle und konsorten. Blutengel. Umbra et Imago :koks: :koks: :koks:

      Ich denke, singer/songwriter sagt erst mal nichts über die lyrische qualität der gewrittenen songs aus.

    • Vor 3 Jahren

      Da haste wohl recht @ "lyrische Qualität", aber dann wäre doch egtl am Ende jeder track der n Text hat irgendwie "singer/songwriter".... Und - gut möglich dass ich da auch falsch lege - ich erwarte bei tracks/Bands die unter "singer/songwriter" gelistet werden irgendwie mehr als.... Naja, als das, weil des könnt textlich halt auch ohne Probleme auf n Andrea Berg Album auftauchen (schätzungsweise, ich glaub ich kenn kein einziges fucking Lied von der aber du weißt schon was ich meine)

      Ich mein auch net dass jeder track n lyrisches Meisterwerk sein muss, bei weitem nicht, meine playlist beweist des Gegenteil, aber des gesülze geht mir dann doch hart ab....

      Aber is wie immer halt auch ob man Zugang zu dem stuff hat oder net.... Ich feier zb "architects" oder suicide silence (des zeug bis 2012, die hätten sich einfach auflösen sollen nachdem lucker sich vom erdboden gecrasht hat) , die sind lyrisch jetzt auch teils seht "mimimi" mäßig, aber da juckt mich des n scheiß,kp....

    • Vor 3 Jahren

      ich bin mir da nicht sicher... weil es da X überschneidungen mit anderen genres gibt.
      Aber ich glaube, -ohne mir sicher zu sein und daher vorbehalt!, singer/songwriter ist idR ein "fester" Typ, der die ganzen lieder schreibt und musik aufnimmt. Höchstens mit stark wechselnden "Gastmusikern". Elliot Smith, Nick Drake, Sparklehorse etc. Wirklich ein fixpunkt und sonst hohe fluktuation.
      Ein anderes Kriterium kann sein, dass da ein Typ oder eine Alte steht. Er/Sie hat dann (ausschließlich) eine (Akkustik)Gitarre und gibt "Lieber" zum besten. Der Schwerpunkt liegt da stark überwiegend auf der Gitarre.
      Über die Qualität der Texte sagt das nichts aus. Strenggenommen ließen sich unter dieses label gleichzeitig Bob Dylan, Reinhard Mey, Frank Rennicke oder der "Reichstrunkenbold" (:koks: ) subsumieren