laut.de-Kritik

Die Deathcorler überschreiten die Grenzen des guten Geschmacks.

Review von

Vergangenen Jahres hätte ein Stromschlag Frontmann Frankie Palmeri bei einer Show in Moskau beinahe umgebracht. Der Vorfall stimmte den Shouter jedoch keineswegs nachdenklich. Im Vorfeld von "Eternal Enemies" kündigte der ehemalige Bandkollege und Gründungsmitglied Ben Lionetti eine Klage an, da Palmeri mit dem Titel "Bring A Gun To School" die Grenzen des guten Geschmacks überschritten habe.

So lässig und cool sich der Sänger auf der Bühne mit Windbreaker und Baseballcap präsentiert, so nachlässig geht er hin und wieder mit seinen Texten um. Der Name des kontroversen Openers wurde mittlerweile zwar durch "(Untitled)" ersetzt, liefert aber nach wie vor die Anleitung für einen Amoklauf, ohne dabei ironische oder kritische Töne anzustimmen.

Damit nehmen Emmure beim nächsten Schulmassaker womöglich neben Slipknot und Marilyn Manson den Platz des Schuldigen in den Schlagzeilen ein. Mit dem Unterschied, dass die US-Band mit Zeilen wie "All Your Friends Are Fucking Dead. Yeah They Got What They Deserved" oder "I'm Having Too Much Fun. Killing Everyone" tatsächlich ihre künstlerische Freiheit missbraucht.

In einer Zeit, in der Bands ohnehin kaum noch CDs verkaufen, ist Palmeri wohl jedes Mittel Recht, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Wer weiß, vielleicht klopft demnächst die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien beim ihm an.

Nachdem die Deathcorler den Einstieg in ihr sechtes Album ordentlich versemmeln, nimmt "Nemesis" Fahrt auf und Emmure präsentieren sich mit einigen Breaks und simplen Gitarrenriffs gewohnt rhythmus-lastig. Zu den technisch avancierten Deathcore-Königen wie Suicide Silence oder Whitechapel werden Emmure wohl nie gehören. Dafür merkt man den Jungs aus Queens ihre Umtriebigkeit im Studio und auf der Bühne an, der Bass geht nicht wie ei anderen Genre-Kollegen im Mix unter, und quietschende Gitarren machen jeden Song lautstark. Frankie wechselt vermehrt zwischen Spoken Word-Lyrics und Shouts und bringt in "A Gift A Curse" beide Elemente zum Einsatz. Während des Großteils der Songs klefft und bellt das dämonische Genie wie eine Bulldogge, die lange keinen Auslauf mehr hatte.

Bei "E" bleibt sicherlich kein Fuß still, wenn Gitarren und Bass den Rhythmus zum Schlagzeug spielen. Das ist Deathcore, der bounct und groovt. Doch so ganz vom Nu Metal können sich Emmure nicht trennen und bauen deshalb an wenigen Stellen DJ-Scratches ein.

Für Melodien bietet sich nach wie vor nur wenig Raum. Stattdessen setzen Emmure ein weiteres Mal stur auf ihre groovende Maschinerie, ohne auf Albumlänge oder in der Diskografie für nötige Abwechslung zu sorgen. Mit der herkömmlichen Rezeptur prügelt sich die US-Band durch fünfzehn Titel, und wer Emmure bereits auf der Bühne erlebt hat, sehnt sich nach einer ihrer Live-Shows. Denn mit Emmure verhält es sich wie mit Ektomorf. Auf Platte trostlos und ziemlich schnell langweilig, aber auf dem Tanzbrett nach wie vor ein Garant für Konzerte zum Durchdrehen.

Trackliste

  1. 1. (Untitled)
  2. 2. Nemesis
  3. 3. N.I.A. (News In Arizona)
  4. 4. The Hang Up
  5. 5. A Gift A Curse
  6. 6. E
  7. 7. Like LaMotta
  8. 8. Free Publicity
  9. 9. Most Hated
  10. 10. Grave Markings
  11. 11. Hitomi's Shinobi
  12. 12. Rat King
  13. 13. Girls Don't Like Boys, Girls Like 40's And Blunts
  14. 14. New Age Rambler
  15. 15. We Were Just Kids

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