laut.de-Kritik

Da will jemand Kirk Hammett seine große Liebe ausspannen.

Review von

Militärhosen an, Haargummi raus, die Faust geballt – Zoltán Farkas würde euch gern mit seiner "AK 47" den Kopf wegballern. Dabei bedient er sich natürlich aus demselben Satz Patronen, aus dem er schon seit Jahren seine Munition zieht. Die Fans, die ihm bisher die Treue gehalten haben, werden es somit auch weiterhin tun.

Denn nach wie vor stehen Ektomorf für kompromisslosen Groove-Metal der thrashigen Sorte. Daran ändert die rundum erneute Bandbesetzung rein gar nichts (Ende 2017 tauschte Farkas nämlich seine komplette Musikerriege aus). Böse Zungen behaupten ja, Ektomorf seien noch nie mehr als ein Soulfly-Abklatsch gewesen, woran "Fury" sicherlich nichts ändern wird.

Unterschiede in den Songstrukturen sind kaum erkennbar, einzig die Vocals fallen mal mehr ("AK 47"), mal weniger ("Infernal Warfare") catchy aus, oder auch mal bemüht wütend ("Fury"). Wie beim Riffing setzt Farkas dabei auf möglichst stumpfe Patterns und versucht die mangelnde Hookline-Qualität mit Quantität wettzumachen. Eine "Bullet In Your Head" pro Refrain reicht daher nicht, fünf müssen es sein, die letzte mit der schönen Gravur "fucking" versehen. Wer das überlebt, den jagen Ektomorf mit dem most basic 4/4-Breakdown-Riff überhaupt ins freiwillig geschaufelte Grab. Ein weiteres Basic-Breakdown-Riff servieren sie später in "If You're Willing To Die". Wie passend.

Abwechslung von Drop-Tuning-Riffs und monotonem Gekeife bieten eigentlich nur die sporadisch eingestreuten Soli. Und die bestreitet Farkas ebenfalls nach dem immergleichen Muster. Es scheint, als wolle er Kirk Hammett seine große Liebe – das Wah-Wah-Pedal – ausspannen. In "Tears Of Christ" gibts noch 'nen flotten Dreier mit Vibrato-Hebel. Hurra!

Die Metallica-Vergleiche behalten wir am besten gleich für den nächsten Punkt bei. Als wäre das alles noch nicht genug, glänzt "Fury" nämlich mit unterirdischem Drumsound. "St. Anger" lässt grüßen. Immerhin verzichtete Lars Ulrich aber darauf, seine Trommeln durch einen Phaser zu jagen. Dániel Szabó in "Faith & Strength" nicht ...

Am Ende ist aber nicht alles Gurke. Mit "Blood For Blood" schielt Farkas gen Machine Head und erschafft einen ziemlich formidablen Klon pissiger Robb-Flynn-Shouts. Vielleicht liegt es am Kontext, aber zumindest mit dem Großteil von "Catharsis" hält der Track mit.

Mit Müh und Not schrammen Ektomorf also am Totalausfall vorbei. Das liegt auch daran, dass das Zeug zwar ideenlos, aber nicht unhörbar ist. Zwar erwischt man sich gelegentlich beim Bauchnabelpulen, die Fußnägel rollen sich aber nicht zurück. Wer sich einfach nur die Rübe durchpusten lassen möchte, ist mit "Fury" gut bedient.

Trackliste

  1. 1. The Prophet Of Doom
  2. 2. AK 47
  3. 3. Fury
  4. 4. Bullet In Your Head
  5. 5. Faith And Strength
  6. 6. Infernal Warfare
  7. 7. Tears Of Christ
  8. 8. Blood For Blood
  9. 9. If You're Willing To Die
  10. 10. Skin Them Alive

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