laut.de-Kritik

Autobiographisches in türkisch-deutscher Reimform.

Review von

Ausverkauf, Verrat, Bravorapper - man kann Eko Fresh vieles vorwerfen. Mangelnde Produktivität zählt allerdings nicht dazu. Innerhalb nur eines Jahres wirft er nach seinem Solodebüt und dem "L.O.V.E."-Album nun seine dritte Veröffentlichung auf den Markt: Das weltweit erste deutsch-türkische Rapalbum, gemeinsam mit Homie Azra aus Berlin. Das erinnert dann doch stark an den ehemaligen Mentor Kool Savas.

Angesichts dieser Vorwürfe ist es sehr erstaunlich, dass Eko sich für dieses Projekt noch einmal zurück in den Schoß von Royalbunker zurück begab, dem deutschen Vorreiter in Sachen türkischer Rap. Denn den großen Reibach wird er mit "Dünya Dönüyor - Die Welt Dreht Sich" nicht machen. Das Konzept des Albums wirkt eher wie eine Besinnung auf die eigenen Wurzeln. Die Geschichte eines typischen Türken in Deutschland, blitzsauber auf krachende orientalische Beats gerappt.

Zur Teilnahme eingeladen ist jeder, auch wenn er kein türkisch versteht - sämtliche Texte sind im Booklet abgedruckt. Erstaunlich auch, dass man Eko die autobiographischen Texte trotz all seiner Ausrutscher sofort abnimmt. "Es ist die Story meines Lebens| und man gibt mir das Gefühl als müsst' ich sagen: Sorry dass ich lebe| Die Story meines Leidens| doch zum Sterben ist es noch zu früh, und ich sage: "Sorry dass ich bleibe."

Für die abgefahrenen Beats sorgen verschiedene DJs, von denen besonders Don Tone herausragt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bunkerveröffentlichungen steht nicht der Bass im Vordergrund. Die unglaublich vielseitigen Instrumentals sorgen für die passende orientalische Atmosphäre. Auch die zahlreichen Featuringpartner machen eine durchaus gute Figur: Außer dem Griechen Jack Orsen dürfen unter anderem die Türken Summer Cem, Manuell, G-Style und das neueste Bunkersigning Chablife ans Mic.

Natürlich verzichtet Eko auch auf "Dünya Dönüyor" nicht darauf, sein R'n'B-Talent unter Beweis zu stellen. Doch peinlich wird er dabei nicht: Die Tracks "Bruder" und "Meine Family" sind trotzdem absolute Höhepunkte eines durchaus überzeugenden Albums. Viele der Songs wirken depressiv bis melancholisch, etwa das anklagende "Daddy War Nicht Daheim": "Wer war nicht da, als ich sitzen blieb?|Es war mein Daddy. Ich weiß nicht, hat er mich geliebt?| Ich denke schon, doch er konnte es nicht zeigen| konnte nicht bleiben, ich musste einen Song drüber schreiben| Es ist doch eine Leichtigkeit, Kinder zu machen| aber nicht, dafür zu sorgen dass sie innerlich lachen."

Doch auch der Humor kommt nicht zu kurz, wenn beispielsweise Blumio in "Millionär" rappt: "Gekleidet in Armani und Pelle Pelle | mein Pelz ist aus den Haaren von Paddy Kelly| die Welt ist doch ein Harem aus Halle Berrys". Jedem, der Ekos Style hasst, sei gesagt, dass der junge Mönchengladbacher nicht nur weinerlich, sondern auch äußerst aggressiv flowen kann. Lediglich die ständigen Doppelreime fallen negativ ins Gewicht und hinterlassen auf Dauer einen faden Beigeschmack. Dennoch überzeugt Eko einmal mehr alle Hater von seinem Talent und wartet mit der vielleicht besten Veröffentlichung seiner bisherigen Karriere auf.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Hayat Bazen...
  3. 3. Asphalt
  4. 4. Die Story Meines Lebens
  5. 5. Bruder
  6. 6. Gangster
  7. 7. Meine Family
  8. 8. Türkischer Junge
  9. 9. Mies Drauf
  10. 10. Leg Dich Hin
  11. 11. Millionär
  12. 12. Daddy Wr Nicht Daheim
  13. 13. Ask Skit
  14. 14. Ask?
  15. 15. Eigentlich Schön
  16. 16. Brandlöcher Im Jersey
  17. 17. Outro

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