laut.de-Kritik

Haken schlagend an die Spitze.

Review von

"Hallo erstmal, ich bin E-K-O." Gleichermaßen sympathisch grüßend wie Aufmerksamkeit einfordernd markierte "König Von Deutschland" die Initialzündung von Eko Freshs Karriere. 15 Jahre später blickt er mit "Legende" auf eine abwechslungsreiche Laufbahn zurück, in der er durchaus den einen oder anderen Haken schlug. Dabei scheint sich der Kölner stets darüber im Klaren zu sein, an welchem Punkt des Deutschrap-Koordinatensystems er sich gerade befindet: "Manchmal war ich ihr voraus, manchmal folgte ich der Zeit."

Nach seinen Anfängen im Fahrwasser des seiner Kunst gegenüber stets recht streng auftretenden Kool Savas', startete Eko Fresh seine Solokarriere mit Leichtigkeit und Witz. Mit seiner unbeschwert augenzwinkernden Attitude offenbarte er seine wahre Identität als Kind der 90er Jahre. Wenig verwunderlich entwickelte er sich nach anfänglichen "Hanswurst"-Schmähungen des Gastgebers rasch zum Dauergast im Kosmos Stefan Raabs, der das fröhliche Jahrzehnt immerhin noch bis 2015 in seinem Studio in Köln-Mülheim konservierte.

Zwar überflügelte Eko Fresh technisch bereits früh die meiste Granden des Genres, doch der verspielte Ansatz von "Ich Bin Jung Und Brauche Das Geld" stand dem Zeitgeist rund um das am Horizont aufziehende Sägeblatt von Aggro Berlin diametral entgegen. Die folgenden Songwriter-Tätigkeiten für Yvonne Catterfeld sowie eine Soul-Platte mit Valezka zementierten Fresh' Status als kontroverseste Figur im Deutschrap-Geschehen. Sein Frust über die fortlaufenden Anfeindungen kulminierte in "Die Abrechnung", die als Opener der zweiten Hälfte von "Legende" dient.

Dass sich Eko Fresh seiner widersprüchlichen Vita vollkommen bewusst ist, zeigt sich etwa in der Auswahl und Anordnung der Songs. Auf seine Generalabrechnung mit der hiesigen Szene lässt er die Sido-Kollaboration "Gheddo Reloaded" und vier gemeinsam mit Bushido entstandene Beiträge folgen. Seine in Form der Samplerbeiträge "Nemesis" und "Vendetta" vertretende ersguterjunge-Zeit wirkt rückblickend wie der verspätete Versuch, auf einen für ihn denkbar unpassenden Zug aufzuspringen.

Als um 2007 nicht nur die Gangster-Rap-Kurve nach unten wies, sondern sich eine kommerzielle Flaute über das gesamte Deutschrap-Genre legte, fokussierte sich Eko Fresh neben der Verwaltung seines bisherigen Schaffens auf persönliche Liebhaberprojekte wie die G-Funk-Nummer "Still Menace" aus "Ekrem". Auch die cheesige Nino-de-Angelo-Kollabo "Jenseits Von Eden", mit dem Eko Fresh womöglich etwas zu weit über den Tellerrand geschaut hat, fällt in diese Zeit.

Spannender fallen die ernsthaften Beiträge aus. Zwar fand sich etwa "Dünya Dönüyor" bereits auf dem Debütalbum wieder, doch die meisten kritischen Songs bilden Reifungsprozesse ab oder dokumentieren gesellschaftliche Entwicklungen.

Als 2004 vor Eko Freshs Stammfriseur in der Kölner Keupstraße in Sichtweite des Raabschen Fernsehimperiums ein Nagelbomben-Attentat verübt wurde, gaben sich die Behörden sicher, dass dieses mit Streitigkeiten unter den türkischen Geschäftsleuten zusammenhängt. Erst viele Jahre später konnte der Anschlag dem NSU zugeordnet werden. An der Seite von Brings lässt Eko auf "Es Brennt" die Geschehnisse Revue passieren. Überzeugend gibt er den Einbruch der Realität wieder: "Ich dachte, sowas passiert nicht bei uns, nicht mein Köln."

Vor allem auch im Umgang mit seinen türkischen Wurzeln musste er über die Jahre einige Neujustierungen vornehmen. Während er wenige Monate vor dem unter gefeierter Mitwirkung Mesut Özils erkämpften WM-Titel mit dem unterhaltsamen "Quotentürke" auf die Sichtbarkeit türkischstämmiger Personen in der deutschen Öffentlichkeit verwies, spiegelt nun "Aber" unter deutlich ernsthafteren Vorzeichen die für überwunden geglaubten gesellschaftlichen Spannungen wider: "Ihr habt auf einmal Streit? Die Masse ist entzweit? Ich dachte, dieser Fight ist seit den 80ern vorbei."

Wenn "Legende" wirklich das Beste aus Eko Freshs Werk wiedergäbe, reichte wohl die Meisterprüfung "1000 Bars" aus. Vielmehr greift er das Repräsentative auf, womit die Kompilation in erster Linie den Werdegang eines der talentiertesten Rapper diesseits des Atlantiks nachzeichnet. So stehen kontroverse Songs neben leicht verdaulichem Material, Oldschool neben Schlager, Trap neben Gangsterrap, Humor neben Ernsthaftigkeit. "Legende" löst somit ein, was auf "König Von Deutschland" noch eher eine Behauptung darstellte: "Ich hab' es geschafft. Mama guck, ich hab' es geschafft. Das hier habe ich die letzten Jahre gemacht!"

Trackliste

CD 1

  1. 1. König Von Deutschland (mit Valezka)
  2. 2. Optik Anthem (mit Kool Savas)
  3. 3. Ich Bin Jung Und Brauche Das Geld (mit G-Style)
  4. 4. L.O.V.E. (mit Valezka)
  5. 5. Unkraut Vergeht Nicht
  6. 6. Ek Is Back (mit G-Style)
  7. 7. Make Y'all Bounce (AntiGaranti Remix) (mit Raptile, Xzibit und Summer Cem)
  8. 8. Eigentlich Schön (mit Azra und Chablife)
  9. 9. Ich Will Dich (mit Valezka und Joe Budden)
  10. 10. Gib Mir Dein Geld
  11. 11. Der König Persönlich (mit Saad)
  12. 12. Es Brennt (mit Brings)
  13. 13. Jenseits Von Eden (mit Nino de Angelo)
  14. 14. Quotentürke

CD 2

  1. 1. Die Abrechnung
  2. 2. Gheddo (mit Bushido)
  3. 3. Gheddo Reloaded (mit Sido)
  4. 4. Nemesis (mit Bushido, Chakuza, D-Bo und Saad)
  5. 5. Vendetta (mit Bushido und Chakuza)
  6. 6. Ring Frei (mit Bushido)
  7. 7. Still Menace (mit MC Eiht und Haftbefehl)
  8. 8. Legende
  9. 9. Landsleute (mit Summer Cem)
  10. 10. Dünya Dönüyor (mit Azra und Resul Barini)
  11. 11. Köln Kalk Ehrenmord
  12. 12. Aber
  13. 13. Komm In Meine Hood Rein (Remix) (mit Manuellsen und Kez)
  14. 14. All Eyez On Us (Remix) (mit Timeless, Cashmo und Akay)

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LAUT.DE-PORTRÄT Eko Fresh

"Du denkst, du flowst jetzt wie Mos Def, dein Homes scratcht wie Tony Touch / Wieso gründet ihr nicht eine Crew mit Namen 'Toys R Us'? / Ich bin verhasst.

5 Kommentare mit 26 Antworten

  • Vor einem Jahr

    uninteressant since day one / Ich höre seit 20 Jahren rap habe aber noch nicht einen Eko-Fresh Song gehört..

  • Vor einem Jahr

    Die Track-Auswahl finde ich fast komplett daneben. Aus der Optik-Zeit nur die 3 Sachen, die damals ohnehin auf Heavy Rotation waren, alle 3 EPs komplett ignoriert, mit "L.O.V.E." wohl DER Track, für den er sich am meisten schämen sollte (OK, "Königin der Nacht" mal ausgenommen). Bei "Jenseits von Eden" und "Quotentürke" schüttelt es mich immer noch durch, und Features von Raptile sollten auf Best-Of-Veröffentlichungen verboten werden.

    Es gibt jede Menge verwertbares Material in seiner langen Laufbahn, aber die Zusammenstellung könnte ja fast schon für ein "Worst Of" taugen.

    Die Sachen mit Azra machen allerdings immer noch Laune, und die Tracks aus der Zeit, als er unter Bubus Fittichen war, sind irgendwie viel besser gealtert als ich es damals gedacht hätte. Release natürlich trotzdem komplett uninteressant.

  • Vor einem Jahr

    Ich weiß nicht. German dream hat schon einige echt giele Sachen gehabt. Asphalt massaka, Gorillas im nebel, 21 Gramm. Gibt aus der Zeit starke Tracks mit capkekz, Farid, lahonda, Diddy, Manu, usw
    Die hätte ich auf so eine best of gepackt. Wenigstens ein paar :/

  • Vor einem Jahr

    Ah ist das geil..den aktuellsten Track gleich auch mal ins Best of packen

    Gold

    Trotzdem dubiose Liste, manch guter Pick dabei aber ein komischer Mix aus egj-Zeit, Anfängen und Charthits, der ganze Alben komplett unter den Tisch fallen lässt. Als Werkschau hätten die "1000 Bars" echt gereicht

    Und warum man direkt nach dem solid classic Gheddo die komplett missratene Neuauflage mit siggi bringen muss und somit beiden Versionen einen ranzkäsigen Nachgeschmack gibt..naja

    • Vor einem Jahr

      Scheiterhaufenbedarf für den gesamten deutschen Rap, mich freut es! Hauptsache Casper taugt. :P

    • Vor einem Jahr

      Erster Eindruck, wow was ein Einstieg, der erste Song auf dem "1982" rettet den deutschen Rap, für eine Generation wie mich. Der beantwortet mir alle Fragen Corvo, die ich schlecht gestellt habe, angedeutet habe, in dem letzten Hassfaden. Genug geteasert, hören, atmen, ein Blick in die Zukunft wagen und nur denken, i am on the way, wo bleibt ihr! Man ist das geil!!!

    • Vor einem Jahr

      ""1982" rettet den deutschen Rap, für eine Generation wie mich"

      Rap für Ü50 Hartz Hustler ist jetzt nicht unbedingt ein Qualitätsprädikat. :lol:

    • Vor einem Jahr

      Dieser Kommentar wurde vor einem Jahr durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Jahr

      Auf jden Fall lieber Brudi, ich mein Ü30 u. man schleift auf der Felge bzw. man lässt sich hängen, ähnlich wie Craze, zeugt von tiefer gehenden mentalen Problemen. Es happert also immer noch an Verstand und das ja wohl etwas grundsätzliches. Hab das mal gemeldet, Hartzophob geht man garnicht. :P

    • Vor einem Jahr

      Mal ne ernsthafte Frage: Glaubst du eigentlich wirklich, dass du mit sowas irgendjemanden vorführst (mal abgesehen von dir selbst)?

    • Vor einem Jahr

      Dieser Kommentar wurde vor einem Jahr durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Jahr

      Sieht mir wie ein Spiegel aus, lieber molten. Vorführen sehe ich etwas anders, ich möchte mich auf keinen Fall über jemanden erheben und breche mir kein Bein mich zu entschuldigen, wenn ich erkenne das ich total daneben liege. Respektiere also dein ernsthaft. So wird da ein Schuh raus.

    • Vor einem Jahr

      Meuri...denk bitte mal ERNSTHAFT darüber nach Dich zu löschen. ERNSTHAFT! Es würde jedem Beteiligten guttun, wenn Du hier verschwinden würdest...sonst muss bald auch in NRW der Innenminister eingeschaltet werden!

    • Vor einem Jahr

      Leide du Opfer! :P

    • Vor einem Jahr

      Bist du eigtl irgendwie über ein paar Ecken mit einem gewissen "Rainer Winkler" verwandt?

    • Vor einem Jahr

      Boah ey, speedi, ich kann es nicht mehr lesen. Auch wenn das jetzt mit Rap wiederbelebt offensichtlich Provo sein soll, ich kann das nicht mehr tolerieren, was für einen Dünnschiss du hier von dir gibst.

      "Du hast nichts mit Rap zu tun, Rap hat dir nix getan, lass ihn in Ruh, weil du scheiße bist. Rap will sehen, dass du scheiße frisst!"

      Will sagen: Du hast offensichtlich keinen Plan von Rap. Du kennst und nennst nur Mainstream-(Pop-)Rap-Acts, die auch in den Medien stattfinden. Kennst du einen Act, der untergrund ist? Hast du ein Album gehört, von jemanden, der nicht auf RTL und in der BILD stattfindet? Was denkst du, wenn ich dir Sichtexot, Jakarta, Spoken View, Mofo Airlines oder Entourage an den Kopf werfe? Du willst Rap für Erwachsene, redest aber von Bushido, Kollegah, Sido und Casper. Abgesehen davon, dass "für Erwachsene" so ein schwachsinnige Bezeichnung ist, gibt es ein Haufen an Leuten, die Rap mit Herzblut und Hirn machen. Degenhardt, Dexter, Audio88, Yassin, Prezident, Retrogott, Umse, Megaloh, Sylabill Spill, Hiob, Dilemma. Nur jetzt Mal als Beispiele.

      Ansonsten haben die anderen schon alles gesagt, sei Mal still! Lies lieber erstmal mit, und höre dir ein paar Sachen an, wenn du mitreden willst.

    • Vor einem Jahr

      Schande über mich, ich habe beim Zitat natürlich "Rap interessiert sich nicht für dich" vergessen.

    • Vor einem Jahr

      Caps, offensichtlich ist das mit Rap so eine Sache. Es mag sein, das es mir an Verständnis mangelt, es ist richtig das es mir an Wissen mangelt, alles kein Thema.

      So Typen wie Brudi etc. ist es mir nicht schade drum, der Stand einer Amöbe ist seit 4 Milliarden Jahren überholt, er ist ein Auslaufmodel, so sicher auch in deiner Denke.

      Deshalb, wo ich lange genug rum genervt habe, warum bist du der erste, der mal eine klitzekleine Antwort lieferst frei Haus, die mir einen kleinen Finger bietet? Die Auflistung der Namen mein ich damit.

      Es ist uralt bekannt, das ich viel und oft provoziere, jeder hier ist mir irgendwie schon auf den Leim gegangen und ich mir selbst, baue ich so und so die geilsten Fallen, in die ich rein tappe. Warum reagiert eine Rapfraktion so überempfindlich und du bist einer der wenigen, der vernünftig bleibt und den Finger reicht?

      Still sein kann ich nicht und will ich nicht, das ist schon mit der Muttermilch so gewesen und wird so bleiben, tut mir leid.

      Ich gebe dir ein Beispiel, mir kommt es so vor, das die Fraktion Rap „immer“ auf mindestens einem Hühnerauge blind ist. Sämtliche Genres die ich kenne, stellen in den Vordergrund, wie geil ihre Mucke den ist und wenn ein Genrevertreter z.b. des Metal eine Punkscheibe nicht so toll findet, dann erklärt er dir liebend gern, warum das so ist. So ist es zumindest bei mir. Beim Rap verhält es sich genau umgekehrt, oft, nicht immer. Das kannst du liebend gern auf die Fraktion hier beziehen, aber ich stelle eine winzige Frage, die Künstler verhalten sich wohl auch nicht anders?

      In meinem verdammten Dickschädel, ist es genau so, ich kriege es nicht anders auf den Schirm, sorry. War das jetzt halbwegs logisch erklärt?

    • Vor einem Jahr

      So wie du da rein gekommen bist, brauchst du dich nicht zu wundern, dass du keine vernünftige Antwort bekommen hast.

      Und nein, hab ich nicht so recht verstanden, was du meinst.

      Mir fielen im Laufe der Zeit noch haufenweise Namen ein für die Liste "Deutschrap, der nicht nur Produkt ist", die ich dir nicht vorenthalten möchte. Each one, teach one^^

      Sichtbeton, Funkverteidiger, Enoq, Ruffkid, Absztrakkt, Illoyal, Edgar Wasser, AzudemSK, T9, Antilopen Gang, Amewu...