20. Januar 2012

"Mit Unheilig machst du dir keine Freunde!"

Interview geführt von

Nach dem Abschlusskonzert auf der Zugspitze und der bereits am Nachtmittag anberaumten Listening Session zum neuen Album "Die Hölle Muss Warten", gehen Pix und ich gegen ein Uhr morgens noch mal kurz vor die Tür, um ein für alle Mal zu klären, wer den Längsten hat.Da die Temperaturen allerdings gegen Null gehen, einigen wir uns auf ein Unentschieden und sprechen lieber ein wenig über die neue Scheibe ...

Von der ist der Songwriter, Produzent und Gitarrist voll und ganz überzeugt und scheint gerade in Sachen Produktion nahe am Optimum zu sein. Entsprechend kommt der gute Pix aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.

Pix: Eddy, wenn du die CD erst mal bei dir daheim im Player hörst und den Druck spürst. Die ist von der Produktion jetzt wirklich topp geworden und glaube ich die erste, die ich mir auch privat noch selber gern anhöre und damit zufrieden bin.

Dass die Produktion sehr satt und druckvoll geworden ist, konnte man ja heute Mittag schon feststellen. Auch wenn ihr letztendlich mit der Anlage ein wenig improvisieren musstet. Das Teil scheint echt gut zu sein, auch wenn der Titeltrack für meinen Geschmack doch recht mainstreamig, um nicht zu sagen poppig ausgefallen ist.

Hm, jein. Ich weiß schon, was du meinst, aber das hören wir ja eigentlich bei jedem Album. Wir hatten schon immer ein paar Nummern dabei, bei denen es dann jedes Mal hieß, wir würden kommerzieller. Dann muss ich immer sagen: 'stimmt nicht, sowas hatten wir schon immer dabei' (lacht). Klar sind ein paar ruhigere und ein paar eingängigere Sachen dabei, aber ein guter Song ist ein guter Song, so oder so.

Keine Frage. Ich will den Song dadurch nicht schlecht machen, ich bin nur der Meinung, dass ihr damit durchaus auch den ein oder anderen Unheilig-Fan auf euch aufmerksam machen könntet.

Oh, damit machst du dir grad keine Freunde (lacht). Ganz im Ernst, da wollten wir NICHT hin. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass das Gesamtkonzept der Scheibe viel zu heavy für den durchschnittlichen Unheilig-Fan ist und das soll auch so sein. Der Alexx ist einer mit Ecken und Kanten und die soll er auch haben und zeigen. Wir hatten schon immer ein paar Pop-Anleihen, aber dass wir jetzt nur noch auf nem Schmusekurs schippern, das kannste vergessen. Ich seh keinen Grund, auf diese Elemente zu verzichten, genauso müssen aber die harten Sachen vorhanden sein und wenn man bei dem Album auf play drückt, dann gibt es auch erst einmal auf den Sack!

Das ist richtig. Der Einstieg zeigt gleich mal, wo der Hammer hängt, da macht ihr keine Kompromisse.

Eben und damit dürften die Unheilig-Fans ganz schnell wieder weg sein. Den Track haben wir ganz bewusst an den Anfang gestellt, um solchen Diskussionen gleich mal den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wir verkaufen und verändern uns da nicht. Ob wir nun bei einem Major-Label sind, oder nicht. Da sind ja schon wieder die ersten Heuler, die uns irgendwas vorwerfen, aber da kann ich hier und jetzt nur ganz klar sagen: 'Ich konnte bei diesem Album, genau wie bei jedem anderen zuvor, genau so arbeiten und schreiben, wie ich das wollte, ohne dass mir von dem Label auch nur irgendeiner reingequatscht hätte.' Die haben die Songs von uns bekommen und waren einfach nur begeistert. Gerade "Herz Aus Eis" hat es unserem A&R total angetan.

Ich hab mir ja ein paar Notizen zu den einzelnen Songs gemacht und einen Titel wie "Keine Liebe" könnte ich mir auch von einer Lady Gaga vorstellen.

Soso (lacht). Ok, ich hab irgendwann mal "Vergiss Mein Nicht" geschrieben. Als "Antikörper" rauskam, hat es keine Sau interessiert. Ging kurz in die Charts und gleich wieder raus – inzwischen reden die Leute von der besten Scheibe und der Song ist die beliebteste Nummern überhaupt, aber an sich ist das ne absolute Schlagernummer. Dann kam irgendwann "Heilig", das ging auch so n bisschen in die Ecke und jetzt haben wir eben "Keine Liebe". Aber genau wegen dieser Attitüde mag ich den Song so, denn mit dem Alexx kann man so ne Nummer auch bringen, ohne das es lächerlich wird. Mit den meisten anderen Sängern, könnte ich mir das nicht anhören. Im Kontext von der CD funktioniert das aber meiner Meinung nach herrlich. Als alleinstehenden Track um Eisbrecher zu kategorisieren, taugt die natürlich überhaupt nicht (lacht).

Ich meinte das jetzt auch nicht mal negativ. Immerhin scheint Lady Gaga auch in Metalkreisen einiges an Respekt zu genießen. Sowohl Iron Maiden, als auch Saxon verstehen sich mit der Dame offensichtlich hervorragend.

Warum auch nicht. Es ist ja, wie vorhin gesagt, ein guter Song ist ein guter Song. Zumal ich mit dem Alexx auch Nummern erarbeiten kann, die mit manch anderem Sänger nicht funktionieren würden.

Was mir positiv aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass Alexx ein paar sehr raue Sachen singt. Gerade im Vergleich zum vorletzten Album, wo mir die Effekte auf der Stimme immer wieder negativ aufgefallen sind.

Was soll ich sagen, das ist sowas wie ein Zeichen der Zeit. Wir planen solche Sachen nicht, das entwickelt sich einfach während der Produktion und dieses Mal wollten wir auf die meisten Effekte auf der Stimme eben verzichten. Es ist immer noch sehr viel Elektronik auf dem Album, aber eben so verpackt, dass es sich nicht unbedingt in den Vordergrund drängt. Allerdings sind das nicht die typischen Presets und Sounds, die man in jeder zweiten Gothic-Produktion hört, sondern die wurden von mir mit sehr viel Liebe zum Detail weitgehend selber erarbeitet und erstellt. In Sachen Gesang sind wir dieses Mal sehr reduziert vorgegangen. Da wurde stimmlich auch gar nicht so viel gedoppelt, was aber funktioniert, da der Alex ein echt geiler Sänger ist. Beim vorletzten Album "Sünde" lief auch vieles nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Vor allem konnte ich da mit Alexx nicht wirklich an den Songs arbeiten. Seine Stimme kam erst dazu, als alles schon so gut wie fertig war. Da kam es dann schon vor, dass die Tonlage entweder zu hoch, oder zu niedrige, oder sonst irgendwas war und dann mussten wir hin und wieder tricksen. Dieses Mal war das vollkommen anders. Wir müssen auf die nächste Tour wahrscheinlich 20 Gitarren mitnehmen, weil die Songs alle in unterschiedlichen Tonarten sind. Wir wollten dieses Mal 100%ig sicher gehen, dass sie genau auf Alexx' Gesang zugeschnitten sind. Da spielte es auch keine Rolle, ob ich an dem Song sonst schon viel gebastelt und auch aufgenommen hatte. Wenn das von der Tonart oder vom Tempo her nicht das Optimum war, haben wir das neu gemacht.

"Poppige Melodien? Hatten wir schon immer dabei!"


Du hast ja vorhin das Thema Major schon mal angeschnitten. Mit welchen Erwartungen oder auch Befürchtungen seid ihr denn an die Sache heran gegangen?

Weißt du, das Schöne ist dabei, dass wir alle keine Zwanzig mehr sind und entsprechend sehr genau wissen, wie der Hase läuft. Wir sind eigentlich ohne jegliche Erwartungen an den Major-Deal heran gegangen. Warum auch? Egal, mit welchem Label wir gearbeitet haben, wir sind unseren Weg gegangen und mussten uns in keiner Weise reinreden lassen. Das war uns bislang immer das Wichtigste. Selbst wenn Sony keinen Strich für die Platte tun würden, wir würden dennoch unsere Fans finden und wenn wir jetzt KEINE 1,5 Millionen Platten verkaufen, wie Unheilig, dann bin ich wirklich der Letzte, der deswegen weinend ins Bett geht (lacht). Sollten die Verkaufszahlen zurück gehen, dann muss man sich ein paar Gedanken machen, aber das glaube ich nicht. Wir lassen uns nicht verbiegen, werden die alten Fans mit der neuen Scheibe wohl kaum verprellen und wenn wir noch ein paar dazu bekommen – super.

Wie war denn die Situation, als Sony an euch heran getreten sind?

Ha, das war natürlich ne feine Sache. Wir waren mit dem letzten Album auf Platz 5 in den Charts, hatten unseren Deal mit dem letzten Label erfüllt und auf einmal standen sie alle da (lacht). Das hat uns dann doch etwas geplättet. Vorher wollte keine Sau was mit uns zu tun haben und auf einmal winken alle mit dem Scheckbuch. Wir waren dann natürlich in der bequemen Position, dass wir uns die aussuchen konnten, die uns künstlerisch am besten betreuen und uns alle Freiheiten lassen. Unser A&R war schon vor fünf Jahren auf unseren Gigs und hätte uns auch damals schon gern gesignt. Das ging leider aus Vertragsgründen damals nicht, aber der ist immer noch bei Sony und glaubt heute genauso sehr wie damals an uns und auch das war letztendlich ausschlaggebend. Wir fühlen uns da sauwohl und schauen, was jetzt passiert. Man ist heute einfach erwachsener, als für 15 Jahren. Alexx wollte damals noch unbedingt Rock'n'Roll-Star werden, wir waren beide noch bei Megaherz und irgendwie hat das nicht so funktioniert, wie man das wollte. Das wurde dann richtig unangenehm und nach der dritten LP konnte keiner mehr dem anderen in die Augen schauen. Das ging einfach nicht mehr und als wir mit Eisbrecher loslegten, war das wirklich nur aus Spaß an der Musik und ohne irgendwelche Erwartungen. Und jetzt schau, wo wir auf einmal sind. Das ist mir fast schon ein bisschen suspekt, weil tonnenweise Arbeit vor der Tür steht (lacht).

Wenn du ans Songwriting gehst und, wie du bereits selbst gesagt hast, sehr detailliert auch an den elektronischen Komponenten arbeitest. Nimmt das dann mehr Zeit in Anspruch, als die Arbeit mit den Gitarren?

Oh ja, deutlich mehr! Und auch wenn du das vermutlich nicht gerne hörst, aber die Zeit, in der ich mich einfach mit der Gitarre hingesetzt und Songs geschrieben habe, ist eigentlich vorbei (lacht). Mittlerweile ist es eher ein Groove oder ein bestimmter Sound, der mich inspiriert und mit dem ich dann einen Song ausarbeite. Ich passe allerdings immer auf, dass da auch noch Platz für Gitarren ist, denn das Ergebnis muss schon ausgewogen sein. Aber auf der Wandergitarre hab ich schon lange nichts mehr geschrieben, was im Umkehrschluss aber nicht heißt, dass man viele Songs damit nicht spielen könnte.

Du fühlst dich also in erster Linie als Produzent und dann als Gitarrist?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Ich war früher immer in erster Linie Gitarrist und habe auch unglaublich viele Sachen als Studiogitarrist gespielt. Nach und nach bin ich dann so ins Produzieren reingerutscht und hab für die anderen Sachen mittlerweile keine Zeit mehr und bin auch oft zu faul, die ganzen Sachen erst aufzubauen und anzuschließen (lacht). Es ist inzwischen relativ ausgewogen, was und wie ich arbeite. Ich habe auch nicht mehr den Anspruch, dass ich auf den eigenen Scheiben alles selber spielen muss. Die Songs sind alle von mir und alle meine Gitarrenspuren sind drauf, aber da kamen dann noch einige andere dazu. Die Drums sind endlich mal live, das knallt dann schon ganz anders, wir haben ein paar Streicher mit dabei und die passen auch gut ins Konzept – das ist alles gut so, wie es ist. Manche Dinge werden viele Leute gar nicht heraus hören, das weiß dann vielleicht nur ich, was da gerade passiert, aber für mich ist das ein extrem tolles Gefühl zu wissen, wie viel Zeit und Mühe ich investiert habe.

Welchen Song hast du denn zuletzt tatsächlich noch auf der Klampfe komponiert?

Oh Gott ... (langes Schweigen) ... das ist jetzt echt schwer zu sagen. Fakt ist, ich produziere im Jahr etwa ein, bis zwei Stunden Musik, die in welcher Form auch immer, veröffentlicht wird. Das ist ja nicht nur Eisbrecher, das sind ganz viele verschiedene Sachen. Ich geh damit nur nicht groß hausieren. Das letzte, was ich an der Gitarre geschrieben habe, war glaube ich irgendwas für BMW. Die wollten für ihre Werbung nen Gitarrensong und dann bleibt dir kaum was anderes übrig, als den auch an der Gitarre zu schreiben (lacht). Aber nur weil die Initialidee nicht von der Gitarre stammt, heißt das ja nicht, dass ich nicht mehr mit der Gitarre arbeite.

Klar, schon verstanden. Nur wenn ich im Bett liege und nicht pennen kann, geistern mir eben Gitarrenriffs in der Rübe rum. Wie ist das bei dir?

Hm, das kommt ganz drauf an. Es hängt ja auch davon ab, was man machen will. Manchmal gehe ich schon eher harmonisch vor und gehe nicht von Sounds aus, sondern maßgeblich von Akkorden. Dann geht es aber weniger um Riffs, sondern eher um Harmonien, Akkorde mit Melodiebögen und ähnliches, auf die ich dann aufbaue. Bei den härteren Sachen inspirieren mich oftmals eher Grooves. Das liegt vor allem aber auch daran, dass es kaum mehr Riffs gibt, die mich selber noch kicken. "Tanz Mit Mir" ist ein Riff, das mich persönlich noch kickt, das ist aber am Synthie entstanden (lacht).

Welches Lied mich sehr beeindruckt hat, war das epische "Ein Leben Lang Unsterblich". Täusche ich mich oder ist das eine Art Nummer, die bislang nicht in eurem Sortiment vorkam.

Danke, ich finde auch, dass das ein wunderschönes Lied ist. Und du hast recht, gerade das epische an dem Song ist in gewisser Weise neu für uns. Das liegt vermutlich auch daran, dass ich den Song nicht allein komponiert habe, sondern dass der in Gemeinschaftsarbeit entstanden ist. Das waren nicht nur Alexx und ich, sondern an dem Track haben wir zu viert gearbeitet und ich freu mich immer noch sehr, dass das so gut geklappt hat. Aber da ist nicht nur die Melodie sehr schön, sondern auch der Text.

"Manche Riffs entstehen nicht an der Gitarre sondern am Synthie."


Wenn du gerade auf das Thema kommst. Bei nur einem Durchlauf achte ich zwar primär erst einmal auf die Komposition an sich, aber ich muss gestehen, dass da textlich nichts dabei war, dass mich sagen wir mal überrascht hätte oder in gewisser Weise nachdenklich gemacht hätte.

Hm, dann vermute ich, dass man das Album und vor allem diesen Song ein paar Mal hören muss, um den Gedanken dahinter zu erkennen. Wenn das geschehen ist, dann ist das ein wahrer Monstersatz! "Augen Unter Null" ist jetzt zum Beispiel ein meiner Meinung nach sehr ausdrucksstarkes Bild, das Alexx da entwirft. Mag nicht jedermanns Sache sein, ich mag das sehr gern. "Tanz Mit Mir" ist natürlich auch keine weltbewegende Message, aber die Amis packen das quasi in jeden zweiten Song rein. Die Nummer kickt aber, deswegen geht für mich auch der Text klar. Mit Provokation kommt man ja eh nicht mehr sonderlich weit, also warum sollten wir da noch mal drauf klopfen. Das machen wir mit "Exzess Express" zwar auch noch mal ein bisschen, aber das ist ja eher mit Humor zu sehen. Aber hör dir die Scheibe einfach noch mal in Ruhe an.

Werd ich tun. Mal so nebenbei, nächstes Jahr um die Zeit geht ja laut Maja-Kalender die Welt unter. Was habt ihr denn da geplant?

Bislang noch nicht viel, aber das ist doch mal wieder typisch. Kaum werden wir ein bisschen erfolgreicher, schon geht die Welt unter (lacht). Wir hatten sogar einen Song, der sich mit der Thematik befasst hat, aber der ist nicht mehr auf der Platte gelandet, weil der Text und die Musik nicht 100%ig miteinander harmoniert haben. Vielleicht auf dem nächsten Album, aber ne, da ist ja die Welt dann schon untergegangen.

Ich frag mich ja eh, wie ein Kalender zu Ende gehen kann ...

Was schaust du jetzt mich an? Ich bin kein Maja, oder Azteke oder sonst was in der Art. Ich hab keine Ahnung (lacht).

Bleiben wir doch gerad mal ein bisschen Off-Topic. Hast du "Lulu" mal gehört?

Ja, hahaha, das hab ich tatsächlich mitbekommen und zwar auf Arte. Da saßen Lou Reed und Metallica zusammen und waren groß am erzählen. Irgendwas von wegen, sie seien Blutsbrüder und würden jetzt zusammen Musik machen. Das hat mich dann schon neugierig gemacht und habe mir das auf amazon angehört. Ich bin allerdings sehr erschrocken. Nach der vorletzten Metallica, dacht ich es, könne nicht mehr schlimmer kommen, aber das ist schon … das geht halt nicht. Aber hey, es gibt auch Leute die sogar da drauf stehen. Von daher will ich mich da gar nicht groß zu äußern.

Wie sieht das bei dir eigentlich mit den sogenannten Social Networks aus? Alexx ist auf Facebook ja sehr umtriebig, wenngleich er neulich mal ne Zeit lang aus unerfindlichen Gründen weg vom Fenster war.

Ja, da weiß er immer noch nicht, was da los war. Und nein, ich bin da eigentlich gar nicht unterwegs auf solchen Plattformen. Mir sagt man immer nach, ich wäre eben der ruhigere Teil bei Eisbrecher, das stimmt so aber eigentlich überhaupt nicht. Der Alexx hat einfach eine Vorliebe dafür, im Mittelpunkt zu stehen, was als Frontmann absolut notwendig und richtig ist. Ich hab jetzt auch nichts dagegen, such die Aufmerksamkeit aber auch nicht. Was ich gar nicht mag, ist wenn bei mir im Studio irgendwelche Menschen auftauchen, die da eigentlich nichts zu suchen haben. Deswegen steht da auch nirgends ein Schild oder ähnliches. Das ist auch kein Vermietstudio, sondern einfach mein Arbeitsplatz und fertig. Ich hab kein Problem damit, dass der Alexx die meiste Aufmerksamkeit bekommt. Auch nicht damit, dass viele ihn als Kopf der Band ansehen. Wenn man sich ein wenig mit uns beschäftigt, oder einfach mal das Booklet anschaut, anstatt sich alles nur runterzuladen, dann weiß man ja, dass ich zu Eisbrecher auch einen gewissen Beitrag leiste (grinst).

Was hältst du denn dann von so einem Mist wie Twitter?

Da bin ich vollkommen raus aus sowas. Ich bin weder auf Facebook, noch Twitter, noch sonst irgendwas. Von daher kann ich da auch kaum was zu sagen. Ich bin einer von denen, die immer noch gern telefonieren oder ne SMS schreiben und auch emailen. Aber alles andere ist irgendwie nicht relevant für mich. Ich neulich erst mit meiner Freundin drüber geredet, dass wir beide morgens nach dem Aufstehen erst mal die Laptops aufklappen und Mails checken. Das ist ja an sich schon ok, aber irgendwie doch auch ein bisschen traurig, oder? Man schaut erst mal, ob man irgendwas verpasst hat, ob irgendwer was von einem will. Wenn ich da auch noch bei Facebook und dem ganzen Kram aktiv wär, dann wüsste ich gar nicht, wo ich noch meine Zeit für all die anderen Sachen herholen sollte. Ne, das wäre nicht meins. Mir geht es ja schon auf den Sack, dass wenn ich mal mein iPhone im Studio vergessen habe, ich unbedingt noch mal zurück fahre, um das Ding zu holen, weil es könnte ja irgendwas sein, dass auf keinen Fall bis zum nächsten Tag warten kann … Man denkt heutzutage immer, dass man jederzeit und überall erreichbar sein muss und das nervt mich selber schon (lacht). Ich habe zwar nicht Dreitausend Freunde, sondern nur ein paar, aber dafür sind das gute Freunde und wenn ich die sehen will, dann klappt das auch. Und wenn mich jemand erreichen will, dann schafft man das auch irgendwie. Ich versteck mich ja nicht.

Erzähl doch mal noch kurz was zu den zwei Wechseln im Line-Up bei euch.

Ja, schade sowas. Jetzt nicht wegen der neuen Leute, sondern weil die beiden alten Kollegen bei uns aufhören mussten. Wir hatten mit Olli (Pohl, Bassist) und René (Greil, Drums) eine fantastische Liveband zusammen, doch mit dem Alter verschieben sich eben die Prioritäten und Neue kommen hinzu. Heiraten, Kinder, der fest Job, das sind alles Dinge, die immer wieder dazu führen, dass man sich entscheiden muss. Irgendwann kam einfach der Punkt an dem wir sagen mussten, dass wie die Eisbrecher-Termine nicht mehr um die Termine von Olli und René herum bauen konnten. Wir haben uns dann zusammen gesetzt und die Sache durchgesprochen und leider konnten sich die beiden nicht anders entscheiden, was ich voll und ganz verstehen kann. Olli war vorhin bei unseren Gig oben auf der Zugspitze auch da. Der hat fast geweint, weil sowas tut dann schon weh, wenn man die alte Band auf der Bühne sieht. Aber so ist das nun mal, wenn man Kinder hat und das versteht jeder in der Band. Alexx und ich geben nach wie vor alles für Eisbrecher und daran wird sich wohl auch nichts ändern. Ich mach das jetzt seit unzähligen Jahren und nach wie vor wirklich nur aus der Liebe zur Musik und nicht wegen dem Geld oder dem Ruhm oder was weiß ich. Ganz im Ernst - Alexx und ich haben uns letztes Jahr zum aller ersten Mal selber eine Gage ausgezahlt. Bis letztes Jahr ist das ganze Geld, das reinkam, immer direkt an die anderen Jungs in der Band oder die Crew gegangen. Das war das erste Mal, dass auch Alexx und ich sagen konnten: 'Hey, ich hab heute mit einer Show von Eisbrecher Geld verdient. Auch mal was Neues' (lacht).

An sich ein schönes Schlusswort, aber ich lass dich nicht zu deinem Bier, ohne einen Buch- oder Filmtipp.

Hm, schwierig, weil ich in letzter Zeit eigentlich ganz viel Schlechtes gelesen habe (lacht). Und vieles davon war auf der Bestseller-Liste. "Schneewittchen Muss Sterben" war zum Beispiel ganz schlecht. Auch sowas wie "Der Schwarm" fand ich absolut überbewertet. Der Autor macht sich zwar richtig viel Arbeit mit Nachforschung und sowas, aber das Ergebnis fand ich nicht wirklich den Hammer. In Sachen Film gab es 2011 kaum Bemerkenswertes, aber einer meiner All-Time-Favoriten ist immer noch "Boogie Nights". Gerade Mark Wahlberg hat mich als Schauspieler richtig überrascht. Einen Film gab es allerdings, der mir richtig gut gefallen hat und das war "Willkommen In Cedar Rapids". Schaut da mal rein.

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