laut.de-Kritik

Eine Ode ans Weitermachen.

Review von

Zwar hat Mark Oliver Everett uns im Interview erst kürzlich verraten, dass er von Reviews am Veröffentlichungstag wenig hält, da ein Album seine Qualität erst über mehrere Jahre entfalten würde. Wir wollten uns die Kritik aber dennoch nicht verkneifen - immerhin ist der Ersteindruck ein ausgesprochen guter.

Anfang des Jahres konnte man noch unbefangen gute Laune haben, daran erinnern einen die ersten paar Songs des mittlerweile 13. Eels-Albums. Einen Großteil der Stücke schrieb Everett nämlich bevor die lästige Pandemie sich über den Globus verteilte und häufig klingen die Titel ziemlich positiv. Selbst wenn sie sich dann doch mal wieder mit Everetts Lieblingsthemen Einsamkeit und Schmerz beschäftigen, gibt der ewige Lone Wolf ihnen einen optimistischen Kniff, einen Ausblick in Richtung Licht.

Ganz besonders in den beiden Songs "I Got Hurt" und dem darauffolgenden "OK". Während "I Got Hurt" eine eher düstere Perspektive auf das Leben aufzeigt, fegt "OK" diese Düsternis mit den einleitenden Worten "I got hurt, so what?" direkt beiseite. Gegen Ende heißt es dann "You told me it was just a dark night / And I said no, this is something more / But you were right". Diese Sicht auf die Dinge, die schlechte Phasen nur als eben das hinnimmt, ist besonders erfrischend, wenn man sich an weniger zuversichtliche Eels-Werke wie "Electro-Shock Blues" erinnert. Die neue Platte klingt auch deutlich leichter als zuletzt "The Deconstruction".

Vielmehr weckt "Earth To Dora" Erinnerungen an das großartige "Daisies Of The Galaxy", das 2000 mit warmen, melancholischen Klängen überzeugte. "The Gentle Souls" etwa erinnert an "Tiger In My Tank", das sehr ruhige "Who You Say You Are" scheint mit "Jeannie's Diary" verwandt. Der Einstieg "Anything For Boo" gerät mit Glockenspiel und grummelndem Bass wunderbar und ist textlich eine charmante, wenngleich auch etwas kitschige Liebeserklärung: "Anything for Boo / Oh Boo, I do / I do I do I do I do / Anything for Boo / My love is true".

Mit dem anschließenden "Are We Alright Again" ist Everett sogar mal wieder ein richtig eingängiger Pop-Song gelungen, der sich das Ende der Pandemie herbeisehnt. Der Titeltrack kondensiert die Kernmessage des Albums und letztlich auch die Moral von Everetts dramatischer Lebensgeschichte in einen bestens aufgelegten Schunkeltrack: Hoffnungsvoll bleiben im Angesicht hoffnungszehrender Lebensabschnitte, denn es gibt immer etwas, für das sich das Leben lohnt: "So much, look up now / See that sun smiling down on you / Give us a hug / We'll be smiling as long as you're here / Love, Mark". Die Zeilen stammen teilweise aus einem Nachrichtenaustausch mit einer guten Freundin von Everett, die er aufzumuntern versuchte.

Im Mittelteil konzentriert sich der Musiker dann mehr auf Beziehungsthemen. Während er in "Anything For Boo" noch himmelhoch jauchzt, ziehen in "Dark And Dramatic" die ersten Probleme ein, denn die Partnerin kämpft zu sehr mit sich selbst. In "Are You Fucking Your Ex", einem der Highlights, ist dann Eifersucht der Feind: "I get it / Everyone likes sex / But I need to know / Just what is going on / The late nights out / The days you disappear / I have to ask / Are you fucking your ex". Auch diesen Faden knüpft er in den beiden letzten Titeln "Baby Let's Make It Real" und "Waking Up" zu einem positiven Schluss. Trotz negativer Erfahrungen in der Vergangenheit propagiert er hier, es erneut zu wagen und sich zu verlieben.

Ursprünglich wollte Everett mit seinen Eels kurz nach der Veröffentlichung des Albums touren, was nun freilich nicht möglich ist. Eine Verschiebung des Releases kam für ihn aber nicht in Frage, immerhin wäre Musik derzeit das, was den Menschen Mut macht. Die zwölf Stücke auf "Earth To Dora" eignen sich auf jeden Fall bestens als Soundtrack für den düsteren Corona-Herbst und appellieren an unser aller Durchhaltevermögen.

Trackliste

  1. 1. Anything For Boo
  2. 2. Are We Alright Again
  3. 3. Who You Say You Are
  4. 4. Earth To Dora
  5. 5. Dark And Dramatic
  6. 6. Are You Fucking Your Ex
  7. 7. The Gentle Souls
  8. 8. Of Unsent Letters
  9. 9. I Got Hurt
  10. 10. OK
  11. 11. Baby Let’s Make It Real
  12. 12. Waking Up

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4 Kommentare

  • Vor 2 Monaten

    Tolles Cover, schönes Album
    dachte bei "OK" kurz Lou Reed sei auferstanden

  • Vor 2 Monaten

    Gefällig, aber ein bisschen fad. Ich fand schon das letzte so mittel, aber das hatte mit Bone Dry noch ein richtiges Highlight.

    Der Typ hat Charisma, ne coole Stimme und weiß beides einzusetzen, aber nach all den Alben kommt leider noch noch fluffiger Pop-Rock dabei raus, über den man sich sicher freuen würde, wenn er zufällig im Radio liefe.

  • Vor 2 Monaten

    Leider wirklich öde. Vielleicht klappt es ja in der richtigen Stimmung.

  • Vor einem Monat

    Vielleicht muss man dem Album wirklich mehr Zeit geben. Ich finde, dass diese Songs, die nur so plätschern das Typische der älteren Eels-Songs einfach nicht nicht haben. Langweilig und kein Vergleich zu Blinking Lights etc.
    Am besten gefällt mir noch "I got hurt". Schade, ich hatte die Vinylscheibe schon in Händen und freute mich auf eine Plattenspieler-Session.