laut.de-Kritik

Technisch perfekt, aber zu wenig Leidenschaft.

Review von

"Mit 35 hätte ich nie geglaubt, dass wir immer noch auf der Bühne stehen würden und solche Konzerte wie dieses geben, vor so vielen Zuschauern", erzählt Don Henley in einem Interview am Ende des Auftritts. Wie die übrig gebliebenen weiteren drei Eagles-Mitglieder nähert er sich nun raschen Schrittes den 60, aber die Livetätigkeit der Band findet keinen Abbruch. Wie auch die Begeisterung ihrer Fans.

Am 14., 15. und 16. November 2004 aufgenommen, bietet die Doppel-DVD einen guten Überblick über das Schaffen der Combo und ihrer Mitglieder, denn zu den Hits gesellen sich auch Solostücke. Schlagzeuger und Sänger Henley darf "Dirty Laundry" und "The Boys of Summer" zum Besten geben, Gitarrist Joe Walsh "Funk #49", "Walk Away" und "Rocky Mountain Way", der zweite Gitarrist und Sänger Glenn Frey "You Belong To The City". Sogar neues Material gibt es zu hören: "No More Cloudy Days" und "One Day At A Time", außerdem die schwachbrüstige 2003-Single "Hole In The World".

Trotzdem verschmelzen die 29 dargebotenen Lieder in etwa zweieinhalbstündiger Laufzeit zu einem nahtlosen Gesamtwerk. "Die meisten unserer Solostücke hätten auch von Eagles stammen können", stellt Henley treffend fest. Vorbei scheinen die Zeiten zu sein, in denen sich er und Frey als verbitterte Feinde gegenüber standen. Henley hat die Rolle des Führers klar an sich gerissen, die anderen Mitglieder haben gelernt, sich anzupassen.

Das Ergebnis liefert den einen oder anderen Höhepunkt. "Tequila Sunrise", zum Beispiel, und das abschließende "Desperado", die beide ruhige Töne anschlagen, ohne in den streicherbegleiteten Kitsch von "Wasted Time" zu verfallen. Am anderen Ende der Skala steht das bluesrockige "Funk #49", in dem Walsh endlich mal Gas geben darf. "Ich war nur einmal besoffen, das aber 20 Jahre lang" erklärt er mit gelähmter Stimme. So beschränkt seine vokale Artikulierung mittlerweile ist, so energisch drischt er auf die Seiten seiner E-Gitarren ein.

"Peaceful Easy Feeling" besticht durch Country-Begleitung, Bassist Timothy B. Schmit darf beim Reunion-Stück "I Can't Tell You Why" seine hohe Stimme einsetzen, "Lyin' Eyes" und "Already Gone" sorgen nach wie vor für eine melancholisch gute Laune. Eine Spur zu abgedroschen fällt "Hotel California" aus, obwohl Aushilfsgitarrero Stuart Smith das Solo astrein wiedergibt und dabei ein zweihalsiges Instrument bedient.

Es ist das einzige Mal, in dem ein Mitglied der achtköpfigen Begleitband in den Vordergrund tritt. Ein Schlagzeuger steht bereit, wenn Henley mal nach vorne will, zu ihnen gesellen sich Keyboarder, Geiger und vier Bläser, die für dezente Stimmung im Hintergrund sorgen. Die Arrangements sind wie gewohnt ausgefeilt, der Surround-Sound ebenso kristallklar wie die Qualität der Bilder. Perfektion, wie sie von Eagles nicht anders zu erwarten ist.

Dennoch bleibt am Ende ein leicht schaler Geschmack zurück. Aus der unglaublich erfolgreichen, aber einst umstrittenen Rockband ist eine Gelddruckmaschine geworden. Auf der Bühne stehen weniger begnadete Musiker als clevere Geschäftsmänner im dezenten Jackett. Was Henley dazu sagen würde, wenn man ihn fragte, ob er in zwanzig Jahre noch Konzerte vor ausverkauften Hallen gibt? "Ich kann's mir zwar nicht vorstellen", wäre seine mutmaßliche Antwort. Angesichts eines solchen Maßes an Professionalität ist das aber durchaus vorstellbar. Mit Farewell-Tour XIX.

Trackliste

DVD 1

  1. 1. The Long Run
  2. 2. New Kid In Town
  3. 3. Wasted Time
  4. 4. Peaceful Easy Feeling
  5. 5. I Can't Tell You Why
  6. 6. One Of These Nights
  7. 7. One Day At A Time
  8. 8. Lyin' Eyes
  9. 9. The Boys Of Summer
  10. 10. In The City
  11. 11. Already Gone
  12. 12. Tequila Sunrise
  13. 13. Love Will Keep Us Alive
  14. 14. No More Cloudy Days
  15. 15. Hole In The World
  16. 16. Take It To The Limit
  17. 17. You Belong To The City
  18. 18. Walk Away
  19. 19. Sunset Grill

DVD 2

  1. 1. Life's Been Good
  2. 2. Dirty Laundry
  3. 3. Funk # 49
  4. 4. Heartache Tonight
  5. 5. Life In The Fast Lane
  6. 6. Hotel California
  7. 7. Rocky Mountain Way
  8. 8. All She Wants To Do Is Dance
  9. 9. Take It Easy

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1 Kommentar mit 4 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Unerträgliches Geschwafel! Nur um das mal zu sagen, habe ich mich hier angemeldet. Mangelndes Wissen über die Eagles gehen einher mit Häme und Spott und im Grunde wird gar nichts Wesentliches gesagt. Allein schon die Bezeichnung "Combo" ist despektierlich. Man erfährt außerdem null über die wirklich erstklassige Bild- und Tonqualität. Und dass die Musiker nicht ständig strahlen, grinsen oder rumhüpfen, wie in der modernen Popmusik von Youngstern vorgeführt wird, bedeutet nicht, dass hier nicht mit Herzblut performt wurde. Höchste Perfektion verlangt oft auch höchste Konzentration. Langweilig ist das mit Sicherheit nicht, aber möchte man bei einem so grandiosen Konzert dämliche Metal-Posen sehen? Gewiss nicht. Ernsthafte Musiker (Pink Floyd, Dire Straits usw.) bewegen sich oft nur relativ wenig, sie wirken aber nur auf ganz wenige Zeitgenossen deshalb langweilig. Zum Glück deckt sich die Meinung der Forumsteilnehmer (klare 5 Sterne) nicht mit dieser Redaktionsmeinung (3 Sterne).

    • Vor 2 Jahren

      "Nur um das mal zu sagen, habe ich mich hier angemeldet."

      Glückwunsch dazu!
      "nur" mal reinschneien um den anwesenden mitzuteilen wie ahnungslos sie sind macht einen sofort symphatisch. dazu noch eine prise "wer's nicht mag, hat keine ahnung" und fertig ist das online-arschloch!

    • Vor 2 Jahren

      Bis auf den letzten Absatz auch eine durchaus positive Bewertung!
      Weiß gar nicht was der hat? Ob er beim Schreiben Wuttränen gelassen hat weil sie als das hingestellt werden was sie sind? Gelddruckmaschinen! (Kiss Fans schmunzeln da nur müde)

    • Vor 2 Jahren

      wenn er erst hört, was der dude über die eagles sagt, kriegt er nen schlaganfall.

    • Vor 2 Jahren

      Paranoid_Android Vor 10 Stunden
      "Nur um das mal zu sagen, habe ich mich hier angemeldet."

      Glückwunsch dazu!
      "nur" mal reinschneien um den anwesenden mitzuteilen wie ahnungslos sie sind macht einen sofort symphatisch. dazu noch eine prise "wer's nicht mag, hat keine ahnung" und fertig ist das online-arschloch!

      wie lautet eine bekannte weishei? "Countryboy can survive"...