laut.de-Kritik

Ein mutiertes Atomviech holt zum Vernichtungsschlag aus.

Review von

Bay Area Thrash aus dem Herzen Oberbayerns kann man eigentlich nur lieben. Erst recht, wenn der Name Dust Bolt drauf steht. Der Vierer erspielte sich mit unermüdlichem Touren und dem starken Debüt "Violent Demolition" einen mehr als vorzeigbaren Ruf in der Szene. Warum also das Rezept ändern, wenn es doch so gut funktioniert? Dust Bolt knüppeln, riffen, und keifen sich auf bewährte und beliebte Weise voran.

Von Anfang an lassen die Landsberger keinen Zweifel aufkommen, wohin die Reise auf "Awake The Riot" geht. Die Haare fliegen, die Riffs knallen, die Soli quietschen – über die Geschwindigkeit brauchen wir gar nicht erst zu reden. Souverän reiten Dust Bolt ihre Welle, die sich irgendwo zwischen den frühen Metallica, Exodus, Slayer, Testament und den Suicidal Angels auftürmt, und offenbaren allerhand kleine Finessen.

Obwohl soundtechnisch eher dem amerikanischen Kontinent verhaftet, fehlt auch die Hommage an deutsche Genrevorreiter nicht. Mit einem Songtitel wie "Agent Thrash" geben die Jungspunde in Kombination mit dem Gasmaske tragenden Cover-Ungetüm mehr als deutlich zu verstehen, wem sie hier Tribut zollen wollen.

Apropos Cover: befindet sich das Monster auf "Violent Demolition" noch im Auferstehungsmodus, so holt das mutierte Atomviech auf dem Zweitling nicht nur bildgewaltig zum nuklearen Vernichtungsschlag aus. Erst recht live sollten die Songs hervorragend funktionieren. Allein der Opener "Living Hell" haut dermaßen in die Fresse, dass eigentlich erst einmal Dauerschleife angesagt ist, bevor man den zweiten Track genauso behandelt.

Leider mutet das Album zunächst auch ohne Repeat-Taste wie die Endlosschleife eines einzigen Stücks an. So fragt man sich wie schon Kollege Edele beim Debüt: "Wo ist der Hit?" Doch diesmal haben Dust Bolt kurz vor Ende der Spielzeit eine Antwort parat! "The Monotonous – Distant Scream" unterbricht die Raserei für einen Moment und entpuppt sich nach einem stimmigen Intro als Midtemporiffer der Extraklasse. Nächstes Mal bitte mehr davon!

Nach einigen Durchläufen zünden schließlich auch die restlichen Tracks. Speziell "Living A Lie" und das an "Chaos Possesion"-Tage erinnernde "Eternal Waste" steigen bald zu Dauergästen in der Ohrmuschel auf, während das finale "Future Shock" mit groovendem Palm-Mute-Riffing dem geschundenen Nacken noch einmal das Rundumsorglos-Paket spendiert. Und, ehrlich gesagt, gegenüber dem Evil Dead-Original noch eine Spur Fettness mehr vorzuweisen hat. Der angebaute Hidden-Track ist zwar eher nur eine Hidden-Melody inklusive galoppierendem Outro-Riff – als ä-Tüpfelchen macht er trotzdem Spaß.

Lenny, Flo, Bene und Nico zementieren mit "Awake The Riot" endgültig ihre Vormachtstellung im Thrash-Nachwuchs. Überraschungen sind selten gesät, in dem gewählten Genrekontext aber auch nicht zwingend notwendig, zumal die Bayern vielen Kollegen sowohl songschreiberisch als auch an ihren Instrumenten weit voraus sind. Sollte es in ein paar Jahren einmal die Bay(ern) Area Big Four geben – Dust Bolt sind schon jetzt gesetzt.

Trackliste

  1. 1. Living Hell
  2. 2. Soul Erazor
  3. 3. Beneath The Earth
  4. 4. You Lost Sight
  5. 5. Agend Thrash
  6. 6. Living A Lie
  7. 7. Awake The Riot - The Final War
  8. 8. Eternal Waste
  9. 9. Drowned In Blind Faith
  10. 10. Worlds Built To Deceive
  11. 11. The Monotonous – Distant Scream
  12. 12. Future Shock

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