laut.de-Kritik

Großes aus dem Schlafzimmer.

Review von

Der Großteil des neuen Albums sei in ihrem Schlafzimmer entstanden, so Kristin Welchez alias Dee Dee Penny, Chefin der Dum Dum Girls. Was für ein Schlafgemach mag das wohl sein, in dem es möglich ist, einen Gesamtsound festzuhalten, bei dem jeder Produzenten-Guru mit Hang zu atmosphärischen Oversize-Klängen auf die Knie fällt?

Man zieht schon ganz schön die Augenbrauen gen Schädeldecke, wenn man hört, was im vergangen Jahr zwischen flauschigen Kissen und Satin-Bettwäsche seinen Ursprung fand. Hier hüpfen in Hall getränkte Vocals, opulent arrangierte Background-Sphären und immer wieder eingestreute Tarantino-Gitarren vor einer 60s-Jukebox auf und ab und lassen dabei ein musikalisches Gesamtkunstwerk entstehen, vor dem man als Freund vergangener Großtaten von Bands wie Siouxsie & The Banshees, The Cure oder Velvet Underground nur den Hut ziehen kann.

Simplizität wird dabei ganz groß geschrieben, denn trotz der voluminösen Verpackung glänzen vor allem schnellere Stücke wie "Cult Of Love", "Evil Blooms", die 80s-Pop-Punk-Perle "Little Minx" oder der sonnendurchflutete, an Bangles-Hochzeiten erinnernde Album-Eckpfeiler "In The Wake Of You" mit einfachsten Grundstrukturen.

Im Verbund mit fuzzigen Garage-Vibes, einer durchweg bezirzenden Lollipop-Performance am Mikrofon sowie einer unterschwelligen Psychedelic-Attitüde lassen Dee Dee und Co etwas entstehen, das in punkto Atmosphäre und Kompaktheit kaum mehr Wünsche offen lässt. Während das schleppende "Lost Boys & Girls Club" wohlige Erinnerungen an längst vergangene Linientreu-Abende weckt, katapultiert der laszive Rausschmeißer "Trouble Is My Name" jeden noch so ADHS-Geplagten ohne Umwege ins Land der Träume.

Nach einer halben Stunde ist klar: Dies ist ein Fall für die UNESCO; denn irgendwo in New York befindet sich ein Schlafzimmer, das schleunigst für den Weltkulturerbe-Titel nominiert werden sollte.

Trackliste

  1. 1. Cult Of Love
  2. 2. Evil Blooms
  3. 3. Rimbaud Eyes
  4. 4. Are You Ok?
  5. 5. Too True To Be Good
  6. 6. In The Wake Of You
  7. 7. Lost Boys & Girls Club
  8. 8. Little Minx
  9. 9. Under These Hands
  10. 10. Trouble Is My Name

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6 Kommentare mit 6 Antworten

  • Vor 7 Jahren

    Auf meinem allerersten Yamaha-Keyboard von 1999 war dasselbe Blechdosen-Schlagzeugset, das hier durchgehend auf 100% Reverb (diese Snares!) im Hintergrund klöppelt. Es nannte sich »Hit Kit«.

    Mit den Velvets kann die Platte auf keinen Fall mitziehen. »Rimbaud Eyes« verheddert sich in halbherzigem Symbolstrickwerk, »Little Minx« fährt genau dieselbe Schiene wie »Evil Blooms«. Irgendwo im »Lost Boys & Girls Club« versteckt sich ein souveräner Song, der aber an der einförmigen Produktion scheitert. Überhaupt: In jedem 7. Ei stecken größere Überraschungen als in den Akkordfolgen auf dieser Platte.

    Für Bettgeschichten aus NYC werd ich demnächst mal wieder PJ Harvey und ihre »Stories...« rauskramen.

    • Vor 7 Jahren

      hab jetzt die ersten 3, 4 songs von "stories.." gehoert.. ist schoen, aber die texte kreisen ausschliesslich um maenner, oder ;)

    • Vor 7 Jahren

      I can't believe life's so complex!
      When I just wanna sit here and watch you undress!
      This is love, this is love, that I'm feeling!

      also den Track kann wohl jeder nachvollziehn, ob Männlein, Weiblein oder alles dazwischen.

    • Vor 7 Jahren

      das war nicht irgendwie gender-maessig gemeint.. ich formuliere neu: die texte kreisen ausschliesslich (natuerlich eine uebertreibung nach einmaligem durchlauf) um liebe und sex, ganz egal, an welches geschlecht sie beim texten gedacht hat ;)

  • Vor 7 Jahren

    hab mal 3, 4 songs angehoert. das mit den akkordfolgen hat alfalfa treffend gesagt. sound insgesamt ziemlich cool. aber wirkt insgesamt musikalisch und image-technisch halt recht oberflaechlich, ziemlich auf style fixiert.. naja so kommt man jedenfalls in H&M clips!

  • Vor 7 Jahren

    Man kann hier leiucht den Eindruck gewinnen, Miss Welchez habe Hrn. Butterweck in besagtes Schlafzimmer eingeladen, um eine dermaßen Zucker verblasende Rezension zu erwirken. Beim verfassen der Rezension und anhören der Platte bitte zukünftig nicht mehr unentwegt die beigelegten Pressefotos anstarren! :D

    Und musikalisch... Siehe erster Post. Einen Funken origineller, weniger stylebedacht und poliert, dafür aber authentisch-garagiger im Klang bekomme ich dieses Paket aus Dublin von den bereits an anderer Stelle von mir genannten September Girls.
    http://www.youtube.com/watch?v=pfXyyN_YZc0

    Und zu Polly: "Stories..." ist bis heute das am ehesten stimmungsaufgehellte Album ihrer Diskografie. Für sie war es wichtig und befreiend, dokumentiert hörbar einen Lebenswandel und "angenehme Zeiten" von Miss Harvey.
    Ich offenbare mal eine sadistische Facette und sage hier, mir persönlich imponiert sie künstlerisch oftmals mehr, wenn sie vor/während der Aufnahmen zu einer ihrer Platten heftig leidet. Oder wenigstens ordentlich angepisst ist.

  • Vor 7 Jahren

    Nettes album, aber der rezi kann ich mich nicht anschließen, mMn überbewertet. Bei mir hat sich nach ca. 15 durchläufen der eindruck verfestigt, dass das meiste irgendwie aufgewärmt klingt.

  • Vor 7 Jahren

    The Bangles meets B.R.M.C!