laut.de-Kritik

Das Spektakuläre verliert sich im Unspektakulären.

Review von

Wenn Drake ein Album veröffentlicht, dann ist das ein Großereignis, an dem alle teilhaben möchten. Auch "Scorpion" brach innerhalb weniger Tage einen Streaming-Rekord nach dem anderen. Dabei ist das fünfte Studioalbum ein Brocken, der erst einmal verdaut werden muss. 25 Songs verteilt auf 90 Minuten sind ein ordentlicher Happen, selbst im Vergleich zu dem mit 82 Minuten bereits üppig ausgefallenen Vorgänger "More Life". Zum Glück füllt Drake die Überlänge mit frischen Inhalten, die über das Bezirzen der Frauenwelt und das Anpreisen von Statussymbolen hinausgehen.

Gerüchte über einen Sohn, den Drake versteckt hält, gab es bereits vor Pusha Ts Disstrack "The Story of Adidon". Auf "Scorpion" macht der ewige Junggeselle diese endgültig zunichte und damit zum Kernthema der Platte: "I wasn't hidin' my kid from the world / I was hidin' the world from my kid", rappt er auf "Emotionless" über die Entscheidung, seinen heute zehn Monate alten Sohn Adonis unter Ausschluss der Öffentlichkeit großzuziehen. Auf "March 14" geht er noch genauer auf die Umstände der Geburt, das Verhältnis zur Mutter und die eigenen Ansprüche an das Vatersein ein: "Realize I gotta think for two now / I gotta make it, I better make it / I promise if I'm not dead then I'm dedicated / This the first positive DNA we ever celebrated".

Wer den ganzen Spaß mit "Scorpion" haben möchte, muss sich mit der Person Aubrey Drake Graham und der Welt, in der sie sich bewegt, auseinandersetzten. Oder anders formuliert: Wer sich für Gossip interessiert, wird hier mit Informationen aus erster Hand versorgt. Auch wenn die Vaterschaft die jugendliche Brisanz mindert, die Drakes Dramen mit der Damenwelt bisher innehatten, sind diese immer noch ein wichtiges Thema. "You and your sister / Too hot to handle", heißt es beispielsweise auf "Finesse” möglicherweise als Anspielung auf eine Affäre mit Model Bella Hadid.

"Scorpion" setzt sich aus einer A- und einer B-Seite zusammen. Die erste Hälfte des Albums ist rap-lastiger und somit härter als die zweite Hälfte, die wiederum einen stärkeren Fokus auf R'n'B-Klänge legt. Drake wechselt mit Leichtigkeit zwischen dem angriffslustigen Rapper und dem butterweichen Crooner. So füllt er jede noch so anspruchsvolle Beat-Unterlage mit dem entsprechenden (Sprech-)Gesangsbeitrag. Sein deutlicher und mit Pausen versehener Vortrag macht es auch Nichtmuttersprachlern einfach, den Texten zu folgen.

Musikalisch verlässt sich Drake größtenteils auf alte Weggefährten wie Noah "40" Shebib und Boi-1da. Mit DJ Premier hat aber auch eine Hip Hop-Legende nach Samples gegraben. Das Erraten der Soundquellen fällt Popkulturfanatikern leicht. Immer wieder erkennt man Stücke wie "Dopeman" von N.W.A. ("Talk Up"), "More Than A Women von Aaliyah ("Is There More"), "Ex-Factor" von Lauryn Hill ("Nice For What"), "Boss Ass Bitch" von Nicki Minaj ("That's How You Feel") oder "Khalil" von Boyz II Men ("March 14").

Das Soundbild klingt trotz der Menge an Material kohärent. Musikalische Ausreißer sind nicht auszumachen. Selbst ein Pseudo-Feature von Michael Jackson auf "Don't Matter To Me" sticht nicht heraus. Im Vordergrund steht stets Drake, der mit seinem erzählerischen Flow klar machen möchte, was ihm durch den Kopf geht. Musik und Features – die außer von Jacko von Jay-Z, Static Major und Ty Dolla Sign stammen – sollen freilich die OVO-Qualitätskontrolle bestehen, aber nicht die alles vereinnahmende Aura des Stars in den Schatten stellen.

Mit 25 Songs schwemmt Drake zwar die Spotify-Charts, dafür überzeugt sein Album aber auch nicht vom ersten bis zum letzten Lied. "Scorpion" ergeht es da wie "More Life": Weniger wäre mehr gewesen. Auf zwölf Stücke heruntergedampft, hätte das Album nicht nur das beste in Drakes Karriere, sondern auch sein inhaltlich wichtigstes werden können. So verlieren sich die spektakulären Augenblicke in einer unübersichtlichen Fülle an unspektakulären Momenten.

Trackliste

A-Side

  1. 1. Survival
  2. 2. Nonstop
  3. 3. Elevate
  4. 4. Emotionless
  5. 5. I’m Upset
  6. 6. God’s Plan
  7. 7. 8 Out of 10
  8. 8. Mob Ties
  9. 9. Can’t Take a Joke
  10. 10. Sandra’s Rose
  11. 11. Talk Up f. JAY-Z
  12. 12. Is There More

B-Side

  1. 1. Peak
  2. 2. Summer Games
  3. 3. Jaded
  4. 4. Nice for What
  5. 5. Finesse
  6. 6. Ratchet Happy Birthday
  7. 7. That’s How You Feel
  8. 8. Blue Tint
  9. 9. In My Feelings
  10. 10. Don’t Matter to Me f. Michael Jackson
  11. 11. After Dark f. Static Major & Ty Dolla $ign
  12. 12. Final Fantasy
  13. 13. March 14

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LAUT.DE-PORTRÄT Drake

"I want the money. The money and the cars. The cars and the clothes. The hoes. I suppose I just want to be successful." Genauer wurden die kapitalistisch …

11 Kommentare mit 47 Antworten

  • Vor 17 Tagen

    Wieso ist der Erfolg mit so einem eintönigem, unspektakulärem und stellenweise, schlicht, schlechtem Album, nicht bescheiden? Warum trifft das nicht nur auf Drake zu? Wir waren auch einmal jung, und sind mit N.W.A. und Public Enemy groß geworden. Die mussten damals abliefern um gehört zu werden. Und wie sie abgeliefert haben. Einen Klassiker nach dem anderen. D.h., es kann nicht daran liegen, dass die heutige Jugend behämmert ist!? Oder etwa doch? Warum reicht es heute beschissene Musik zu machen, und SOOOOOOOOOOO erfolgreich zu sein? Ich habe mir das Album 1x angehört und nie wieder. Bescheidene Leistungen, verdienen nur bescheidenen Erfolg.

    • Vor 17 Tagen

      warum können nicht alle so sein wie du?

    • Vor 17 Tagen

      Gute Frage?

    • Vor 17 Tagen

      Dieser Kommentar wurde wegen eines Verstoßes gegen die Hausordnung durch einen laut.de-Moderator entfernt.

    • Vor 17 Tagen

      das album ist trotzdem nichts, mMn.

    • Vor 17 Tagen

      Und diese Beleidigung habe ich jetzt weshalb genau verdient?

    • Vor 17 Tagen

      Der Vergleich funktioniert doch alleine deshalb nicht, weil Drake von der Hörerschaft inzwischen viel mehr Pop als reiner Rap ist. Und die große Masse hat sich eigentlich schon immer mit relativ wenig zufrieden gegeben.

    • Vor 17 Tagen

      wegen dem unreflektierten geheule?

    • Vor 17 Tagen

      Soll ich das zurücknehmen und behaupten, dass ist geiler Scheiß? Außerdem, kannst du keine andere Ausdrucksweise verwenden? Prolos reden so, keine normalen Menschen.

    • Vor 17 Tagen

      1. klappe halten reicht aus.

      2. nein.

      3. "normale" menschen gibt es nicht, allein schon diese formulierung zeigt, dass du dein horizont nicht über deine eigene wampe hinausreicht.

      prost.

    • Vor 17 Tagen

      ....das kommt eben dabei raus wenn man den „Hurensohn der Woche“ schon Mittwochs gewinnt!
      Erfolg zu Kopf gestiegen denke der Eiersack wird zum Abo-Gewinner

    • Vor 17 Tagen

      Ich habe mehrmals versucht mit dir ''normal'' zu reden. Ist anscheinend nicht möglich. Es kann daher nicht sein, dass du ''normal'' bist, im Sinne von Mensch mit gepflegten Umgangsformen. Ich bin hier um eine simple Meinung über ein Album zu äußern (ob richtig oder falsch spielt keine Rolle). Ein beschissenes Album, sonst nichts. Kritik daran üben kann man wie @Gleep Glorp. Du bist anscheinend hier um deinen Frust an anderen auszulassen. Die Frage ist nur, was sich die Redaktion dabei denkt, so Mistkübeln wie dir die Möglichkeit zu geben ihren schmutzigen Ballast hier los zu werden.

    • Vor 17 Tagen

      Dieser Kommentar wurde vor 17 Tagen durch den Autor entfernt.

    • Vor 17 Tagen

      Nein, nein,...Gleep, du bist nicht gemeint. Deine Kritik ist absolut berechtigt und richtig. Ich habe da zu dick aufgetragen (Jugend und so). Das sehe ich ein. Ich habe deine Kritik lediglich als Beispiel genommen, wie man gepflegt Kritik äußert.
      Und außerdem, war das nicht böse gemeint, habe selbst Kinder im jugendlichen Alter, die solche Typen wie Drake anhimmeln. Nur ist die Musik so unspektakulär, da verwundert halt dieser übermäßige Erfolg.

    • Vor 17 Tagen

      Joe Dub, der Eiermann und der Homologe...das Triumvirat der Hurensöhnlichkeit.

    • Vor 17 Tagen

      Oh großer Anführer befiehl und wir werden folgen....also bestimmt...vielleicht....zumindest drüber nachdenken....ja ok....wahrscheinlich nicht....ach halt einfach die Klappe und schreib einen Drake Zerriss oder Grill dir paar Nackensteaks....kühles Oettinger dazu

    • Vor 16 Tagen

      schlimm das honks mit nem horizont bis zur eigenen kinnlade sich auch noch fortpflanzen. redaktion? guter witz, haha.

    • Vor 16 Tagen

      der ährenbrudi und der homologe. 2 apportierende kleffäffchen, deren bräsige komik das äquivalent zu ner darmspiegelung ist, für die ärzte routine aber für den patienten extrem unangenehm.

    • Vor 16 Tagen

      Joe, mach dir nichts draus. Das ist das allgemeine Niveau hier. Die Stammkundschaft, welche schon seit Jahren hier haust und eigentlich schon um die 30 sein müsste feiert sich für ihre degeneriertes kindisches Benehmen selbst. Wenn du dann mal ein paar Laute findest, die sich unterhalten und diskutieren können ohne gleich jeden mit anderer Meinung zu beleidigen, kannst du froh sein.

    • Vor 16 Tagen

      Wenn man sich darauf einen keulen muss, dass man JMT und nicht Selena Gomez hört, hat man die Szene nicht wirklich verstanden

    • Vor 16 Tagen

      Tja Eisprung, immer schön brav unter der Gürtellinie. Macht nix. Du weißt am besten was dir gut tut.

    • Vor 16 Tagen

      @startwith...

      Das halte ich für ein Gerücht.

    • Vor 16 Tagen

      "Reg dich nicht auf, Der_Zyniker"
      "Joe, mach dir nichts draus"

      Manchmal braucht es zur allgemeinen Entschleunigung einfach mal einen Sancho am Morgen, der die aufgebrachte Meute zur Pianomachung aufruft. Diese positive Haltung hat mir damals auch sehr geholfen, als der niveauvolle und wunderbar unkindisch diskutierende Spiegel alle Alben, die ich mal als Favoriten bezeichnet habe mit 1/5 bewertet hat. Ein diabolischer Plan, den er einst mit Nemo und dem bekifften Krokodil ausheckte und der es mir "mal so richtig zeigen sollte".
      Er, der selbst seitenlange Selbstgespräche mit seinem Zweitaccount führte, um wenigstens mal einen Gesprächspartner auf seiner Seite zu haben, anstatt seinen ideologischen Castor einfach in ein entsprechendes Politforum zu transportieren.
      Um so schöner ist es, zu sehen, dass er in seinen klaren Momenten Threads, an denen er nicht im Geringsten beteiligt ist, als Podest für einen gepflegten Aufruf zum lockeren Durch-Die-Hose-Atmen nutzt und somit der Gesellschaft noch einen positiven Nutzen erweist.
      Wenn die Astschildkröte (RIP) das noch erleben könnte.

    • Vor 16 Tagen

      Ja, es ist wirklich beachtlich, wie er uns allen mal wieder den Spiegel vorhält.

    • Vor 16 Tagen

      Drake hat die singles. Mehr als jeder andere rapper. Reicht.

    • Vor 16 Tagen

      @Joe: falls du nicht gerade U20 bist, ist es nichts Besonderes, dass du als "Old Head" klassischen Hip Hop magst. Das ist einfach mal Fakt. Wir sind hier nicht in Atlanta.

    • Vor 16 Tagen

      Was für Singles? "Energy" fand ich cool, das ist aber schon 'ne Weile her. "Hotbline Bling" war zumindest kultig.

    • Vor 16 Tagen

      nice for what hat doch nen schönen oldschooltouch und guten bounce. die lyriks sind leider extrem peinlich und haben sich im nachhinein als ziemlich heuchlerisch ergeben. sonst fand ich drake schon immer überschätzt. diese monotone nölige stimme, die er hat. er kann nur eine tonlage. fürs rappen zu weinerlich, fürs singen zu flach.

    • Vor 16 Tagen

      glaube eh, dass scorpion peak drake ist. danach gehts kommerziell abwärts. die welt ist saturiert von drake. als künstler war drake schon immer ein fraud.
      der zukünftige topstar post malone verspricht aber auch keine besserung. er ist leider auch son monotoner typ, der weder rappen noch singen kann, aber weiss wie man eingängige lieder für die vibesuchende streaminggeneration schreibt. kann mit diesem seelenlosen sound einfach niks anfangen. hinzu kommt noch diese eigenartige passiv-aggressive sad boy attitüde, die drake und post malone haben.

    • Vor 15 Tagen

      Vor Views musste Drizzy gar nicht über die Singles definiert kommen. Seine Musik hatte immer eine bestimmte Stimmung, die von 40 perfekt ergänzt wurde. Gerade bei den ersten Alben ist es das Gesamtprodukt und nicht DIE Single, die sich abhebt. Seitdem es nicht mehr so ist, ist seine Musik relativ bescheiden geworden. NWTS & IYRTITL war peak Drake.

    • Vor 15 Tagen

      Startwiththegreeks

      Ich ziehe mir die neuen Sachen auch rein. Zum Beispiel gefällt mir unglaublich gut "Taste" von Tyga. Schon lange kein so geilen Headbanger Track gehört. Nebenbei produziere ich selbst Hip Hop und nicht nur Old School.

    • Vor 15 Tagen

      Ich höre das, was ich als gute Musik empfinde. Mir scheißegal, welchen Stempel die Musik von anderen Menschen kriegt.

      Und ich hab früher Rap Battles organisiert. Ist ja auch alles cool, aber diese "nur der 90er Rap war geil" Einstellung ist irgendwie hängengeblieben. Sei froh, dass du sie nicht hast.

    • Vor 13 Tagen

      "Nothing was the same" zählt zu meinen Lieblingsalben der 10er jahre. MMN sein Peak.

    • Vor 12 Tagen

      NWTS ist wirklich unglaublich stark. Die Produktion ist ein Traum.

    • Vor 12 Tagen

      Wenn das der lautuser noch lesen könnte, der würde es überover diggeln, dass hier so hip hüpfrige Hörnchen am Start sind.

    • Vor 12 Tagen

      Glaub mir, mundi. Er weiß es... er weiß es.

    • Vor 12 Tagen

      Fürwahr! Ist er doch jüngst verschmolzen mit den 5 Elementen, weshalb er nicht mehr unter uns weilen kann, und somit seelisch verbunden mit allen Heads dieses Planeten. One Love ♥.

  • Vor 16 Tagen

    Ein auf und ab mit drake seit ein paar Jahren. „If you reading this“ war krass, „views“ bis auf ausnahmen zu lang, öde, „more life“ gerettet, mind. die hälfte war krass. Hier wieder einöde...

  • Vor 8 Tagen

    Es klingt einfach ziemlich eintönig und langweilig. Drake klingt in jeden seiner Tracks ziemlich lustlos. Der einzige Track der mir minimal irgendwie etwas gefiel war "In my Feelings" da waren die beats noch gut genug meine Aufmerksamkeit zu kriegen.