laut.de-Kritik

Ehrlich, spritzig und energetisch.

Review von

The Jam. Bringen wir es gleich auf den Punkt: Die Dogs klingen wie The Jam. In bester Paul Weller-Manier rotzt Sänger Johnny Cooke seine Texte ins Mikrofon, als wären die Mods niemals in den Klamottenkisten von Ben Sherman verloren gegangen. Aber "klingen wie" heißt noch lange nicht, dass es sich um ein billiges Plagiat handelt. The Jam sind tot, ein heiliges Fach in gutsortierten Plattensammlungen. Die Dogs sind die legitimen Erben. Allerdings folgten auf The Jam ja noch Oasis, die Libertines, die Stereophonics, Razorlight, Dirty Pretty Things und weitere. Mit diesen Zeitgenossen müssen sich die fünf Londoner messen lassen.

Den Vergleich zu Razorlight konnten die Dogs nicht standhalten, zumindest nach Meinung von Island Records, und so erscheint "Tall Stories From Under The Table" heuer auf einem kleinen Indie. Nach nicht einmal einer Minute vom Opener "Dirty Little Shop" dürften die Insel-Major ihren Schritt jedoch ernsthaft bereuen, denn das Album beginnt mit einer Hymne, wie sie nur selten über den Ärmelkanal aufs europäische Festland tönt. Mit jedem Takt pulsiert das Lied stärker nur um im Refrain mehrfach zu explodieren.

Eine klug gesetzte Bridge tut ihr Übriges und bevor der Plattenspieler den Song wiederholt, rotiert der schon im Kopf vor sich hin. Auch wenn sich jede Band der Insel - von Art Brut einmal abgesehen - mit dem musikalischen Erbe der Vorgänger herumschlagen muss, gelingt ausgerechnet denen, die wie The Jam klingen, ein erfrischend ehrliches, spritziges und energetisches Album.

Der gemächliche Auftakt von "Soldier On", der ersten Single-Auskopplung, leitet ein wenig in die antriebslose Irre, schwenkt aber noch rechtzeitig in einen schwungvollen rollenden Kracher. Turbonegro legten unlängst ihr Schwanz-Album vor, dieses hier ist Herz pur und es klingt dringlich. Ohne Umwege ziehen die fünf Muster-Dogs die Aufmerksamkeit auf sich. Nur das entspannte Zuhören mag nicht richtig gelingen, da der Körper des Zuhörenden zum zuckenden Resonanzkörper mutiert.

Mit jedem Lied, wächst die Sehnsucht nach der Flasche Bier und einer schwach beleuchteten Tanzfläche. Mit "This Stone Is A Bullet" klettert das Zweitwerk der Briten mit einer geradezu arroganten Leichtigkeit in die noch zu erstellende Jahresbestenliste. Die von Steve Musters hervorragend produzierte Platte schmeichelt den ertaubenden Rock-Ohren mit einer druckvollen Dichte. Sollen doch Coldplay oder Keane für Verschnaufpausen sorgen.

Oder besser doch nicht: "Let It Lay", bei dem Modfather Paul Weller persönlich in die Tasten greift, und "Who Are You" schlagen zwar ruhigere, aber nicht minder einprägsame Töne an. Dennoch bewegen sich die Dogs fernab jeglichen Kuschelrocks. Es ließe sich nun jeder Song ob eines ihm eigenen Merkmals hervorheben, doch bricht die Lobhudelei hier ab. Zeit ist kostbar und mit dem rotierenden "Tall Stories From Under The Table" richtig wertvoll.

Trackliste

  1. 1. Dirty Little Shop
  2. 2. Soldier On
  3. 3. Winston Smith
  4. 4. This Stone Is A Bullet
  5. 5. Chained To No One
  6. 6. Forget It All
  7. 7. Little Pretenders
  8. 8. On A Bridge, By A Pub
  9. 9. Who Are You
  10. 10. These Days
  11. 11. By The River
  12. 12. Let It Lay

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