laut.de-Kritik

Mit Biss und Wut im Bauch in die obere Hartwurst-Liga.

Review von

Huppala! An eine Sitar erinnernde Klänge eröffnen das neueste Album der Chicagoer Lärmtruppe. Im Anschluss an die gemächliche Eröffnung ballern einem dann Rhythmus-Folgen um die Ohren, die genauso gut auf einem Dream Theater-Album hätten auftauchen können. Erst wenn Shouter Draiman das Szepter an sich reißt, ist klar, wer hier wieder das Haus rockt. Mit seinem unnachahmlichen Gesangsstil setzt David die entscheidenden Kontrastpunkte, die den Sound Disturbeds über das Gros der Nu Metal-lastigen Hartwurstfraktion erhebt.

"Ten Thousand Fists", ein Albumtitel, der doch arg klischeebeladen klingt. Und auch die Covergestaltung lässt nichts Gutes erahnen. Schimmert hier doch so etwas wie das dicke Hose-Gehabe einer Limp Bizkit-Scheibe durch. Wer es dennoch wagt, die Platte in den Player zu legen, erlebt sein blaues Wunder. Mit Biss, Wut im Bauch und erfrischender Spielfreude startet das Quartett den Titeltrack und bleibt auch in der Folgezeit am Ball. "Just Stop" spiegelt Draimans Vorliebe für einen abgehackten Gesangsstil wieder. Im Refrain blitzt gleichzeitig die beim Vorgänger entdeckte Liebe für zu (nicht zu) pathetischen Melodiesport auf. Aggressivität und Harmonie verbinden sich zu einer schlagkräftigen Einheit.

Das produziert Hymnen-Material am laufenden Band. Den ersten großen Höhepunkt liefert in dieser Hinsicht "Deify". Obwohl man beim erklingen eines George Bush-Samples spontan Pickel im Ohr bekommen könnte, zählt dieser Song locker zu den besten fünf, die je aus der Disturbed-Feder das Tageslicht erspähten. Düster und dräuend rollt und grollt sich die Band durch einen wahrhaften Hochkaräter. "Deify you, they view you as the new messiah, deify you renew belief in some demented man". Wer genau der Adressat dieser anklagenden Worte sein soll, bleibt im Dunkeln, der Text bleibt bewusst auf der spekulativen Ebene. Dem kann die Single-Auskopplung "Stricken" nicht ganz das Wasser reichen.

"I'm alive!" Jepp, lebendig in jeder Hinsicht. "Sons Of Plunder" sticht abermals durch eine gelungene Melodieführung hervor. Der schleppende Track glänzt mit einem David Draiman in gesanglicher Topform. Dieser Mann stellt mit seiner Stimme eine Ausnahmeerscheinung dar, spielt er doch die Klaviatur der Emotionen mit höchster Versiertheit. Gitarrist Dan Donegan stellt seine Fähigkeiten auch nicht mehr so unter den Scheffel, wie in der Vergangenheit, sondern dudelt öfters denn je als Solist durch die Gegend, was der Platte hörbar gut tut.

Mit "Land Of Confusion" haben sie wieder ein Cover eines bekannten Songs am Start. An das geniale "Shout" kann es zwar nicht anknüpfen, tönt aber dennoch launig. Phil Collins auf Metal. Auch nicht schlecht. Gegen Ende scheinen die Songs ein wenig abzuflachen, aber auch ein auf den ersten Eindruck nicht sonderlich einprägsamerTitel wie "Sacred Lie" oder "Pain Redefined" entwickeln sich nach mehreren Durchlaufen zu veritablen Sound-Hämmer.

Wer Disturbed bereits abschreiben wollte, muss umdenken. Mit Album Nummer drei erspielen sich die Amis einen Platz in der oberen Hartwurst-Liga.

Trackliste

  1. 1. Ten Thousand Fists
  2. 2. Just Stop
  3. 3. Guarded
  4. 4. Deify
  5. 5. Stricken
  6. 6. I'm Alive
  7. 7. Sons Of Plunder
  8. 8. Overburdened
  9. 9. Decadence
  10. 10. Forgiven
  11. 11. Land Of Confusion
  12. 12. Sacred Lie
  13. 13. Pain Redefined
  14. 14. Avarice

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