Porträt

laut.de-Biographie

Diloman

"'Dilo' ist ja was Kurdisches. Das heißt Herz", erklärt Diloman breit grinsend im Interview mit TV Strassensound, "Herz/Schmerz – das hat gepasst." Sein warmherziges Auftreten steht im krassen Gegensatz zu seinen Songs. Da ruht sein Finger am Abzug der AK-47, während er stetig Im- wie Export im Blick behält. Innovation mag anders klingen, doch anders als viele Kollegen, die sklavisch vermeintliche Genre-Regeln einhalten, blickt der Wahlberliner auf eine dramatische Vergangenheit zurück: "Manche sind zur Schule gegangen. Ich war auf der Flucht hier nach Deutschland."

"Ich bin aus Kurdistan", berichtigt er Behauptungen, aus dem Irak zu stammen. Die konfliktreiche Region verliert in Zeiten des aufziehenden Golfkriegs weiter an Stabilität. Sein Vater flüchtet als erster aus dem Nahen Osten, um in Deutschland behördliche Unterstützung für die akut gefährdete Familie zu erbitten. Als er auf taube Ohren stößt, greift er auf die kostspielige Hilfe von Schleppern zurück. Die Flucht erfolgt über die Türkei und Griechenland. Während seine Mutter den Weg über die Schweiz beschreitet, gelangt Diloman mit seinem Bruder über Italien und Frankreich nach Bonn.

Die Familie landet in einer Asylunterkunft. Mit nun neun Jahren hat er bereits die ersten Schuljahre verpasst. "Ich habe leider voll viel nicht mitgenommen, was Schule angeht", bedauert er seine Startschwierigkeiten gegenüber der Backspin. Die Familie zieht nach Berlin, wo er direkt die Oberschule besucht. Da sich die Defizite kaum aufholen lassen, muss er sich den essentiellen Lernstoff selbst erarbeiten: "Die Straße war mein Mathelehrer und Filme waren mein Deutschlehrer." So durchlebt Diloman praktisch die traditionelle Sozialisation eines Rappers.

Er wächst mit den Tapes der lokalen Größen von Berlin Crime auf. Frauenarzt und King Orgasmus One nehmen früh einen Legendenstatus ein. Doch er bewegt sich auch im Umfeld von Aggro Berlin, das zunehmend Erfolge einfährt. Ab 2006 festigen sich seine eigenen musikalischen Ambitionen. Mit seiner Crew Berliner Einsatzkommando, das sich bereits unter dem Akronym BEK in der Szene bewegt, tritt er auf "Die Sekte (Christmas Edition)" von Die Sekte und "Almanci" von Alpa Gun auf. Kurzzeitig begibt er sich unter die Ägide von Mosh36 und unterstützt ihn auf dem Mixtape "BZ".

2014 erscheint "Emmertsgrund Berlin" an der Seite von Kurdo. Zudem hält sich Diloman weiterhin eng im ehemaligen Aggro-Umfeld auf. Dessen Plattform Aggro.TV veröffentlichen gleich mehrere Videos des Rappers. Mit "Areee" folgt im März 2017 die erste EP über Beste Beatz. Auf "#31#" von Azero, "Juggernaut" von Hasan.K und Gringo sowie "Ohne Grinden Kein Flexen" von Big Toe übernimmt er Gastparts. Rap.de gibt sich sicher: Diloman gehört neben Payy, Ulysse und Skinny Finsta zu den Newcomern, "die 2018 abreißen werden".

Nach viermonatiger Produktionsphase erscheint im Frühjahr 2018 sein Debütalbum "Tek Tek". Kontra K, Kalazh44, Kurdo, Gringo, Azero und Shqiptar unterstützen ihn musikalisch, Sido und Eno über Instagram-Posts. Auch dank des vielstimmigen Lobes forciert er weiter den Aufbau seines Labels, das wie seine Crew unter dem neuen Namen Bis Es Klappt firmiert. Diloman tritt ebenso auf Shqiptars Album "Bohrmaschin" wie auf Azeros "Bella" auf. Im Frühjahr 2019 erweitert er das Label-Roster um Kasimir1441, dessen Singles dem Unternehmen millionenfache Klicks bescheren.

Um ältere Songs noch einmal für die Spotify-Verwertung zu bündeln, erscheint Ende 2019 "Mixtape: Böses Blut". Im Frühjahr folgt sein zweites Album "Bis Es Klappt", das neben seinem eigenen Team auch Haftbefehl und Milonair aufbietet. Anders als noch bei "Tek Tek" konzentriert er sich ganz auf den digitalen Vertrieb: "Wenn man ein großer Rapper wie Xatar oder Summer Cem ist, dann ist es wichtig, ein Album mit Box zu machen." Mit seinem dritten Album lasse er sich ohnehin "erstmal Zeit". Bis dahin folgt er der zeitgemäßen Strategie: "Singles, Singles, Singles."

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